Katholikenkomitee für Stundung von Kirchensteuern
Was macht die Kirche mit den Kirchensteuern?
Margot Käßmann 2021 in Hannover
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Religionswissenschaftler Detlef Pollack
Religionswissenschaftler Detlef Pollack

02.01.2022

Theologin Käßmann nennt Kirchensteuer gerecht "Angebote sind für alle da"

Die Finanzierung der Kirche ist immer wieder in der Diskussion. Nach Einschätzung der evangelischen Theologin Margot Käßmann ist die Kirchensteuer "eine gerechte Sache". Kirchliche Angebote seien für Kinder wie auch für gut verdienende Beamte da.

"Kirchensteuer ist eine gerechte Sache. Wer viel verdient, zahlt viel, wer nichts verdient, zahlt nichts", schreibt die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der "Bild am Sonntag". Sie sei traurig, wenn Menschen wegen der Kirchensteuer austreten.

Großer Teil an Einnahmen geht an Mitarbeiter

"In einer guten Gemeinschaft sind die Stärkeren auch in Geldfragen solidarisch mit den Schwächeren", so die Theologin. Alle Mitglieder könnten die vielfältigen kirchlichen Angebote nutzen. "Die erfolgreiche Geschäftsfrau kann ebenso den Gottesdienst besuchen wie der mittellose alte Mann. Kinder erhalten genauso kirchliche Angebote wie gut verdienende Beamte."

Der allergrößte Teil der Kirchensteuereinnahmen fließe in Gehälter. "Die Mitarbeiter in der Familienbildungsstätte, der Schwangerschaftskonfliktberatung, bei der Telefonseelsorge sind für alle da, ganz unabhängig vom Einkommen und vom Glauben", so Käßmann. In den USA gebt es immense Unterschiede je nach Finanzkraft der Gemeinde. "In Deutschland finanzieren reiche Gemeinden ärmere auf dem Land oder in Ostdeutschland mit", schildert sie.

Wichtigste Finanzquelle für kirchliche Aufgaben

Käßmanns Meinung nach ist es zudem "praktisch und gut", dass die Finanzämter für den Einzug eine Aufwandsentschädigung erhalten. "Gleichzeitig wird das Steuergeheimnis gewahrt und die Kirchen müssen keine teuren Strukturen aufbauen, um Mitgliedsbeiträge zu erhalten", erklärt sie.

In Deutschland haben die Kirchen das in der Verfassung verankerte Recht, von ihren Mitgliedern Abgaben (Kirchensteuern) zu erheben. Diese Steuer ist die wichtigste Finanzquelle zur Wahrnehmung kirchlicher Aufgaben in Seelsorge, Bildung und Sozialwesen. Die Höhe richtet sich in der Regel nach der Einkommenssteuer. Die Kirchensteuer wird vom Staat eingezogen; er erhält dafür rund drei Prozent des Gesamtaufkommens.

De Maizière: Eine Debatte darüber wäre belebend

Zuletzt hat der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Thomas de Maizière, sich zu dem Thema geäußert. Er rechnet aufgrund der sinkenden Mitgliederzahlen bei den beiden großen Konfessionen in Deutschland mit einer neuen Debatte um die Kirchensteuer.

Im Gefolge einer Diskussion um die von der Ampelkoalition geplanten Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen sei "eine Debatte über die Kirchensteuer eher belebend als schädlich", sagte der frühere Bundesinnenminister und CDU-Politiker der Düsseldorfer "Rheinischen Post" am Freitag.

Ein rauerer Wind als in der Ära Merkel

Nach Einschätzung des Religionssoziologen Detlef Pollack wird es für die beiden großen Krichen unter der neuen Bundesregierung schwerer, was die Kirchensteuer und Staatsleistungen angeht.

Das zeige schon die Absicht im Koalitionsvertrag, die Staatsleistungen an die Kirchen einzustellen, und gehe einher mit ihrem allgemeinen gesellschaftlichen Bedeutungsverlust, sagte Pollack der "Neuen Zürcher Zeitung". "Dass der Staat etwa die Kirchensteuer einzieht oder die sogenannten Staatsleistungen, mit denen die Kirchen bis heute für die Verluste zur Zeit der Säkularisierung entschädigt werden: dafür wird sich immer weniger Verständnis finden lassen."

(KNA, epd)

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