Trauer nach der Flugzeugkatastrophe
Trauer nach der Flugzeugkatastrophe

02.04.2015

Düsseldorfer Notfallseelsorger Dörpinghaus eine Woche nach dem Flugzeugabsturz "Mit dem Geschenk des Lebens sorgfältig umgehen"

Über eine Woche ist es her, dass ein Flugzeug mit 150 Menschen in Südfrankreich abgestürzt ist. Für die Angehörigen beginnt nun die Phase, in der sie den Verlust realisieren, sagt Notfallseelsorger Christoph Dörpinghaus im domradio.de-Gespräch.

domradio.de: Über eine Woche ist der Flugzeugabsturz jetzt her. Was passiert gerade in der Seelsorge?

Christoph Dörpinghaus (Notfallseelsorge Düsseldorf): Jetzt läuft der Übergang in die zweite Phase, die Übergabe der Seelsorge in andere Einrichtungen. Die psychologische Betreuung wird ja nicht nur eine kurzfristige Krisenintervention sein.

domradio.de: Sie haben mit vielen Angehörigen gesprochen. So ein Schicksal ist ja so ziemlich das Schlimmste was man sich vorstellen kann. Wie konnten Sie den Menschen helfen?

Dörpinghaus: Das ist eine schwierige Frage. In der Akut-Situation wird gar nicht viel gesagt. Da geht es darum, das Unbegreifliche auszuhalten. Da ist manchmal jedes Wort zu viel und da gibt es auch keinen Trost.

Jetzt allmählich setzt das Verstehen ein, dass da jemand nicht mehr zurückkommt. Jeder, der schon einmal einen Trauerfall in der Familie hatte, weiß, dass die Zeit zwischen dem Realisieren, dass jemand gestorben ist, und der Beerdigung eine Übergangszeit ist. Das ist ein Schwebezustand.

Es haben noch gar keine Beerdigungen stattgefunden. Es hat noch gar keine Zustellungen von Todesnachrichten gegeben, weil die Identifizierung gerade läuft. Das einzige, das im Moment klar ist, ist: Da stehen Menschen auf Passagierlisten und die melden sich nicht.

domradio.de: Wir haben schon am Tag nach dem Unglück mit Ihnen gesprochen. Inzwischen weiß man mehr über die Katastrophe, zum Beispiel, dass der Copilot vermutlich den Absturz selbst eingeleitet hat. Ändert dieses Wissen etwas an der Gefühlslage der Angehörigen?

Dörpinghaus: Ja und Nein. Es gibt Angehörige, die sagen: 'Es ist mir egal, was passiert ist. Mein Angehöriger ist tot und alles andere ist völlig unwichtig.' Auf der anderen Seite wissen wir aus der Psychotraumatologie, dass die von Menschen herbeigeführten Katastrophen durchaus eine Belastung für die Angehörigen bedeuten. Ich glaube, es ist für die Verarbeitung ein Unterschied, ob es ein tragisches Unglück ist oder ob jemand willentlich den Absturz herbeigeführt hat. Aber das ist auch sehr unterschiedlich, jeder bewertet das anders.

domradio.de: Selbst viele Menschen, die das Unglück nur über die Medien verfolgt haben, sind schockiert und bestürzt. Was würden Sie denen, was würden Sie uns raten? Wie geht man damit um?

Dörpinghaus: Uns, die das ganz persönlich nicht betroffen hat, die wir nur schockiert sind und mitfühlen, uns kann ich nur sagen: Leben - und das feiern wir ja auch an Ostern - ist immer Hier und Jetzt. Und Leben ist kostbar. Wir können aus der Katastrophe lernen, mit dem Geschenk des Lebens sorgfältig umzugehen.

 

Die Fragen stellte Tobias Fricke.

(dr)

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