05.05.2014

Zirkuspfarrer Ellinghaus über Faszination und Herausforderung seines Berufs Mit der "fahrenden Sakristei" zum Zirkus

Zirkusseelsorger zu sein heißt vor allem, viel unterwegs zu sein und seine Kirche immer dabei zu haben. Sascha Ellinghaus im domradio.de-Gespräch über seine ungewöhnliche Aufgabe.

domradio.de: Sie sind seit März Schaustellerpfarrer. Sie haben die Aufgabe gerne angenommen. Warum?

Ellinghaus: Ich habe diese Aufgabe gerne angenommen. Ich bin bereits seit zwölf Jahren im ehrenamtlichen und nebenamtlichen Dienst in der Zirkus- und Schaustellerseelsorge in der Region Westfalen tätig gewesen und bin im Sommer letzten Jahres angefragt worden, die hauptamtliche Leitung dieses Seelsorgebereiches der Deutschen Bischofskonferenz zu übernehemen. Das habe ich gerne getan, weil ich in den letzetn zwölf Jahren eine große Nähe zu Zirkusleuten und Schaustellern habe gewinnen dürfen, ihre Arbeit schätzen gelernt habe und ich freue mich auch an ihren Darbietungen.

domradio.de: Wie sieht die Arbeit denn praktisch aus? Sie haben keinen Beichtstuhl, keine Kirche vor Ort. Das muss dann wahrscheinlich alles ein bisschen improvisiert werden.

Ellinghaus: Ja, ich habe meinen Transporter, in dem ich sozusagen sämtliches Kirchenequipment mitführe. Da ist der klappbare Altar drin da sind Decken und Tücher, bestickte Decken, damit das Ganze auch eine kirchliche Atmosphäre bekommt, Leuchter, Messgewand, ein klappbarer Ambo, ein Lesepult, von dem wir die Lesung und das Evangelium verkünden können - alles, was in der normalen Kirche vorrätig ist, wird dort in eine transportable Form gebracht.

domradio.de: Sind denn, generell gefragt, Zirkusleute gläubige Menschen?

Ellinghaus: Ich glaube, dass alle Menschen, die viel mit äußeren Einflüssen zu tun haben, eine Affinität oder eine größere Offenheit für den Glauben haben. Ich denke, dass ist so zu sehen wie ähnlich in der Landwirtschaft, wo auch der Landwirt sehr abhängig ist von vielen äußeren Faktoren, so sind es die Schausteller und Zirkusleute auch. Klappt alles beim Aufbau? Kommt man zeitig an? Sind alle Anschlüsse da, für Wasser, für Strom? Können wir zeitig anfangen? Werden Leute kommen? Wie wird das Wetter sein? Haben wir gutes Wetter, was uns mehr Leute bringt, oder schlechtes Wetter, was sie abhält? Da sind viele äußere Einflüsse, die man trotz aller Planung und aller Mühe nicht beeinflussen kann. Und ich glaube, das macht offen auch für den Glauben und vor allen Dingen dankbar für das, was Gott einem ermöglicht und schenkt.

Das gesamte Gespräch als Audio ist diesem Artikel angehängt.

(DR)

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