Wolfgang Ehrenlechner
Wolfgang Ehrenlechner
Klimawandel
Klimawandel

24.11.2014

BDKJ zum Klimawandel "Die Zeit zum Taktieren ist um"

Die Folgen des Klimawandels lassen sich kaum noch aufhalten. Das geht aus einem Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hervor. Wolfgang Ehrenlechner, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, im domradio.de-Interview.

domradio.de: Woran scheitert, Ihrer Meinung nach, ein wirksamer Klimaschutz?

Ehrenlechner: Jeder hat Angst, den ersten Schritt zu tun. Jeder Staat, jede Nation befürchtet, in diesen Verhandlungen um Klimaabkommen Wettbewerbsnachteile zu haben, wenn sie denn zu schnell irgendwelche wirksamen Maßnahmen zusagt. Das ist eben das Problem. Eigentlich ist die Zeit zum Taktieren um, es muss endlich gehandelt werden.

domradio.de: Es gibt ja konkret, also in der Realität, meistens viele andere Belange, die wichtiger sind. Wenn wir da mal auf unser Land schauen, so setzt Deutschland ja wegen des Atomausstiegs wieder auf Kohlekraftwerke und verfehlt damit vielleicht die gesteckten Ziele des CO2-Ausstoßes. Nun will Gabriel das wieder korrigieren. Aber wie kann man denn in einem solchen Dilemma, gerade in Deutschland, einen Kompromiss herstellen?

Ehrenlechner: Ich sehe das eigentlich nicht als Dilemma. Wir haben eine ziemlich erfolgreiche Energiewende angestoßen Anfang des letzten Jahrzehnts, die sich auch gut entwickelt. Nur gibt es da eben Probleme, die man gut im Blick haben muss. Aber ich glaube, die Politik hat da im Moment auch die falschen Antworten drauf. Wir sind mittelfristig auf jeden Fall nicht in dem Maße auf Kohlestrom angewiesen, wie das Herr Gabriel kürzlich auch nochmal geäußert hat, sondern es braucht eben Maßnahmen, aus der Kohleverstromung auszusteigen. Deutschland exportiert zur Zeit sehr, sehr viel Strom eben aus diesen Kohlekraftwerken, die sehr günstigen Strom produzieren, aber auch extrem klimaschädlich sind.

domradio.de: Warum, glauben Sie, reagiert die Politik in Deutschland, aber auch weltweit, immer nur ad hoc, also auf aktuelle Ereignisse, statt tatsächlich im Blick zu behalten, dass der Klimawandel ein sehr wichtiges Thema ist?

Ehrenlechner: Ich denke, das hat damit zu tun, dass die größten Konsequenzen erst in relativ ferner Zukunft kommen werden. Ja, es gibt jetzt Wetterextreme, die möglicherweise im Zusammenhang mit diesem Klimawandel stehen, die zunehmen in verschiedenen Teilen der Welt, auch hier bei uns. Aber die wirklich großen Brocken - Dürrekatastrophen und ein deutlich stärkerer Anstieg des Meeresspiegels, damit verbundene Überflutungen - das wird erst in den nächsten Jahrzehnten zunehmen. Da ist eben Politik immer nur auf kurzfristige Maßnahmen, kurzfristige Konsequenzen bedacht, die sich am Rhythmus der Wahlen orientieren.

domradio.de: Der springende Punkt ist ja immer, was kostet der Klimawandel bzw. welche Kosten könnten auf einen zukommen, wenn das Klima sehr extrem wird. Die scheinen ja noch nicht besonders hoch zu sein, wenn man die Handlungsweise der Politik so anschaut. Sie als Bund der Deutschen Katholischen Jugend haben ja vielleicht auch eine andere Sichtweise auf die Dinge, argumentieren vielleicht mit der Schöpfung. Warum sollte man also aus Ihrer Sicht den Klimawandel voranbringen?

Ehrenlechner: Es gilt, die Schöpfung zu bewahren. Jeder und jede Einzelne hat dafür natürlich auch eine gewisse Verantwortung. Es geht nicht darum, das immer nur an Politik und Industrie abzuschieben. Ja, die haben beide eine wichtige Verantwortung, aber auch jeder und jede Einzelne hat eine Verantwortung für das, was er eben selber beeinflussen kann im eigenen Leben. Wenn es darum geht, wie konsumiere ich, wie gehe ich selber mit Energie um? Gehe ich damit sorgsam um, achte ich zu Hause darauf, dass ich wirklich nur dann Energie verbrauche, wenn ich sie nutze? Zum Beispiel, läuft der Fernseher einfach nebenher, aus reiner Gewohnheit, oder läuft er tatsächlich nur, wenn ich mir grad etwas ansehen will? Oder bei der Ernährung: Auch da kann man ganz viel Einfluss auf Klima nehmen, indem man auf eine regionale und saisonale Ernährung achtet, möglicherweise auch noch etwas Fleisch reduziert. Das sind eben Dinge, bei denen man ganz konkret ansetzen kann und wo wir als katholische Jugendverbände auch stark Bildungsarbeit leisten, zum Beispiel mit unserer Kampagne "Kritischer Konsum".

Das Gespräch führte Christian Schlegel. Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.

(dr)

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