Don Bosco
Don Bosco

16.08.2015

Vor 200 Jahren wurde der Ordensgründer Don Bosco geboren "Streetworker Gottes"

Im Elend der Industriellen Revolution kümmerte sich Giovanni Bosco im 19. Jahrhundert in Turin um verwahrloste Heranwachsende und gab ihnen eine Perspektive. Heute würde man ihn wohl einen "Streetworker" nennen.

"Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen." Der Wahlspruch des Turiner Heiligen steht auch heute noch in manchem Poesiealbum. Vor 200 Jahren, am 16. August 1815, wurde der Ordensgründer und Pädagoge Don Bosco geboren. Giovanni Melchiorre Bosco vereinigte alle Eigenschaften in sich, die typisch sind für Ordensgründer: tiefe Frömmigkeit und Charisma, Organisationstalent und einen Blick für die Nöte der Zeit. 1934 wurde er heiliggesprochen.

Die Nöte hatte er am eigenen Leib zu spüren bekommen. Schon zwei Jahre nach seiner Geburt als jüngstes von drei Kindern einer Bauernfamilie im piemontesischen Becchi starb sein Vater. Die Mutter brachte die Familie mühsam durch. An Unterricht für den kleinen Giovanni war dabei nicht zu denken. Erst mit neun Jahren lernte er endlich lesen und schreiben.

Steiniger Werg zum Priesteramt

Schon früh verspürte er den Wunsch, Priester zu werden. Der Weg dorthin war steinig; vor allem sein älterer Stiefbruder, der ihn bei der Feldarbeit brauchte, machte ihm das Leben schwer. Die Unterstützung durch seine Mutter und den Dorfkaplan sowie die eigene Hartnäckigkeit verhalfen ihm jedoch zu der ersehnten Bildung. Ab 1830 besuchte er das Gymnasium. Nach dem Besuch des Priesterseminars in Chieri wurde er 1841 zum Priester geweiht. Seine erste Stelle trat Don Bosco - "Don" ist die in Italien übliche Anrede von Geistlichen - in Turin an.

Politische, wirtschaftliche und soziale Verwerfungen prägten seinen Lebensweg. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Turin zu einem industriellen Zentrum. Die Härten des Frühkapitalismus trafen vor allem die Kinder: Viele waren gezwungen, auf der Straße zu leben, Fabrikarbeit war keine Seltenheit. Noch im Jahr seiner Priesterweihe hatte Don Bosco eine Begegnung, die als Initialzündung für seine Berufung gelten kann: Im Dezember 1841 verirrte sich der Straßenjunge Bartolomeo Garelli in die Sakristei seiner Kirche. Er und seine Freunde wurden zu Don Boscos ersten Schützlingen.

Erzieher und Seelsorger

Der junge Priester verbrachte seine Freizeit mit den Jungen und unterrichtete sie. Dabei verstand er sich gleichermaßen als Erzieher und Seelsorger. Er wolle die Jungen zu "aufrichtigen Bürgern und guten Christen" heranbilden, schrieb er. Dieser aus heutiger Sicht ganzheitliche Ansatz war neu in einer Zeit, in der Prävention für die Pädagogik ein Fremdwort war und weite Kreise der Kirche ablehnend gegenüber standen. Schon bald kamen die Jungen in Scharen in sein "Oratorium", einen Ort, an dem sie leben und spielen, beten, lernen und arbeiten konnten.

Mit seiner pädagogischen Arbeit setzte Don Bosco Maßstäbe. Erzieher seien «Assistenten» der Jugendlichen, die ihren Schützlingen mit ehrlichem Interesse, ermutigend und unterstützend zur Seite stehen sollten. Die drei Säulen seines Erziehungssystems bildeten Vernunft, Religion und Liebe. Geist und Seele sollten gleichermaßen angesprochen werden.

Gründung von Lehrwerkstätten und Schulen

Wesentliche Impulse verdankte er seinem Beichtvater, dem nur wenige Jahre älteren Don Giuseppe Cafasso. Cafasso war nicht nur sozial engagiert, er brachte Don Bosco auch mit der salesianischen Spiritualität in Kontakt. Sie wurde Grundlage der von ihm gegründeten Ordensgemeinschaft. Denn bereits in den frühen 1850er Jahren stellte sich für Don Bosco die Frage, wie die Jugendeinrichtungen personell und strukturell abgesichert werden könnten. Längst kümmerte er sich nicht mehr allein um die Jungen. Zahlreiche Mitarbeiter, darunter auch seine Mutter, unterstützten ihn. Gemeinsam gründeten sie Lehrwerkstätten und Schulen.

Am 18. Dezember 1859 war es endlich soweit: 17 enge Mitarbeiter anerkannten die von Don Bosco ausgearbeiteten Statuten und wählten ihn zu ihrem Generaloberen. Dieser Tag gilt als Gründungsdatum der Salesianer Don Boscos. 1874 erhielt die Gemeinschaft die endgültige Anerkennung durch den Papst. Erste Niederlassungen in Europa und Südamerika wurden gegründet; als Don Bosco 72-jährig in Turin starb, gab es bereits mehr als 1.000 Salesianer. In Deutschland sind sie seit 1916 präsent - bis heute gehören Sozialarbeit, Seelsorge und Bildung für Kinder und Jugendliche zu ihren zentralen Arbeitsfeldern.

Birgitta Negel-Täuber
(KNA)

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