Weltweite Bedrohung durch den Klimawandel
Weltweite Bedrohung durch den Klimawandel

03.04.2017

Wie man Skeptiker des Klimawandels erreicht Bischöfe und eine evangelikale Expertin mahnen

Der Klimawandel ein Märchen? Das meinen Entscheidungsträger der US-Regierung, und auch viele evangelikale Christen sehen keine Gefahr im Verzug, da Gott alles im Griff habe. Gegen solches Denken regt sich Widerstand.

Schon Mitte Februar hatte die katholische Bischofskonferenz in den USA an die Regierung von US-Präsident Donald Trump appelliert, "die Schöpfung zu bewahren". In einem Brief der Bischöfe an US-Außenminister Rex Tillerson hieß es: "Die jüdisch-christliche Tradition hat die Umwelt immer als Geschenk Gottes verstanden, und wir alle sind aufgerufen, unser 'gemeinsames Haus' zu schützen."

Jetzt, nachdem Trump am 28. März per Dekret zahlreiche Umweltschutzmaßnahmen seines Amtsvorgängers Barack Obama zurückgenommen hatte, reagierten die US-Bischöfe empört: "Mit diesem jüngsten Dekret riskiert die US-Regierung Schäden für unsere Luft, unser Wasser und, was am Wichtigsten ist, für unser Volk, vor allem die Armen und Schwachen."

Klimaforscher warnt

Doch falls Trumps Pläne aufgehen - was würde dann tatsächlich passieren? Stefan Rahmstorf, Klimaforscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), warnt. "Schon jede Verzögerung, die er beim Klimaschutz bewirken könnte, wäre schlimm", sagte der Ozeanograph mit Blick auf Trump in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" (Montagsausgabe). Die Menschheit habe "sehr wenig Zeit", um die Erderwärmung noch deutlich unterhalb von zwei Grad zu stoppen - wie im Pariser Abkommen vereinbart. Schon jetzt seien "Auswirkungen der Erderwärmung von etwa einem Grad" sichtbar, "die wir hinter uns haben": deutlich mehr extreme Wetterereignisse.

Ein Beispiel sei der Jahrhundertsommer des Jahres 2003 mit Hitzerekorden von weit über 40 Grad Celsius, der in Europa 70.000 Menschenleben gefordert habe. Oder die schlimmste Dürre in der syrischen Geschichte, die es laut Rahmstorf in den Jahren 2007 bis 2010 gab. Damals verendete Vieh, Ernten fielen aus.

Der Potsdamer Ozeanograph sieht aber noch eine weitere gravierende Folge des Klimawandels: Der Meeresspiegel steige weiter. "Wir sind dabei, den grönländischen Eispanzer zu destabilisieren, der allein genug Eis enthält, um den globalen Meeresspiegel um sieben Meter anzuheben", sagte Rahmstorf.

Steigender Meeresspiegel

Doch die Meere heben sich nicht nur, sie werden auch immer wärmer - mit verheerenden Folgen für Korallen. "Wir befinden uns akut im vierten großen Korallensterben. Wenn wir noch Teile der Korallenriffe der Welt retten wollen, wird das nur gehen, wenn wir deutlich unter der Zwei-Grad-Grenze bleiben", betonte Rahmstorf. Es sei "erschütternd und unverantwortlich", dass in der Trump-Administration die Leugner des vom Menschen gemachten Klimawandels entscheidende Positionen besetzten. "Das heißt, dass sie vor wissenschaftlich gesicherten Tatsachen den Kopf in den Sand stecken" und kurzfristigen Lobby-Interessen Vorrang gäben, kritisierte der Forscher.

Solche wissenschaftsfeindlichen Tendenzen sind in den USA auch bei manchen besonders strenggläubigen, evangelikalen Christen zu beobachten. Doch auch dagegen gibt es nun eine Gegenbewegung, die von einer Wissenschaftlerin angeführt wird, die zugleich evangelikale Christin ist: Katharine Hayhoe. Die Klimaforscherin von der University of Texas antwortet in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe) auf die Frage, ob nicht gerade die Evangelikalen in den USA davon überzeugt sind, dass die Erkenntnisse über den Klimawandel ein gewaltiger Schwindel seien: "Ja, das stimmt, aber ich teile diese Ansicht nicht."

Christlicher Umgang mit Klimawandel

Sie gehe bewusst auf solche Leute zu, die glauben, dass der Klimawandel gar nicht real sein könne, weil doch Gott sowieso alles kontrolliert. "Wir haben schnell gemerkt, dass es für diese Menschen überhaupt keine geeigneten Informations-Materialien gibt, die sie dort abholen, wo sie stehen", sagt Hayhoe.

Sich in strenggläubigen christlichen Kreisen als Klimawissenschaftlerin zu bekennen, sei nicht einfach für sie gewesen: "Es fühlte sich an, als würde ich mich outen", sagt Hayhoe.

Nachteile habe sie vor allem in der Gemeinde der Wissenschaftler befürchtet, als sie sich als Christin zu erkennen gab. "Ich hatte das Gefühl, ich würde damit meine wissenschaftliche Karriere im Klo runterspülen." Denn für einen Wissenschaftler sei der Ruf das wichtigste Gut. Doch sie fügt hinzu: "Ich musste das Risiko eingehen, weil nur ein Mitglied ihrer eigenen Gruppe die Evangelikalen erreichen kann."

Norbert Demuth
(KNA)

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