05.07.2013

Die Slowakei gedenkt ihrer Slawenapostel Ohne Papst - mit Feiertag

In unseren Breiten sind die beiden Brüder noch immer beinahe Unbekannte: Kyrill und Method. In der Slowakei und in Mähren wird nun der Höhepunkt des großen Gedenkjahres für die Slawenapostel gefeiert.

Am Freitag (05.07.2013) ist der Festtag zur Ankunft der beiden heiligen Brüder im Großmährischen Reich vor 1.150 Jahren. Zwar folgte der neue Papst Franziskus nicht wie erhofft der Einladung des slowakischen Staatspräsidenten Ivan Gasparovic. Doch immerhin können die Bürger des katholisch geprägten Landes einen staatlichen Feiertag genießen.

In unseren Breiten sind die beiden Brüder, die zu den wichtigsten Heiligen der Ostkirche gehören, noch immer beinahe Unbekannte - obwohl Papst Johannes Paul II. (1978-2005), der erste Papst aus einem slawischen Land, sie an Silvester 1980 dem Begründer des abendländischen Mönchtums, Benedikt von Nursia, als "Mitpatrone" Europas zur Seite stellte. Auf "beiden Lungenflügeln" müsse das christliche Europa atmen, so das berühmte Wort des Papstes: auf dem römisch-lateinischen und dem slawisch-byzantinischen. Eine geistesgeschichtlich wichtige Geste, revidiert sie doch die so weit verbreitete These von den drei Säulen, auf denen Europa stehe: Antike, Christentum und Germanentum.

Der schlechte Stand der Slawenapostel hat in Deutschland eine lange Tradition: Das Missionswerk, das Kyrill und Method im Großmährischen Reich vollbrachten, war den fränkisch-bairischen Bischöfen ein Dorn im Auge. Sie sahen sich um ihr missionarisches "Hinterland" und Einflussgebiet geprellt. Method (815/20-885), mit bürgerlichem Namen Michael, und Kyrill (827/28-869), bürgerlich Konstantin, stammten aus dem Norden Griechenlands: aus Thessaloniki (Saloniki), damals zweitgrößte Stadt des Byzantinischen Reiches. Method war kaiserlicher Beamter, bis er sich ins Kloster zurückzog. Sein jüngerer Bruder Konstantin erhielt eine Ausbildung in Theologie, Philosophie und Literatur. Auch er übernahm wiederholt diplomatische Aufträge für den byzantinischen Hof.

862 gingen die Brüder, die eigentlich die monastische Zurückgezogenheit liebten, auf Bitten von Kaiser Michael III. auf ihre wichtigste Mission. Der Fürst des Großmährischen Reiches, Rastislaw, hatte in Konstantinopel um die Entsendung volkssprachlicher Missionare gebeten. Michaels Wahl fiel auf die begabten Brüder aus Thessaloniki.

"Wie soll ich auf Wasser schreiben?"

Doch Konstantin erkannte die Schwachstelle der Mission: Die Slawen besaßen noch keine Schrift. "Wie soll ich auf Wasser schreiben?", soll er den Kaiser gefragt haben. Vor seiner Abreise ins Großmährische Reich entwickelte er daher aus den griechischen Kleinbuchstaben ein auf die slawischen Laute abgestimmtes Alphabet. Damit fertigten die Brüder Übersetzungen der wichtigsten christlichen Schriften an: der Beginn des Slawischen als Schriftsprache. Aus der Schrift des Kyrill entwickelten seine Schüler später das "kyrillische Alphabet", das noch heute vom Balkan bis Russland verwendet wird.

Kyrill und Method missionierten also in der Volkssprache, und auch der Gottesdienst fand in Slawisch statt - eine Missionsmethode, die ihrer Zeit um Jahrhunderte voraus war. Der aufgezwungenen römisch-germanischen Mentalität westlicher Missionare hatten sich die Slawen in Mähren und im heutigen Westungarn zuvor standhaft widersetzt. In einer Rede vor dem Papst verteidigte Konstantin 867 mit Erfolg das Recht der Slawen, die christliche Lehre in ihrer Sprache zu predigen.

Konstantin starb am 14. Februar 869 in Rom. Noch kurz vor seinem Tod nahm er das Mönchsgewand und den Ordensnamen Kyrill an. Sein älterer Bruder Method wurde als päpstlicher Legat für die slawischen Länder zurück ins Großmährische Reich gesandt: ein Missionserzbischof wie rund 130 Jahre zuvor Bonifatius, der "Apostel der Deutschen". Diese Bildung einer slawischen Kirchenprovinz war ein Meilenstein in der Gewinnung der slawischen Welt für das Christentum.

Die Bischöfe von Salzburg, Regensburg und Passau gewärtigten Machtverlust in der Region und bedrängten Kaiser Ludwig den Deutschen, Method einzukerkern. Als Papst Johannes VIII. davon erfuhr, veranlasste er 873 mit einem wütenden Brief die Freilassung. Nach der förmlichen päpstlichen Rehabilitierung 880 blieben dem Slawenapostel nur noch wenige Jahre. Am 6. April 885 starb Method im südmährischen Velehrad, wo mit ihm rund 200 Schüler und Priester wirkten.

Siegeszug des "kyrillischen Alphabets"

Nach seinem Tod brach die Mission zunächst zusammen. Der politische Wind im Großmährischen Reich hatte sich gedreht, Fürst Swatopluk sich auf die Seite der "Deutschen" geschlagen. Nur die moralische Autorität des Method hatte die slawische Mission noch über Wasser gehalten. Nun wurden die Schüler in alle Winde zerstreut. Dauerhafte Wurzeln hat das Werk der Slawenapostel zuerst in Bulgarien geschlagen. Dort gab Zar Boris den Schülern Methods eine neue Wirkungsstätte. Die bedeutendsten ließen sich im heute mazedonischen Ohrid nieder. Von dort aus trug das "kyrillische Alphabet" das Christentum über Rumänien bis ins Gebiet der Kiewer Rus und über Moskau bis tief ins heutige Russland.

In ihrer Treue zu lateinischen wie zu byzantinischen, zu westlichen wie zu östlichen Traditionen wirkten Kyrill und Method schon "ökumenisch" in einer Zeit, als die Christen in Ost und West noch zu einer einzigen Kirche gehörten. Mit ihrer durch kirchenpolitische Ränke kurzfristig gescheiterten, doch weitblickenden Missionsmethode gewannen die Slawenapostel langfristig die Slawen für das Christentum. Dass sie die christliche Botschaft für slawische Ohren verständlich machten, dass sie das Slawische als Liturgiesprache einführten, dabei jedoch den lateinischen Ritus verwandten, begründete nicht zuletzt die spätere Rom-Bindung von Nationen wie Böhmen, Mähren oder der Slowakei mit.

Schon Papst Leo XIII. trug dieser behutsamen "Inkulturation" Rechnung, als er 1880 die Verehrung Kyrills und Methods von der Ostkirche auf die gesamte Kirche ausdehnte. Der "Papst aus Polen", Johannes Paul II., nahm den 100. Jahrestag dieser Aufwertung zum Anlass, die Slawenapostel zu "Europa-Heiligen" zu erheben. Sie wurden damit auch offiziell zu Schutzheiligen der Völker Osteuropas - in einer Zeit, als die im Kommunismus unterdrückten Christen dort Schutz bitter nötig hatten. Doch bis heute hat sich nichts daran geändert: Im Westen des Kontinents bleiben Kyrill und Method vergessene Patrone.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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