Ein Viertel der Bibeln erreicht die Menschen in digitaler Form
Symbolbild Soziale Medien und Kirche
Regina Laudage-Kleeberg
Regina Laudage-Kleeberg

24.06.2021

Internetseite "Kirchenkrise.de" will Dialog in der Kirche fördern "Leute miteinander ins Gespräch bringen"

Für heikle Fragen gibt es ab sofort die Internetseite "Kirchenkrise.de". Hier soll alles auf den Prüfstand kommen. Regina Laudage-Kleeberg spricht die WDR-Morgenandachten und will mit ihrer Initiative einen Stein ins Rollen bringen.

DOMRADIO.DE: Sie haben die Internetseite "Kirchenkrise.de" in einer Privatinitiative ins Leben gerufen. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Regina Laudage-Kleeberg (Leiterin Abteilung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Bistum Essen): Das ist ein bisschen längerer Weg. Ich bekomme ganz regelmäßig ganz viel Zuschriften von Hörerinnen und Hörern vom Radio, die mir zu den Beiträgen eigene Geschichten zur Kirche erzählen. Ganz oft stecken da viele Enttäuschungen drin, viel Traurigkeit, Wut, Verzweiflung. Und das nehme ich sehr ernst. Genauso oft steht dahinter aber auch ein Wunsch nach Heil werden. Und es gibt den Wünsch, dass die Menschen ernstgenommen und angenommen werden wollen. Ich habe das Gefühl, bei ganz vielen Menschen steht da eine Frage dahinter: Warum passiert das hier in dieser Kirche so? Da hab ich mir überlegt, ich finde, Fragen wären der ideale Anlass, um zu reden.

DOMRADIO.DE Wer gibt den Menschen denn diese Antwort?

Laudage-Kleeberg: Ich möchte erstmal die Leute ermutigen, die Fragen zu stellen. Ich habe natürlich keine Liste von Bischöfen, denen ich diese Fragen vorlegen kann. Ich glaube aber, je mehr da jetzt passiert, desto eher werde ich irgendwann genau so einen Schritt machen können. Vielleicht auf jemanden zugehen, der Verantwortung in der katholischen Kirche trägt. Und sagen: Können Sie sich nicht vorstellen, dass wir mal ein ehrliches Interview über diese Fragen führen? Das würde sehr viele Menschen interessieren.

Und mir hat neulich ein Transmann geschrieben, da habe ich die Frage tatsächlich ganz bewusst einfach bei Facebook nochmal in den Kommentaren an Kirchenrechtler gestellt und gesagt: Wer von euch könnte das mal gerade beantworten? Da hat einer der Kirchenrechtler, die sich auch bei Facebook viel bewegen, geantwortet und das erklärt.

DOMRADIO.DE Und das sind dann Antworten, die ich auf ihrer Seite auch nachlesen kann? Oder bekommt die Antwort nur der eine Mensch, der die Frage gestellt hat?

Laudage-Kleberg: Unterschiedlich, die Leute können die Frage einreichen mit Vornamen und Alter. Mir ist wichtig, dass man einer Art kleinen Hinweis hat, der Aufschluss gibt, was das für ein Mensch hinter der Frage ist. Und die Menschen können eine Geschichte dazu einreichen und das wird alles auf der Internetseite veröffentlicht. Wenn Leute dann da schreiben, mich die Antwort interessiert und die Fragesteller mir tatsächlich auch ihre richtige E-Mail-Adresse geben, dann kann ich eine Antwort auch hinschicken. Ansonsten gibt es Kommentierungen bei Facebook, bei Instagram, wo zum Teil jetzt auch der erste Diskurs entsteht.

DOMRADIO.DE Das heißt, Sie sind auch so ein bisschen Mittlerin, und können Ihre Kontakte und Ihre Netzwerke, die Sie ja haben, dann auch nutzen, um den richtigen Ansprechpartner zu finden, um diese Frage zu beantworten?

Laudage-Kleeberg: Das versuche ich. Wobei das Konzept, glaube ich, gar nicht so ein Frage-Antwortspiel im Sinne von "Sag mir die Wahrheit" und "die eine Antwort ist die Lösung für alles" ist, sondern die Idee hinter dem Ganzen ist sogar eher folgendermaßen. Wenn ich mein großes Thema oder mein größtes, wichtigstes Anliegen an die Kirche in eine Frage bringe, dann ist das wie so eine Art Katalysator, wie so ein Brennpunkt für das, was mich bewegt. Es geht mir vor allen Dingen darum, die Leute miteinander ins Gespräch zu bringen, weil ich glaube, dass dieses Format Fragen stellen einfach erst einmal deutlich macht, dass ich vom anderen noch was wissen will. Ich stelle ja niemandem eine Frage und gehe dann weg oder alle Antworten sind schon gegeben und mit dem will ich nichts mehr zu tun haben. Dann stelle ich auch keine Fragen.

DOMRADIO.DE Die Internetseite "Kirchenkrise.de" ist noch relativ frisch. Welche Resonanzen haben Sie bisher? 

Laudage-Kleeberg: Die Seite ist unglaublich jung, sie ist von gestern Abend. Ich habe die Seite privat gemacht und mir hat ein Freund geholfen, der einfach ein Designtalent ist. Und wir sind gestern Abend online gegangen. Jetzt gibt's bisher nach einem knappen Tag knapp 4000 erreichte Personen. So nennt man das bei Facebook. Und auf der Internetseite gibt's die ersten 20 bis 25 eingereichten Fragen. Sie merken also: Das Interesse, Fragen zu lesen und vielleicht Antworten mitzubekommen, ist deutlich größer als der Mut, Fragen einzureichen.

DOMRADIO.DE Sind Sie denn zuversichtlich, dass auch die katholische Leitungsebene, sagen wir mal die Bischöfe etwa, sich dafür interessiert, was da auf ihrer Internetseite los sein wird?

Laudage-Kleeberg: Ich glaube, es gibt da eine große Differenzierung. Ich glaube, es gibt natürlich in der katholischen Kirche ganz, ganz wache Menschen, die unglaublich gut ihre Verantwortung wahrnehmen, und es gibt natürlich auch welche, die bestimmte Sachen für sich ausblenden oder nicht akzeptieren wollen. Und deswegen glaube ich, das kann man vorsichtig differenziert betrachten und da werden sicherlich Menschen auch in Leitungsebene dann darauf reagieren.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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