Extinction Rebellion Demonstration London
Extinction Rebellion Demonstration London
BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie
BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie

08.10.2019

Katholische Jugend zu Extinction Rebellion und zivilem Ungehorsam "Ist das Mittel geeignet?"

Die Klimabewegung "Extinction Rebellion" macht in diesen Tagen auf sich aufmerksam. Die Protestierenden wollen mithilfe von zivilem Ungehorsam auf den drohenden Klimakollaps aufmerksam machen. Was sagt die katholische Jugend dazu?

DOMRADIO.DE: Die Position gegenüber der "Fridays for Future"-Bewegung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist klar, da haben Sie ganz klar Zustimmung signalisiert. Wie sieht es jetzt bei "Extinction Rebellion" aus?

Thomas Andonie (Bundesvorsitzender des BDKJ): Wir sehen einfach, dass in der Gesellschaft gerade das Thema Klimapolitik sehr präsent ist – und das auch zurecht. Das ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Wir sehen bei "Fridays for Future", wie Kinder und Jugendliche das Thema in die breite Öffentlichkeit getragen haben – und das auf eine Art und Weise, die auch ein ziviler Ungehorsam war, der aber trotzdem natürlich wachgerüttelt hat, Bewegungsbedarf signalisiert hat und auch zum Beispiel von der Bundeskanzlerin und der Bundesregierung wahrgenommen worden ist. Ebenso sehen wir es auch bei "Extinction Rebellion", dass da eine Form des zivilen Ungehorsams als Protestform gewählt wird. Da muss man jetzt aber noch einmal fragen: Was ist die Verhältnismäßigkeit? Ist das Mittel, das ich gewählt habe, geeignet, das Ziel, das ich habe, zu verfolgen? Das muss man dann immer wieder im Detail prüfen. "Extinction Rebellion" ist ja auch eine Bewegung, die international ist und in den einzelnen Ländern sehr unterschiedliche Proteste organisiert. Da ist zu fragen: Ist das noch in Ordnung, was da passiert oder ist das schon rechtlich nicht nur heikel?

DOMRADIO.DE: Machen wir es doch mal konkret. Was da gerade jetzt in Berlin passiert, ist das noch in Ordnung in Ihren Augen?

Andonie: Ich glaube, dass das durchaus noch in Ordnung ist. Problematisch wird es, wenn es mit Sachbeschädigung einhergeht, wo Eigentum zerstört oder entsprechend gefährdet wird, das wäre dann schon nicht mehr in Ordnung. Und da muss man dann auch ganz deutlich darüber sprechen: Was ist angemessen, um dem Thema Aufmerksamkeit zu geben? Und was ist angemessen, um das Thema voranzubringen? Und wo schadet man vielleicht sogar dem Ziel, eine gute Klimapolitik umzusetzen dadurch, dass man als sehr radikal wahrgenommen wird und auch als gefährlich in der Wahrnehmung der Bevölkerung?

DOMRADIO.DE: Die "Fridays for Future" Demonstranten, die schwänzen schon mal die Schule für ihre Demos. Die "Extinction Rebellion"-Anhänger blockieren Kreisverkehre. Wie viel ziviler Ungehorsam darf denn sein?

Andonie: Wir als BDKJ trauen es Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen grundsätzlich erst einmal selber zu, zu entscheiden, welches Mittel sie für ihren Protest wählen. Ich glaube, das ist erst mal wichtig. Junge Menschen sind selbst ExpertInnen, nicht nur in ihrer Glaubenswelt, sondern auch in ihrer Lebenswelt und wissen selbst einzuschätzen, was möglich ist und wie weit sie gehen, um ihre Meinung kundzutun. Wir begrüßen natürlich, dass Kinder und Jugendliche politisch aktiv sind und ihre Meinung in die Öffentlichkeit tragen. Und ich glaube, dass sich viel bewegt hat in Deutschland dadurch, dass junge Menschen am Freitag diese Klimademonstrationen durchgezogen haben. Auch in den Ferien, in der Sommerpause waren sie unterwegs und haben das nicht nur als reines Schulschwänzmittel genutzt. Ich glaube, dass das durchaus adäquat und angemessen war, da diesen zivilen Ungehorsam, also den bewussten Bruch mit Regeln, einzugehen. Bei Extinction würde ich auch noch in Betracht ziehen, dass es ja weniger Kinder und Jugendliche sind. Das sind junge Erwachsene, die auf die Straße gehen. Sie haben eine andere Form und Art und Weise des Protests. "Fridays for Future" hat aber derzeit eine viel größere gesellschaftliche Resonanz und auch eine positivere Wahrnehmung des Themas Klimapolitik mit all seinen Bedeutungen.

DOMRADIO.DE: Jutta Ditfurth zum Beispiel, die ehemalige Grünen-Politikerin, rückt "Extinction Rebellion"-Anhänger gar in die Nähe einer Sekte. Wie sehen Sie das?

Andonie: Wenn man sich anschaut, wie sich "Extinction Rebellion" sich selber beschreibt oder wie ihr Gründer das auch beschreibt, ist es ja eher ein Sammelbecken. Da sollen sich alle möglichen Stimmen zusammenfinden. Man muss das differenziert betrachten und auch die unterschiedlichen internationalen Ausprägungen in den Blick nehmen. Was wir zum Beispiel auch wahrnehmen, ist, dass es "Fridays for Future" sehr gut gelungen ist, die Menschen in Deutschland zu erreichen. Und ob das mit den Methoden, die "Extinction Rebellion" gewählt hat, wirklich hilfreich ist oder ob das wirklich funktioniert, ist noch abzuwarten. Das ist auch sehr fraglich, wenn man sich anschaut, wie die Resonanz auf den Protest in Berlin ist.

DOMRADIO.DE: Sie haben auch schon gesagt: Sie vom BDKJ organisieren auch immer wieder mal Aktionen für das Klima. Was sind da die Maßnahmen, die sie vorziehen?

Andonie: Wir haben ja auch die Demonstration von "Fridays for Future" am 20.9. unterstützt als Bundesvorstand zusammen mit einigen Mitgliedern unserer Gremien. Wir setzen uns auch selber aktiv für Klimapolitik ein. Das fängt beim eigenen kritischen Konsum an. Auch Protest sehen wir als wichtige Form, um sich gesellschaftlich zu beteiligen. Zudem setzen wir uns auch im Rahmen der Klimapolitik für ein Lieferkettengesetz ein mit der Initiative Lieferkettengesetz, die auch vor ein paar Wochen gestartet ist, um deutlich zu machen, dass Klimapolitik ein internationales Thema ist. Ein Thema, bei dem es auch um die Frage der Rechte von Menschen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit geht. Wir sind sehr breit aufgestellt, beteiligen uns stark am politischen Diskurs, sind da im Gespräch mit Mitgliedern der Bundesregierung. Unsere Diözesan- und Landesverbände sind auch aktiv im Gespräch mit den PolitikerInnen auf ihren Ebenen und engagieren sich da auch, noch mal stärker das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und für politische Veränderungen zu werben.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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