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Benediktinerbrüder sorgen sich um die Umwelt
Die Abtei Münsterschwarzach in Schwarzach am Main
Die Abtei Münsterschwarzach in Schwarzach am Main
Elektroauto der Benediktiner der Abtei Münsterschwarzach
Elektroauto der Benediktiner der Abtei Münsterschwarzach

08.01.2019

Öko-Projekt der Benediktinerabtei Münsterschwarzach Negative CO2-Bilanz rechnet sich

Die Benediktinerabtei in Münsterschwarzach hat es mit ihrem Öko-Projekt geschafft, sogar eine negative CO2-Bilanz zu erzielen. Damit ist die Abtei ein echtes Vorzeigeprojekt geworden, das sogar wirtschaftlich profitabel ist.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie das hingekriegt, dass Sie eine Klimabilanz eine CO2-Bilanz unter Null bekommen haben?

Christoph Gerhard (Wirtschaftsverwalter der Abtei Münsterschwarzach): Da haben wir natürlich einige Zeit für gebraucht. Wir haben unser Öko-Projekt im Jahr 2000 aufgrund eines internen Jubiläums gestartet. Wir haben uns überlegt, typisch Benediktiner, was die Themen für die nächsten hundert Jahre sind.

Da war natürlich der Umweltschutz ganz vorne dabei. Wir haben erst einmal angefangen, Daten von unseren 70 Gebäuden aufzunehmen. Wir haben ja über 50.000 Quadratmeter beheizte Fläche. Wir sind wie ein kleines Dorf, wo sich über 1.000 Leute am Tag aufhalten und entsprechend Energie verbrauchen. Wir haben uns Ziele gesetzt. Zum Beispiel wie wir mit regenerativer Energie heizen. Wir haben nämlich in den 1990er Jahren mit Öl geheizt.

DOMRADIO.DE: Machen wir das mal konkret: Wo bekommen Sie denn die Energie her?

Gerhard: Im Jahr 2003 haben wir eine Heizanlage mit Holz gebaut, weil wir ja mitten im Steigerwald sitzen. Rings um das Kloster ist ein großer Wald, wo fast das Hundertfache der Energie jedes Jahr nachwächst, was wir brauchen. Wir brauchen letzten Endes nur einen Bruchteil für unser Brennholz. Wir heizen seit 2003 mit Holz. Nur wenn es richtig bitterkalt wird, braucht man noch ein bisschen Öl.

Seit 2006 haben wir eine Biogasanlage, mit der wir hauptsächlich den Strom machen. Mittlerweile das Doppelte der Strommenge, die wir selber in der Abtei Münsterschwarzach brauchen. Daher kommt auch diese Gegenrechnung, dass wir sozusagen mehr CO2 einsparen, als wir selber ausstoßen.

DOMRADIO.DE: Der Strom wird dann ins System eingespeist oder was passiert damit?

Gerhard: Der wird in das öffentliche Netz eingespeist. Die Hälfte wird hier auf dem Gelände der Abtei Münsterschwarzach verbraucht. Das andere wird eingespeist und wird natürlich auch vergütet. Das ist der wirtschaftliche Vorteil für das Kloster.

DOMRADIO.DE: Die Wirtschaft ist ein guter Punkt. Das ist ja auch nicht billig, das alles über die Jahre so umzurüsten. Wie haben Sie das hingekriegt?

Gerhard: Ganz einfach durch die Wirtschaftskraft des Klosters. Wir haben ja einen großen Wirtschaftsbetrieb hier neben Schule und Gästehaus, mit denen wir weniger Geld verdienen können. Aber der Wirtschaftsbetrieb der Abtei steht dahinter. Wir haben manchmal auch Wohltäter, die uns helfen das eine oder andere Projekte umzusetzen.

Das andere, was auch wichtig ist: unsere Sparsamkeit. Was man bei der ganzen Öko-Bilanz nicht vergessen darf: Wir leben als Gemeinschaft. Viele Dinge, die ein Singlehaushalt allein benutzt und verbraucht, teilen wir in der Abtei. Als Gemeinschaft zu leben, ist ökologisch relativ günstig.

DOMRADIO.DE: Sie haben sich als Gemeinschaft auch extra ein Elektroauto im vergangenen Sommer besorgt. Wie kommt man damit klar? Ist das anders zu fahren als ein Benzinauto?

Gerhard: Für mich persönlich ist es einfacher zu fahren als ein Benzinauto. Es ist nicht so laut und einfacher zu bedienen. Wenn man mit einem Automatikauto zurechtkommt, ist das überhaupt kein Problem. Der einzige Pferdefuß an der ganzen Geschichte ist noch immer die Reichweite. Die andere Frage - und deswegen haben wir es eigentlich eher so als Testobjekt auch für uns gekauft - ist die Ökobilanz: Komme ich tatsächlich am Ende des Jahres auf eine bessere Ökobilanz? Das müssen wir uns noch anschauen, das wissen wir noch nicht.

DOMRADIO.DE: Im Prinzip könnte jedes mittelgroße Unternehmen das genauso machen. Jetzt sind sie aber kein Unternehmen. Sie sind ein Kloster und Sie berufen sich auf ihren christlichen Glauben, genauer gesagt auf die Benediktinischen Glaubensgrundlagen. Welche Rolle spielt das? Inwiefern treibt Sie das an bei diesen Umweltaktivitäten?

Gerhard: Bei den Umweltaktivitäten ist es eigentlich der Kern des Ganzen, der vom Geistlichen ausgeht. Es geht auch um unser Selbstverständnis: Wie leben wir eigentlich in unserer Welt? 1200 Jahre sind Benediktiner in Münsterschwarzach schon unterwegs. Das heißt: Wie leben wir, dass in 1200 Jahren auch noch Benediktiner in Münstershwarzach leben können?

Eine andere Geschichte, die uns Benedikt mitgibt: Das alltägliche Handwerkszeug ist für ihn genauso wichtig wie die heiligen Altargeräte. Der Gottesdienst ist in der Kirche; Gottesdienst ist aber auch in der Arbeit. Die Frage ist: Wie gehen wir mit unserem Handwerkszeug um? Für uns moderne Menschen ist Energie ein ganz entscheidendes Handwerkszeug.

Das heißt: Wie gehe ich mit Energie um, damit ich meine Umwelt nicht belaste? Wie kann in unserem Tun Gott verherrlicht werden? Wenn wir die Schöpfung schädigen, wenn wir mit unserem Handeln die Umwelt kaputt machen, dann wird Gott sicherlich nicht geehrt oder verherrlicht, sondern wir machen im Gegenteil das Werk Gottes kaputt. Das ist eines der ganz zentralen geistlichen Grundanliegen, weshalb wir das Ganze tun.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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