Solaranlagen auf den Dächern des Vatikan
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Bischof Franz-Josef Overbeck
Nachdenklich: Bischof Franz-Josef Overbeck

09.01.2019

Bischöfliche Empfehlungen für Umweltschutz Vieles muss noch besser werden

Im November 2018 hat die Bischofskonferenz ein Dokument veröffentlicht, in dem sie die Schöpfungsverantwortung als kirchlichen Auftrag sieht. Weniger Fleisch essen oder Energie sparen sind nur zwei Empfehlungen. Und die Umsetzung?

DOMRADIO.DE: Wenn man fünf bis zehn Jahre zurückdenkt, dann ist Kirche und Umweltschutz nicht etwas, das man sofort miteinander verbindet. Weshalb ist es so ein großes Thema?

Bischof Franz-Josef Overbeck (Bischof von Essen und Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz): Die großen Themen, die die Menschen beschäftigen, sind und bleiben auch immer die Themen der Kirche. Die Ökologie ist in der Tat in den letzten zehn Jahren zu einem der ganz großen Themen avanciert. So haben wir uns, auch ausgehend von der Enzyklika "Laudato si'" des Papstes, mit diesem Thema intensiver beschäftigt.

Hinzu kommt, dass die Ökologie auch eine Form ist, mit den gesellschaftlichen und sozialen Verantwortungen umzugehen. Wir müssen Sie zusammen schultern. Deshalb ist heutzutage die ökologische Frage eine der großen sozialen Fragen.

DOMRADIO.DE: Vergangenen Herbst haben Sie eine Liste mit Empfehlungen herausgegeben, an die sich die deutschen Bistümer halten sollen, um den Umweltschutz zu fördern. Bei einer davon geht es darum, eigene Traditionen wiederzuentdecken, beispielsweise den Verzicht auf Fleisch an bestimmten Tagen. Das hatten auch die Grünen vor ein paar Jahren gefordert. Sie warben für einen "Veggie Day", also einen Vegetarier-Tag. Das ist damals nicht auf viel Zuspruch gestoßen. Kann das die Kirche besser hinkriegen?

Overbeck: Ich glaube, es ist einfach wichtig, dass wir uns an das erinnern, was dem Leben zuträglich ist. Diese alten Regeln des Essens und des Verspeisens haben natürlich auch mit einer Form der Aufmerksamkeit auf die Schöpfung zu tun. Zugleich geht es aber auch um ein kluges Abwägen des Sinnes für das Fasten.

Dieser Sinn ist für das menschliche Leben bedeutsam. Das wieder zu entdecken, kann eine große Chance sein. Das kann auch unter einem anderen Namen, in diesem Fall säkular, geschehen. Mir scheint, dass wir auf dieser Ebene wieder Altes entdecken, indem wir von außen angestoßen werden.

DOMRADIO.DE: Dann wäre es doch der erste Schritt, das in den Kantinen des Bistums umzusetzen, oder?

Overbeck: Der Reihe nach können wir das tun und tun es bereits. Das hängt aber sehr von den Verbrauchern ab. Ich habe da den Eindruck, dass die Sensibilität für solche neuen Stile, wie zum Beispiel der Umgang mit Lebensmitteln, immer mehr an Gewicht gewinnt.

DOMRADIO.DE: Ein anderes Thema, das Sie in Ihren Empfehlungen aufgreifen, ist das Gebäudemanagement. Die Bistümer sollen mit ihren Gebäuden anders umgehen. Worum geht es da genau?

Overbeck: Es geht um die Frage, wie wir die Gebäude möglichst energiesparend bauen. Das betrifft unter anderem Fenster, Heizungen oder alternative Energien für die Erwärmung von Häusern. Wir versuchen nur Materialien auszuwählen, die möglichst energiesparend sind.

Gleichzeitig sind wir eine der wenigen Organisationen mit ganz alten Baubeständen. Deshalb ist es eine große Herausforderung, die Vorhaben überall entsprechend produktiv umzusetzen. Aber ich glaube, dass wir in dem Maß, in dem uns das möglich ist, schon wirklich gute Schritte nach vorne gehen.

DOMRADIO.DE: Es gibt eine neue Studie der Umwelthilfe, in der herauskommen ist, dass viele Bischöfe der katholischen Kirche nicht die saubersten Dienstwagen fahren. Ist das nicht auch ein Punkt, an dem man was ändern muss?

Overbeck: Ich glaube, dass wir da schon einen guten Schritt vorangekommen sind. Es ergibt sich momentan die Frage, inwieweit die Mobilität mit den vielen Herausforderungen vereinbar ist, wenn man wie ich viel unterwegs sein muss. Da ist sicherlich manches zu verbessern. Allerdings ist auch die Autoindustrie an manche Aufgabe zu erinnern, die sie noch zu erledigen hat.

DOMRADIO.DE: Also zusammengefasst: Wir sind auf einem guten Weg. Aber wo hapert es denn noch? Wo muss von Seiten der Kirche noch mehr passieren?

Overbeck: Mir scheint, dass wir im Blick auf den Umgang mit Müll noch viel lernen können. Das ist ein Phänomen, das alle betrifft. Es beschäftigt momentan viele Menschen. Wir können es an den Stränden dieser Welt sehen. Es stellt sich die Frage, wie wir mit dem vielen Plastikmüll umgehen. Wenn wir darauf eine gute Antwort finden würden, wäre sie der Bewahrung der Schöpfung unheimlich dienlich.

Ich glaube in der Tat, dass wir neue Verkehrskonzepte brauchen, die es uns ersparen, so viel Auto zu fahren. Angesichts der Herausforderung, einen Arbeitsplatz zu erreichen und mobil zu sein, müssen wir bei solchen Konzepten gesellschaftlich unsere Stimme noch mehr erheben. Wir müssen an solche Punkte, die nun wirklich jeden betreffen, erinnern.

DOMRADIO.DE: Wie setzen Sie den Umweltschutz persönlich eigentlich um?

Overbeck: Für mich ist es bedeutsam, dass ich im Alltag verantwortungsbewusst mit der Energieersparnis umgehe, beispielsweise beim Heizen im Winter. Ich tue das Nötige und lasse den Rest. Weil ich viel unterwegs bin, achte ich darauf, dies möglichst energiesparend zu tun. Da muss ich jedoch viele Kompromisse schließen, weil es nicht immer einfach umzusetzen ist.

Außerdem sehe ich zu, dass ich den Umweltschutz in der Öffentlichkeit immer wieder zu einem großen sozialen Thema mache. Verfolgt man die Schwerpunkte, die ich in öffentlichen Gesprächen setze, dann vertiefe ich den Umweltschutz weitaus öfter als früher. Gleichzeitig erinnere ich bei meinen vielen Besuchen in den Gemeinden immer daran, dass alle mit ihren Gebäuden entsprechend energiesparend umgehen oder sie darauf hin entwickeln mögen. Das sind kleine Schritte, aber ein Schritt nach dem anderen macht da schon viel aus.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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