Internationale Tourismus-Börse in Berlin
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Auf in den Urlaub
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Im Urlaub zu Ruhe kommen
Im Urlaub zu Ruhe kommen

10.03.2018 - 00:00

Tourismus-Messe gibt Einblicke in nachhaltiges Reisen Die Welt bereisen, ohne sie zu zerstören

Der globale Tourismus boomt, besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern. Doch wird er zunehmend zum Problem für die Menschen vor Ort. Neue Modelle sind gefragt. Die Welt zu bereisen, sollte auch bedeuten, sie zu erhalten.

Im Mittelgang von Halle 4.1 wird auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin über Nachhaltigkeit diskutiert. Auf dem 160.000 Quadratmeter großen Gelände, auf dem sich 10.000 Aussteller aus rund 180 Ländern bis Sonntag präsentieren, sind Themen wie Umweltzerstörung und Klimabelastung jedoch weiterhin ein Randthema. "Ein großer Trend im Tourismus geht in die Richtung: ferner, schneller, öfter", sagt die Leiterin der Arbeitsstelle Tourism Watch des Hilfswerks Brot für die Welt, Antje Monshausen.

Weit weg und kostspielig

Fernreisen sind beliebter denn je. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der Stiftung für Zukunftsfragen 13,1 Prozent der Deutschen Urlaub außerhalb Europas gemacht. Dies seien 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der stärkste Zuwachs lässt sich demnach in Südostasien verzeichnen. Insgesamt gaben die Deutschen im vergangenen Jahr laut Reiseverband 73,6 Milliarden Euro für Urlaub aus.

Für viele dieser Länder ist der Tourismus essenziell. Auch global gesehen boomt die Branche. Im vergangenen Jahr habe die Branche rund zehn Prozent der globalen Wirtschaftsleistung erzeugt, heißt es in einem Papier des Entwicklungsministeriums. Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche sei damit größer als die der Autoindustrie.

Folgen des Massentourismus

Doch der Massentourismus ist für viele Regionen zum Problem geworden. Umweltschäden, Verdrängung der lokalen Bevölkerung und soziale Konflikte sind oft die Folge. "Wir können vor dem Thema Nachhaltigkeit nicht weglaufen", sagt auch der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU). Das Ministerium will daher die Kooperation zwischen Öffentlichkeit und der Privatwirtschaft verbessern.

Ein Pilotprojekt im mittelamerikanischen Raum bringt lokale Verwaltungen und Kreuzfahrtunternehmen zusammen. Man brauche unbedingt Unterstützung, erzählt ein Vertreter der kleinen mexikanischen Insel Cozumel auf der Messe. Knapp 100.000 Menschen leben auf der karibischen Insel, die das zweitgrößte Barriereriff der Welt beherbergt und jährlich rund sechs Millionen Urlauber anzieht.

Nachhaltigkeit in dieser Branche?

Die Touristenmassen wurden immer mehr zur Belastung für Umwelt und Einwohner. Dank des Pilotprojektes tauschen sich Tourismusvertreter, Politiker und Zivilgesellschaft nun verstärkt aus, um alle Interessen zu berücksichtigen.

"Wir möchten, dass die Welt bereisen auch bedeutet, sie zu erhalten. Wir möchten einen Tourismus, der Armut reduziert und die Umwelt und Kultur schützt", so Fuchtel. Der globale Tourismus wird weiter wachsen - um vier bis fünf Prozent, gibt das Entwicklungsministerium an. Das Ministerium sieht vor allem für ärmere Regionen in neuen, nachhaltigen Tourismuskonzepten auch eine große wirtschaftliche Perspektive. "Tourismus ist auch die Chance, durch Arbeitsplätze zu mehr Gerechtigkeit vor Ort zu kommen", sagt Fuchtel.

Umwelt und Klima schützen

Nachhaltiges Reisen bedeutet aber nicht nur Jobperspektiven für die lokale Bevölkerung, sondern auch Klima- und Umweltschutz. Viele Vereine und Organisationen in Halle 4.1 setzen sich genau dafür ein.

Doch die Präsidentin des Global Nature Funds (GNF), Marion Hammerl, gibt zu, die Zusammenarbeit mit den Unternehmen und Hotels vor Ort sei keineswegs einfach. Dabei ergeben Umfragen immer wieder, dass Nachhaltigkeit für Konsumenten auch in der Tourismusbranche immer wichtiger wird.

Traum-Urlaubsorte schwinden

Für 42 Prozent der Bevölkerung ist es laut einer Studie des Umweltministeriums aus dem Jahr 2014 wichtig, dass Reiseveranstalter sich in Sachen Umwelt- und Artenschutz engagieren; 12 Prozent sind demnach bereit, dafür etwas mehr zu bezahlen. Zudem, so Hammerl, schwinde zunehmend das, womit die Unternehmen werben: Traumstrände und Riffe.

"Der Verlust der Korallenriffe, die auch zur Folge haben, dass Strände erodieren, ist für uns ein gutes Argument", sagt die Aktivistin.

Rebecca Barth
(KNA)

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