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Brot für die Welt: "Wir müssen in den nächsten Jahren rapide einsparen und runterfahren"

08.10.2018

"Brot für die Welt" fordert Maßnahmen gegen den Klimawandel "Einsparen, runterfahren, aussteigen"

Die Erderwärmung lässt sich auf 1,5 Grad begrenzen, aber nur mit drastischen Einschnitten, sagt der Weltklimarat. Für das Hilfswerk "Brot für die Welt" eine "beruhigende Nachricht". Das Schlimmste könne abgewendet werden, wenn man sofort beginne.

DOMRADIO.DE: Wie realistisch ist es, die "nur" 1,5 Grad-Erderwärmung zu erreichen?

Sabine Minninger (Referentin für Klimapolitik beim evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt): Es ist noch realistisch. Das ist die gute Nachricht vorneweg, die aus diesem Bericht hervorgeht. Tatsächlich ist es möglich, die globale Erwärmung noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Aber wir sind jahrelang davon ausgegangen, dass das nicht mehr der Fall wäre. Insofern sind wir zuerst einmal beruhigt, dass es noch möglich ist.

Es ist aber nur möglich, wenn wir sofort anfangen, die globalen CO2-Emissionen zu reduzieren. Das muss jetzt auf der Stelle stattfinden. Wir müssen in den nächsten Jahren rapide einsparen, runterfahren und dann können wir es noch schaffen, das Schlimmste abzuwenden. Das Schlimmste abwenden bedeutet zum Beispiel das komplette Aussterben der Korallenriffe aufzuhalten oder die schlimmsten Szenarien zu verhindern, was Dürre oder Überschwemmungen angeht. Aber es heißt nicht, dass wir bei 1,5 Grad in einer sicheren Welt leben. Das ist nicht der Fall.

DOMRADIO.DE: Wie könnte denn dieses Ziel konkret erreicht werden?

Minninger: Wir müssen sofort aus der Kohle aussteigen. Es muss ein Beschluss her, dass Deutschland aus der Kohle aussteigt und dass wir sofort anfangen, die dreckigsten Kohlekraftwerke abzuschalten, die wir haben. Und dann muss sukzessive weiter gearbeitet werden.

DOMRADIO.DE: Für das Klima können ja schon die kleinsten Fortschritte hilfreich sein. Was heißt das denn für uns als Privatpersonen?

Minninger: Zum einen können wir auch im Privaten etwas tun, indem wir sofort den Stromanbieter wechseln. Das ist zum Beispiel eine Maßnahme, die keinem weh tut. Das ist eine ganz einfache Angelegenheit, mit einer Unterschrift erledigt, und aus der Steckdose kommt ja trotzdem noch Strom. Der Steckdose ist es egal, ob der Strom aus Atomkohle oder aus erneuerbaren Energien kommt. Das heißt, wir müssen dafür sorgen, dass die erneuerbaren Energien einen Aufwind erfahren und dass sie auch massiv finanziell durch uns als Kunden unterstützt werden.

Das sind wichtige Signale an Energiekonzerne, dass die Kunden ihren Strom aus Erneuerbaren beziehen wollen und eben nicht mehr aus den dreckigsten Braunkohlekraftwerken. Dann hätten wir auch solche Szenarien nicht mehr, wie sie sich jetzt gerade zum Beispiel im Hambacher Wald abspielen.

DOMRADIO.DE: Was können denn die Kirchen tun, um ihren Beitrag zur Verbesserung des Klimas zu leisten?

Minninger: Die Kirchen können sich selbst Klimaziele setzen. Das wird ja auch getan. Viele Kirchen lassen sich selbst zertifizieren und steigen um auf erneuerbare Energien. Wir als Hilfswerk werden befähigt, Menschen im globalen Süden zu helfen, sich an die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels anzupassen und auch selbst von schmutzigen Energiequellen auf saubere umzusteigen. Die sind für die Menschen im globalen Süden auch ein wirklicher Entwicklungsmotor.

DOMRADIO.DE: Wie sieht denn diese Hilfe konkret aus?

Minninger: Wir sind in vielen Hotspots – sozusagen an den Brennpunkten des Klimawandels – unterwegs, zum Beispiel in Äthiopien oder in Bangladesch. Dort helfen wir Menschen, konkret vor Ort Anpassungsmaßnahmen durchzuführen – etwa, indem die Landwirtschaft an die veränderten Klimabedingungen angepasst wird.

In Bangladesch werden Deiche und Dämme gebaut oder Zyklon-sichere Unterkünfte gegen die Superstürme. Ich war im Juli in Fidschi und Tuvalu, wo die Zivilgesellschaft unterstützt wird, auf globalem Parkett gehört zu werden. Das heißt, wir treten gemeinsam mit den Partnerorganisationen in Fidschi und Tuvalu in diesem Dezember in Katowice in Polen auf. Wir sprechen dort mit geschlossener Stimme mit der Politik, aber auch mit der Weltpresse und geben so den 11.000 Einwohnern von Tuvalu Gehör.

Dieser kleine Inselstaat im Südpazifik ist langfristig stark gefährdet vom Meeresspiegelanstieg. Wenn wir es nicht hinbekommen, die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen, wird der gesamte Staat Tuvalu im Pazifik versinken und die Menschen werden umgesiedelt werden müssen. Sie werden Vertriebene des Klimawandels sein. Und es ist wichtig, dass jetzt Vorkehrungen getroffen werden, dass den Menschen ein schlimmes Schicksal erspart bleibt.

Das Interview führte Moritz Dege.

(DR)

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