Schwerer Smog-Schleier umgibt die Innenstadt von Kattowitz
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Demonstration vor der UN-Klimakonferenz
Wunsch nach einem besseren Klima

30.11.2018

Deutsche und polnische Katholiken vor dem Klimagipfel in Kattowitz "Luftig-wolkige Sprüche" reichen nicht

Das katholische Hilfswerk Renovabis begleitet ein Treffen deutscher und polnischer Katholiken in Kattowitz – im Vorfeld des Klimagipfels, der am Montag beginnt. 200 Staaten treffen sich dann, um über den Klimaschutz zu sprechen.

DOMRADIO.DE: Im Vorfeld des Klimagipfels hat eine Delegation deutscher Katholiken Kattowitz besucht, um sich auszutauschen und über eine christlich verantwortbare Klimapolitik zu sprechen. Sie treffen sich in der polnischen Stadt Kattowitz – eine Region, die besonders von Umweltbelastungen aus der Vergangenheit betroffen ist. Wie groß ist die Bedeutung, die das Thema Umwelt dort hat?

Dr. Markus Ingenlath (Geschäftsführer Renovabis): Es hat eine große Bedeutung, das haben wir hier von den polnischen Bischöfen auch noch einmal gehört: Die Situation in Kattowitz war vor der Wende 1989 katastrophal. Die Kirche hat immer wieder ihre Stimme erhoben. Aber es ging um Fragen der Basismenschenrechte. Es war eine so große Umweltverschmutzung, dass die Menschen ernsthafte Gesundheitsprobleme bekamen.

Es hat uns alle sehr beeindruckt, welchen langen Weg auch die Region jetzt zurückgelegt hat. Jetzt gelten auch hier ab einer gewissen Luftbelastung Fahrverbote und man hat sich kürzlich den mitteleuropäischen Standards vollkommen angenähert.

Man könnte das Treffen einen "kleinen Gipfel" nennen, einen Vor-Gipfel vor dem großen Gipfel, denn es sind auch einige Bischöfe hier, unter anderem die deutsche Delegation unter der Leitung von Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg von der Kommission Weltkirche.

DOMRADIO.DE: In Deutschland hat man da ein wenig einen anderen Eindruck: Dass in Polen noch sehr pragmatisch auf fossile, das heißt nicht erneuerbare, Energieträger gesetzt wird. Spielt der mögliche Ausstieg aus der Kohle da denn eine größere Rolle?

Ingenlath: Ja, das haben wir jetzt ganz neu erfahren: Die Regierung plant von vormals 80 Prozent, die Kohle jetzt noch bei der Energieversorgung eine Rolle spielt, zurückzugehen auf 30 Prozent. Das heißt, das ist ein gewaltiger Schritt nach vorne.

Man muss aber gleichzeitig auch sehen, dass die Menschen fürchten, dass eine Energiearmut in den einzelnen Haushalten stattfindet. Das haben die Bischöfe hier vor Ort auch gesagt. Viele Menschen haben auch noch nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten, auf umweltschonende Heizungen oder andere Umwelttechnologie umzusteigen.

Insofern kommt es jetzt darauf an, diesen Übergang zu weniger Kohle klug zu managen. Aber die Politiker hier haben gesagt, sie seien fest entschlossen, dies zu tun. So wie es bisher mit der gesundheitlichen Belastung vonstatten gegangen sei, dürfe es nicht mehr weitergehen.

DOMRADIO.DE: Das Treffen zwischen polnischen und deutschen Katholiken will da ein Beitrag sein, um sich über diese Herausforderungen für die Zukunft auszutauschen. Was kann Kirche denn da leisten? Welche Bedeutung hat Kirche da?

Ingenlath: Ich denke, zunächst einmal ist das Interessante, dass der Papst mit seiner Enzyklika "Laudato Si" jeden Katholiken in seinem ganz besonderen kulturellen Umfeld angesprochen hat. Auch durch die spirituelle Dimension, die er damit verbunden hat. Sowohl deutsche als auch polnische und auch die Katholiken in aller Welt können somit abgeholt werden. Die Deutsche Bischofskonferenz hat diese Woche ganz konkret zehn Punkte veröffentlicht. Die hat Erzbischof Schick in der Konferenz auch vorgestellt.

Darin geht es darum, wie man ganz konkret in Zukunft auch seitens der Kirche Bewahrung der Schöpfung ernst nehmen will. Das geht von einer Verstärkung der Umwelterziehung in der Erwachsenen- als auch Schulbildung bis hin zu einer ökologischen und klimagerechten Ausstattung aller kirchlichen Gebäude, sodass sie auch den Standards genügen.

Ich kann nur seitens Renovabis sagen: Wir haben seit den 1990er-Jahren mehr als sechs Millionen Euro in verschiedene Projekte gesteckt. Es sind Projekte, die eben diese Umweltbildung betrafen, aber auch ganz konkrete Projekte, mit denen Gebäude ökologisch klimaneutral ausgestattet wurden. Gerade in vielen Ländern Osteuropas ist das eine Herkulesaufgabe. Auf diese Art und Weise hat Kirche Solidarität geübt und mit dieser Solidarität auch gemeinsam zur Bewahrung der Schöpfung beigetragen.

DOMRADIO.DE: Wichtig ist auch, dass sich deutsche und polnische Katholiken austauschen und dass sich die katholische Kirche wieder als globale Kirche zeigt. Am Montag beginnt nun der Klimagipfel in Kattowitz. Welche Wünsche und Erwartungen haben Sie an diesen Gipfel?

Ingenlath: Wir haben es heute gesehen: Es waren hier auf diesem kleinen Gipfel nicht nur deutsche und polnische Bischöfe und Laien, sondern auch vom Heiligen Stuhl in Rom, aus Italien, aus Frankreich, aus England und weitere nehmen an dieser Konferenz teil. Wir können einfach sagen, dass wir uns jetzt konkrete Schritte beim Stopp der Erderwärmung erhoffen. Wir sind ja im Moment noch nicht so weit wie wir uns das in Paris vorgestellt haben.

Das, was von Kattowitz ausgehen kann, ist: möglichst konkret sein! Ich glaube auch, dass die Leute, die hier in der Vergangenheit selbst erlebt haben, was es bedeutet mit einer kaputten Umwelt zu leben, jetzt darauf drängen werden, dass man konkret wird. Denn gerade hier im Osten Europas gibt man sich mit einfachen, nur luftig-wolkigen Sprüchen nicht zufrieden.

Das Interview führte Johannes Schröer.

(DR)

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