Plakat auf der CSD-Parade
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Hannelore Bartscherer
Hannelore Bartscherer

03.07.2016

Kölner Katholikenausschuss zum Christopher Street Day "Menschen nicht ausgrenzen"

Am Christopher Street Day protestieren Schwule und Lesben gegen gesellschaftliche Ausgrenzung - so auch in Köln. Die Katholikenausschussvorsitzende der Stadt berichtet im Interview über den Dialog zwischen Kirche und Community.

domradio.de: Ihnen wurde Ende Mai diesen Jahres das "Come-Together-Herz" verliehen. Was ist denn das?

Hannelore Bartscherer (Vorsitzende des Katholikenausschusses der Stadt Köln): Der "Come-Together-Cup" ist ein Fußball-Turnier, das einmal im Jahr ausgetragen wird. Er wird von den Schwulen und Lesben, der Aids-Hilfe und dem KLuST (Kölner Lesben- und Schwulentag e.V., Anm. der Redaktion) in Köln initiiert. In jedem Jahr wird am Ende des Fußball-Turniers ein "Come-Together-Cup-Herz" verliehen. An dem Turnier nehmen ganz viele Fußballmannschaften aus Köln, dem Umfeld und auch nicht nur aus der homosexuellen Community teil. Ich hatte den Eindruck, dass viele Mannschaften von Außen kommen. Die Auszeichnung bekommt jedes Jahr jemand anderer. Die Wahl fiel nun auf mich, worüber ich mich sehr gefreut habe.

domradio.de: Es ist eine Anerkennung für Dialogbereitschaft und für Zusammenarbeit. Seit wann engagieren Sie sich denn für das Thema?

Bartscherer: Ich engagiere mich seit circa zehn Jahren für das Thema. Der Auslöser war ein Schreiben an den Katholikenausschuss, in dem uns Menschen aus Köln nach einen Christopher-Street-Day angeschrieben haben und uns gebeten haben, sich beim Stadtrat und vor allem in der Kölnarena dafür einzusetzen, dass diese Art Feierlichkeiten mit "Ausschreitungen" zukünftig unterbunden wird. Der Vorstand hatte mich damals beauftragt, das zu tun. Ich bin in der damaligen Kölnarena gewesen und es hat sich im Gespräch mit Vertretern der Kölnarena und Vertretern der schwul-lesbischen Community sehr schnell herausgestellt, dass alles seine Richtigkeit hatte.

Aber der Dialog war damit nicht beendet. Wir haben uns dann - als klar war, dass der Rat, die Verwaltung und alle zuständigen Gremien informiert waren und ihre Zustimmung gegeben hatten - darüber hinaus unterhalten, was der CSD hier in Köln eigentlich möchte. Das waren Themen wie Gleichberechtigung oder Teilhabe an der Gesellschaft. Es kam zu einem Gespräch über Werte und das, was uns hält. Aber eigentlich war es damit schon gut. Drei Tage später kam dann ein Schreiben von der Aidshilfe und dem KLuST, also von den Vertretungen der Schwulen und Lesben hier in Köln, die sich für das Gespräch bedankt und vorgeschlagen haben, einen dialogischen Prozess weiterzuführen oder sich jedenfalls weiter zu treffen und Gespräche zu führen. Aus diesen kleinen Anfängen hat sich dann sehr schnell etwas entwickelt.

domradio.de: Fußball hat sich beispielsweise entwickelt, wie Sie gesagt haben. Was denn noch?

Bartscherer: Ich bin zwei Jahre später gefragt worden, ob ich die Aidshilfe bei ihrem Benefizlauf, der einmal im Jahr im Rheinauhafen stattfindet, dem "Run of colours", unterstütze. Ehrenamtliche werden mit dem, was als Benefit bei dem Lauf übrigbleibt, in ihrem Engagement für Menschen, die an Aids erkrankt sind, unterstützt. Ich empfand das als gute Aufgabe und der Katholikenausschussvorstand hat mir darin auch zugestimmt, und ich bin jetzt seit vielen Jahren Botschafterin für die Aidshilfe beim "Run of colours". Das ist auch in diesem Jahr so, und ich mache das gerne.

domradio.de: "Es ist die Aufgabe des Kölner Katholikenausschusses, sich politisch einzumischen, sich zu Wort zu melden. Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sind gerade in Köln sehr präsent. Sie sind ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft. Sie müssen in der Kirche willkommen bleiben." Das sind Ihre Worte als Vorsitzende des Katholikenausschusses. Steht der Ausschuss da hinter Ihnen?

Bartscherer: Ja, und das war von Anfang an so. Wir als Katholikenausschuss und auch als katholische Kirche sind immer ein Spiegel der Gesellschaft. Dass es unterschiedliche Meinungen gibt, ist nicht nur normal, sondern auch richtig und wichtig. Auf den Austausch kommt es an. Das Engagement steht aber seit Jahren schon nicht mehr infrage. Ich bin Botschafterin für den "Run of colours" der Kölner Aidshilfe. Gemeinsam veranstalten wir aber auch jedes Jahr gemeinsam einen Gedenkgang für die Opfer des Nationalsozialismus, der immer mit einem liturgischen Impuls eingeleitet wird.

Wir engagieren uns in als Katholikenausschuss aber auch auf anderer Ebene. Zum Beispiel veranstalten wir Podiumsdiskussionen zur Teilhabe an der Gesellschaft, aber auch über Werte. Über welche Werte unterhalten wir uns als Christen mit Schwulen und Lesben? Das ist das, was uns gemeinsam trägt: Verantwortung, Beziehung, Treue. In diesen Jahren des Dialoges habe ich viel gelernt. Viele homosexuelle Frauen und Männer haben eine katholische Sozialisation. Sie waren als Jugendliche Messdiener oder in katholischen Verbänden aktiv. Erst mit dem "Coming Out" haben sie sich in der Kirche nicht mehr heimisch gefühlt. Das geht dann bis hin zum Austritt. Und heute leiden sie dann darunter und vermissen etwas. "Das ist doch meine Kirche! Ich gehöre auch dazu!" Menschen, die das sagen, dürfen wir niemals ausgrenzen!

domradio.de: Papst Franziskus sagt dazu: "Homosexuelle und andere von der Kirche benachteiligte Gruppen haben eine Entschuldigung verdient. Wer guten Willens ist und nach Gott sucht, darf nicht verurteilt werden."  Tut das den Schwulen und Lesben gut, sowas vom Papst zu hören?

Bartscherer: Sie glauben gar nicht, wie gut. Und auch wie aufmerksam die Community diese Dinge verfolgt. Es gibt auch in Deutschland Bistümer, die hier Signale setzen. Das Erzbistum Köln hat vergangenes Jahr ein wunderbares Signal gesetzt. Wir haben einen Klausurtag unter dem Oberbegriff "den Menschen sehen" veranstaltet. Es ging dabei um unseren Umgang miteinander. Wie gehen wir mit Menschen verschiedener sexueller Orientierung um? Wie erleben sich Homosexuelle in dieser, in unserer Kirche. Ich fand es sehr beeindruckend, wie viele positive Signale aus einzelnen Gemeinden aus unserem Erzbistum zum Vorschein kamen, die sonst in der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen werden.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(dr)

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