Pfarrer Laker prangert Massentierhaltung an
Laker: "In keiner Zeit wurden Tiere so gequält."
Pfarrer Friedrich Laker fordert mehr Einsatz für Tierwohl
Pfarrer Friedrich Laker fordert mehr Einsatz für Tierwohl

29.11.2016

Auf Luthers Spuren für Tierrechte Für unsere "Geschwister im Glauben"

Das Tierwohl kommt bei den beiden großen Kirchen in Deutschland viel zu kurz. Dieser Ansicht ist der evangelische Pfarrer Friedrich Laker - und sorgt mit einem "Thesenanschlag" an der Dortmunder Pauluskirche für Aufmerksamkeit.

domradio.de: Was genau haben Sie vor heute Mittag? 

Friedrich Laker (Evangelischer Pfarrer in Dortmund): Wir haben ein großes DIN-A2-Plakat. Darauf haben wir unsere "Thesen" - unseren Aufruf an die Kirchenleitung in Deutschland - geschrieben. Dieses Plakat werden wir ans Hauptportal der Pauluskirche anschlagen. Wir haben einen großen Nagel besorgt und einen großen historischen Hammer. Wir werden zwar nicht richtig den Nagel in die Tür schlagen, aber doch das Plakat deutlich sichtbar anheften.

domradio.de: Was genau steht auf diesem Plakat? Wie lauten diese Thesen?

Laker: Es ist ein Aufruf an die Kirchenleitungen in Deutschland, sich endlich für unsere Mitgeschöpfe - die Tiere - einzusetzen, die in großen Massentierhaltungen oder in Tierversuchslaboren unendlich gequält werden. Wir meinen, dass die katholische und die evangelische Kirche bisher kein deutliches, unüberhörbares Wort gegen diese Massentierhaltung ausgesprochen haben - gegenüber der Politik, gegenüber der Landwirtschaft und der Forschung. Die Kirche hat auch in ihrer Theologie nicht konsequent und deutlich Stellung bezogen. Darauf wollen wir mit dieser Aktion aufmerksam machen.

domradio.de: Was glauben Sie, wieso das Wohl der Tiere im christlichen Umfeld relativ selten Thema ist?

Laker: Das ist tatsächlich so, denn es gibt viel zu wenig Predigten zu diesem Thema. Es gibt viel zu wenig Aufrufe der Kirchen dazu. Das hat wohl eine lange Tradition, dass leider immer nur der Mensch im Mittelpunkt der Religion und des Glaubens stand und bis heute steht. Der Mensch, der als Krone der Schöpfung verstanden wird, der die Tiere als Nutztiere gebrauchen kann, zu seinem Wohlgefallen. Das hat leider eine lange Tradition.

Dabei gibt es ganz andere, große Theologen - den heiligen Franziskus von Assisi, den evangelischen Theologen Albert Schweitzer - , die schon sehr früh gemahnt haben. Die ihre Stimme erhoben haben und gesagt haben: Die Tiere sind im Grunde genommen unsere Geschwister im Glauben. Sie sind Lebewesen wie wir, sie leiden wie wir. Sie erleben Glück wie wir, sie haben die gleichen Gefühle wie wir. Das teilen wir mit ihnen und wir kommen von ihnen her. Insofern sollten wir uns ihnen gegenüber auch so verhalten, die Würde des Lebens achten und schützen.

domradio.de: Mitverfasser sind der Vorstand des bundesweiten Netzwerks Kirche und Tiere sowie Mitarbeiter des Kirchentags Mensch und Tier. Kommen wir aber nochmal zurück zum Thesenanschlag. Was genau ist denn der lutherische Gedanke dahinter?

Laker: Luther hat ja damals sehr mutig seine Stimme erhoben, als zunächst Einzelner gegen für ihn unerträgliche Missstände in der Kirche, in der Gesellschaft und in der Theologie. Wir meinen, dass dies auch beim Thema Tierwohl heute der Fall ist, dass sich hier dringend etwas verändern muss, eine grundsätzliche Erneuerung der Kirche und der Gesellschaft. Wir leben ja in einer Epoche, in der der Mensch auf der einen Seite so viel über Tiere weiß wie noch nie. Jeden Tag gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, was für phantastische Fähigkeiten Tiere haben. Auf der anderen Seite hat es noch nie eine Zeit gegeben, in der die Tiere so gequält wurden, so industriell gehalten wurden und in der so unbarmherzig mit dem Leben der Tiere umgegangen wurde. Das ist der große Widerspruch unserer Zeit. Und das ist für immer mehr Menschen völlig unerträglich. Von daher liegen wir ganz im Sinne Luthers und sagen: Hier legen wir unseren Finger in die Wunde. Das tun wir deutlich, indem wir uns vor die Kirchentür stellen - es werden übrigens auch Tiere dabei sein.

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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