Das Gebiet der Tiertheologie wächst nach Worten der Expertin Simone Horstmann - "vielleicht sogar stärker als jedes andere theologische Thema".

Zudem lasse ein "gewisses Befremden" gegenüber diesem Feld in der klassischen Theologie nach, sagte Horstmann im Interview der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" am Donnerstag. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Systematische Theologie in Dortmund.

"Zentrale Zukunftsfrage"

Sie hoffe, dass sich die Haltung der katholischen Kirche zu Tieren künftig verändern werde, fügte die Forscherin hinzu.

"Die Beziehung der Theologie zu den nicht-menschlichen Tieren ist eine der zentralsten Zukunftsfragen - auch an ihr wird sich zeigen, wie die Zukunft der Theologie und des Christentums aussehen wird."

Es gehe um die Frage, "warum wir heute überhaupt noch Tiere halten, töten und konsumieren, warum unser Leben so sehr auf dem Leiden von Tieren basieren soll".

Vieles ist nicht notwendig

Ein Großteil dessen, was Tiere erleiden müssten, sei nicht mehr notwendig, sagte Horstmann im Hinblick etwa auf Tierversuche. "Es muss Aufgabe der Theologie sein, hellhörig zu werden, wenn Gewalt und Tod zur Notwendigkeit verklärt werden, egal, um welche Lebewesen es sich handelt."

Ihr als Theologin gehe es um "Deutungsgewalt: Sie äußert sich in nihilistischen Deutungen, die dem Leben von Tieren jedwede Bedeutung absprechen. Auch finden wir viel zu selten eine Sprache dafür, dass das Leben anderer Lebewesen Bedeutung hat.

An der Wirklichkeit der Schlachthöfe erschreckt doch vor allem, mit welcher gnadenlosen Selbstverständlichkeit dort im Sekundentakt getötet wird, als wäre es das Normalste der Welt."

Kann man wirklich noch von "Nutztieren" sprechen?

Die Expertin warb für ein Umdenken. So könne man sich fragen: "Spricht denn etwas dafür, Kühe permanent schwanger zu halten und ihnen die Kinder wegzunehmen, die dann für ein paar Euro wie Abfallprodukte verscherbelt werden?"

Die Welt der "sogenannten Nutztiere" sei "ein permanenter Albtraum, ein Leben, das fast nur aus Angst, Dunkelheit, Deprivation und Qual besteht. Das kann durch keinen Latte-macchiato-Genuss gerechtfertigt werden."

KNA