Mitarbeiterinnen der Notfallseelsorge
Mitarbeiterinnen der Notfallseelsorge

16.09.2015

Notfallseelsorger diskutieren Umgang mit Gewaltopfern Immer ein offenes Ohr

Notfallseelsorger aus allen Teilen Deutschlands diskutieren seit Mittwoch in Köln, wie sie nach Gewalttaten und Katastrophen besser reagieren können. Nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs im März waren zahlreiche Notfallseelsorger im Einsatz.

"Betroffene von Gewalttaten brauchen Begleitung und Orientierung, sei es nach häuslicher Gewalt, Terroranschlägen, Amokläufen oder Flugzeugabstürzen", sagte Uwe Rieske, Landespfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland, am Mittwoch in Köln. Der Bundeskongress Notfallseelsorge und Krisenintervention steht unter dem Titel "Formen und Folgen von Gewalt" und dauert bis Freitag.

Seelsorge für Opfer und Täter

"Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine ging es für die Seelsorger etwa um die Frage, was es für die Angehörigen der Passagiere bedeutet, dass kein technisches Versagen, sondern eine Gewalttat vorliegt", sagte Rieske. Auch auf die Mitarbeiter der Fluggesellschaft habe man sich anders eingestellt, als klargeworden sei, dass ein Kollege offenbar den Absturz absichtlich verschuldete.

Rieske betonte dabei, dass die Notfallseelsorger sich sowohl um Opfer wie Täter kümmerten. "Wer schuld hat, ist für unsere Aufgabe unerheblich. Uns geht es darum, was die Bedürfnisse der Betroffenen sind, auch die der Täter."

Bundesweit 7.500 Menschen in der Notfallseelsorge tätig

Die Notfallseelsorge wird bei Gewalttaten und Katastrophen von den Einsatzleitern von Polizei und Feuerwehr vor Ort verständigt, wenn diese Unterstützung benötigen. "Und meistens sind die Opfer sehr dankbar, dass jemand da ist und ihnen zuhört", sagte Rieske. Dass die Seelsorger keine Psychologen seien, sei dabei nicht wichtig: "Denn die Mittel der Psychologie greifen in der Akutphase ohnehin nicht."

In der Notfallseelsorge sind den Angaben zufolge bundesweit 7.500 Mitarbeiter tätig, davon 5.000 Pfarrer, Diakone und fest angestellte Kirchenmitarbeiter. Bei den restlichen 2.500 handelt es sich um Ehrenamtliche. Im Jahr finden in ganz Deutschland etwa 21.000 Einsätze statt.

 

(epd)

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