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Pfarrer spendet Blasiussegen

09.07.2015

Belastung von katholischen und evangelischen Pfarrern Die Allzuständigkeit des Pfarrers

Gottesdienste und kaputte Dachrinnen am Pfarrhaus: Der Arbeitsalltag von Pfarrern ist vielfältig. Es muss klare Aufgaben geben, heißt es von der Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen. Ein Interview mit Geschäftsführer Georg Hofmeister.

domradio.de: Wie sieht der Arbeitsalltag eines Pfarrers heute aus? Es ist ja wesentlich mehr als nur Gottesdienste zu feiern.

Dr. Georg Hofmeister (Geschäftsführer Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen, Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge): Der Pfarrberuf ist sehr vielfältig. Den meisten fallen die Gottesdienste ein, die Besuche von Kranken und Geburtstagskindern. Es gibt aber auch noch die Konfirmanden- und Jugendarbeit, Besuche in Seniorenheimen und darüber hinaus ganz viele Aufgaben im Bereich der Verwaltung: Haushalte aufstellen, Kirchenvorstandssitzungen leiten, sich um kaputte Dachrinnen am Pfarrhaus kümmern, Gottesdienstpläne aufstellen. Und dazwischen kommen unvorhergesehene Beerdigungen. Oftmals sagt man auch: Ein Pfarrer ist ein Universaldilettant. Er kann von allem ein bisschen etwas und das ist auch gefordert.

domradio.de: Vergangene Woche haben Sie eine Tagung zu diesem Thema veranstaltet, wo es vor allem um die gesundheitliche Belastung als Folge geht. Da kommen Sie als Versicherer natürlich ins Spiel. Sie wollen, dass die Pfarrer gesund bleiben und nicht allzu viele Kosten verursachen. Wie sieht die gesundheitliche Belastung denn aus? 

Hofmeister: Da muss man sich vergegenwärtigen, dass sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen hat. Der Pfarrberuf war schon immer belastend - wegen der ständigen Erreichbarkeit und der Verschränkung von Beruf und Privatleben. In den letzten Jahren gibt es aber einige Elemente, die diese Situation verschärft haben. Mit den Strukturreformen in den Bistümern sind die Fusionen von Kirchengemeinden und der Personalabbau verbunden. Ich erinnere außerdem an den demographischen Wandel: da gibt es eine älter werdende Pfarrerschaft und gleichzeitig Nachwuchsmangel. Ich erinnere aber auch an den gesellschaftlichen Bedeutungsverlust von Kirche. Früher war es so, dass das Amt die Person getragen hat. Das hat dem Pfarrer Halt und Stärke in der Gemeinde gegeben. Heute muss der Pfarrer sich auch rechtfertigen und für Kirche einstehen. Er ist im Bestreben, durch sein eigenes Können und durch seine eigene Persönlichkeit auszugleichen.

domradio.de: Macht das psychisch krank?

Hofmeister: Das ist ganz unterschiedlich. Es kann sein, dass sich die psychische Situation verändert. Es kann aber auch somatisch sein. Wie bei allen Berufstätigen haben Belastungssituationen auch hier unterschiedliche Auswirkungen. Ich gebe mal ein Beispiel: Es gibt einen evangelischen Kirchenkreis in Hessen, der untersucht wurde. Zwei Drittel der Pfarrer und Pfarrerinnen dort waren Burnout-gefährdet. Ich denke, das sind wirklich alarmierende Zahlen. 

domradio.de: Jetzt fordern Sie eine klare Aufgabenbeschreibung für Pfarrer. Wie soll die denn aussehen?

Hofmeister: Wir fordern erstmal nichts, sondern haben eine Tagung veranstaltet. Auf dieser Tagung waren Personalreferenten und Vertreter von Pfarrer-Verbänden. Wir haben gemeinsam diskutiert und ein Ergebnis war, dass wir eine klare Bestimmung der Kernaufgaben von Pfarrer und Pfarrerinnen brauchen. Die Allzuständigkeit des Pfarrers ist bei weniger Personal kein Weg für die Zukunft. Wir brauchen eine klare Bestimmung von Kann-, Soll- und Mussaufgaben. Nur so wird ein Pfarrer auch selber Klarheit haben, was er zu machen hat.

domradio.de: Also weg vom "Mädchen für alles". Aber wenn wir bei der Dachrinne bleiben, die Sie vorhin erwähnt haben: irgendjemand muss sich ja darum kümmern...

Hofmeister: Da geht es darum, dass wir in Zukunft stärker das Miteinander der kirchlichen Ämter und den Einbezug von Ehrenamtlichen betonen. Es ist kein Zukunftsweg sich nur auf den Pfarrer oder die Pfarrerin zu fixieren. Wir müssen wir bewusst sehen, dass es auch andere Ämter in der Kirche gibt: das Küsteramt, den Jugendarbeiter, das Diakonenamt und sehr viele Ehrenamtliche, die bereit sind, Aufgaben zu übernehmen. Multiprofessionelle Teams müssen gegründet werden. Dann kann auch jeder seine Gaben und Fähigkeiten einbringen.

 

Das Interview führte Tobias Fricke.

(dr)

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