Erzbischof Schick: "Wir alle müssen jetzt dabei bleiben."
Erzbischof Schick: "Wir alle müssen jetzt dabei bleiben."

02.06.2017

Erzbischof Ludwig Schick zum US-Ausstieg aus dem Klimaabkommen "Große Enttäuschung"

​Jetzt erst recht! Geradezu trotzig hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick auf Twitter auf die Entscheidung der USA reagiert, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Im domradio.de-Interview fordert er noch größere Anstrengungen der anderen Staaten.

domradio.de: Wie groß war bei Ihnen die Enttäuschung, dass sich die USA als zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasen aus dem Weltklimaabkommen zurückziehen?

Ludwig Schick (Erzbischof von Bamberg): Bei mir war die Enttäuschung schon sehr groß. Ich habe gehofft, Präsident Trump tut es doch nicht. Ich meine, jetzt dürfen die anderen Staaten in keiner Weise nachlassen, sondern noch größere Anstrengungen unternehmen, damit das Klima nicht weiter geschädigt wird, sondern wir eine Wende hinbekommen wie es in Paris angezeigt wurde.

domradio.de: Sie sagen, der Klimawandel geht auf Kosten der Ärmsten - wie meinen Sie das?

Schick: Es ist so, dass der Klimawandel, der vom Westen verursacht wird - auch in besonderer Weise von den USA - bei den Ärmsten die größten Schäden anrichtet. In Afrika - zum Beispiel in der Sahel Zone - nehmen die Wüsten zu. Das bedeutet: mehr Hunger, mehr Armut, mehr Flucht - auch Flucht nach Europa. Das bedeutet aber auch, dass es an den Küsten mehr Tsunamis und mehr Hurricans gibt, weil der Klimawandel eben diese Wettereskapaden verursacht. Alle wissenschaftlichen Institutionen sagen, das Klima ist im Wandel und wir müssen das aufhalten - um der Armen und um der nächsten Generation willen.

domradio.de:  Klimaschutz und Bewahrung der Schöpfung gehören für Sie zusammen, auch Papst Franziskus sieht das so. Warum fällt es einem christlich geprägten Land wie den USA so schwer, den Klimawandel zu akzeptieren und zu sagen, Klimaschutz ist auch eine Christenpflicht?

Erzbischof Ludwig Schick: Nicht alle Amerikaner denken so wie Trump. Die US-Bischöfe haben sich im Vorfeld dazu geäußert und haben gesagt, der Klimawandel ist im Gange und wir müssen alles dagegen tun. Für uns Katholiken, Christen, aber auch alle Menschen guten Willens ist die Umweltenzyklika Laudato si von Papst Franziskus weiterhin verpflichtend. Wir hören in diesem Punkt auf den Papst und das wird uns auch weiterbringen. Das wird helfen, dass der Klimawandel sich nicht weiter ausbreitet.

Wir brauchen die Vereinbarung von Paris. Auch Staaten und Politiker in den USA widersprechen ja ziemlich lautstark ihrem Präsidenten. Ich denke, jetzt ist es auch für alle, die die Situation realistisch sehen, die Paris bewahren wollen, an der Zeit, dass sie dem Präsidenten klar machen, dass er seine Haltung ändert und bei der Klimavereinbarung wieder mitmacht. Er sagt ja, dass das Pariser Abkommen Amerika schädigen würde und das will er nicht. Trump will neu verhandeln - jetzt müssten alle Akteure direkt auf ihn zugehen und müssten sagen, wie es weitergehen soll und ihn miteinbeziehen.

domradio.de: Wie versucht denn die katholische US-Bischofskonferenz auf Präsident Trump einzuwirken – kann sie das überhaupt?

Schick: Die Beziehungen der Kirche zur Politik in Amerika sind leider Gottes nicht so gut wie bei uns. Es gibt da eine größere Distanz. Aber die Bischöfe versuchen dass Ihre und ich weiß, dass es auch Gespräche mit Präsident Trump gibt und gegeben hat. Er ist ja auch beim Papst gewesen und sie haben über das Klima gesprochen. Jetzt müssen nicht nur die Bischöfe, sondern alle, die gegen den Klimawandel angehen wollen, Präsident Trump auffordern, den Beschluss gegen Paris zurückzunehmen. 

domradio.de: Sie sagen: Klimaschutz und Bewahrung der Schöpfung: Jetzt erst recht. Aber befürchten Sie nicht, dass der Ausstieg der USA auch bei anderen Industrienationen Schule machen könnte?

Schick: Ich hoffe das nicht. Wir müssen jetzt sehr rational und vernünftig argumentieren und alle müssen dabei bleiben. Jetzt muss alles getan werden, damit alle bei der Stange bleiben und das Pariser Abkommen weitergeführt wird.

Das Gespräch führte Ina Rottscheidt.

(DR)

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