Baumpatenschaften im Hambacher Forst
Baumpatenschaften im Hambacher Forst
Monika Hauser
Monika Hauser

29.10.2018

Warum Bilder von 60 Menschen im Hambacher Forst hängen Nur ein Symbol?

Gesicht zeigen gegen den Kohleabbau und für den Hambacher Forst: Das machen gerade 60 Prominente und Umweltschützer. Eine von ihnen ist Monika Hauser, Trägerin des Alternativen Nobelpreises. Was will sie mit der Aktion erreichen?

DOMRADIO.DE: Wie läuft die Baumpaten-Aktion konkret ab? 

Monika Hauser (Frauenärztin, Begründerin des Frauenhilfswerks Medica Mondiale und Trägerin des Alternativen Nobelpreises): Mein Konterfei ist an einen Baum gepinnt. Das bringt ganz deutlich zum Ausdruck, dass man als politisch bewusste Person nicht die Zerstörung des Klimas tatenlos hinnehmen kann. Ein Beispiel dieser Zerstörung sind eben die Absurditäten, die sich nun seit Jahren am Hambacher Forst abspielen.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet es für Sie denn, Baumpatin zu sein?

Hauser: Dadurch setze ich mich für diesen Baum ein, und noch mehr: Ich will deutlich machen, dass wir alle endlich bewusst gegen die Zerstörung der Umwelt angehen müssen. Wir alle wissen, dass das Polareis schmilzt, dass der Meeresspiegel steigt und die Wetterextreme häufiger werden. Das merken wir ja auch.

Auch im neuesten Bericht des Weltklimarates wird sehr deutlich davor gewarnt, dass, wenn der Mensch weiter Kohlendioxyd und andere Treibhausgase in die Atmosphäre bläst, der Wandel des Erdklimas bald nicht mehr aufzuhalten ist. Und da haben wir doch alle für uns selbst, für die ganze Welt und für unsere Nachfahren die Verantwortung, hier ein deutliches Zeichen zu setzen.

Ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich beim Weltklimagipfel dieses kurzsichtige und gierige Festhalten an neoliberalen Interessen der Wirtschaft mitkriege – ohne Rücksicht auf Verluste für die Nachfahren und ohne Einsicht in längst wissenschaftlich belegte Tatsachen. Der Klimawandel ist eben nicht aufzuhalten – wenn wir nicht endlich umsteuern.

DOMRADIO.DE: Die Aktion richtet sich auch an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen.

Hauser: Hier haben Landesregierung und Wirtschaft sehr große Verantwortung. Wenn man bedenkt, dass der Energiekonzern RWE allein im Jahr 2017 zwei Milliarden Euro Gewinn gemacht hat und die Landespolitik die Interessen des Großkonzerns unterstützt, und wenn auch Städte und Gemeinden in NRW Anteile an RWE haben, dann fördert die Politik so einen Status Quo. Das unterstütze ich absolut nicht.

Ich denke, dass hier natürlich veraltete oder gar schädliche Techniken aufgegeben werden müssen. Ich bin froh, dass die Politik heute Sozialpläne für die Menschen, die da arbeiten, machen kann. Aber ich möchte gern noch sagen, dass sich die Landesregierung überlegen sollte, wie sie mehr Einfluss auf die Verhandlungsbereitschaft dieses Großkonzerns nehmen kann, anstatt zu überlegen, wie man mittels Polizeieinsätzen gegen Klimaschützer vorgehen kann.

DOMRADIO.DE: Aber wie soll das denn speziell die Rodung stoppen?

Hauser: Die Fotos sind genau wie die Baumbesetzung eine symbolische Aktion. Allerdings haben diese Baumbesetzungen nun auch den Fokus auf das Drama um den Hambacher Forst gelenkt. Im Medienzeitalter haben solche symbolischen Aktionen einen großen Wert.

DOMRADIO.DE:  Die Rodung wurde Mitte Oktober vorerst gestoppt. Was für ein Zeichen wollen Sie mit der Aktion jetzt setzen, wo es einen Rodungsstopp gibt?

Hauser: Na ja, die Rodung ist ja erst mal kurzfristig gestoppt. Das heißt ja noch lange nicht, dass hier umgedacht wird. Wie ich bereits sagte: RWE muss hier auch von der Landesregierung ganz eindeutig beeinflusst werden, damit endlich der Ausstieg schneller vorankommt. Es ist doch hirnrissig, jetzt die Umsiedlung von ganzen Dörfern zu planen, wenn gleichzeitig der Ausstieg für in zehn bis 20 Jahren beschlossen ist.

Dieser Ausstieg muss deutlich schneller gehen. Es muss auch gute Sozialpläne geben, gar keine Frage. Aber es braucht auch RWE, die hier alternative Wege für einen Strukturwandel finden. Und da dürfen wir nicht nachlassen in unserem Protest durch symbolische Aktionen und Demonstrationen. Es ist weiterhin nötig, dass hier zivilgesellschaftlicher Einfluss genommen wird. Denn wenn nur ein bisschen nachgelassen wird, dann gehen die Konzentrationen und Anstrengungen auf der anderen Seite nicht weiter.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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