Debatte um Rolle der Frauen in der katholischen Kirche
Diskussion um Diakoninnen in der katholischen Kirche

15.04.2021

Diskussion um Diakoninnen in der katholischen Kirche Gleich und doch anders?

In der Diskussion um die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche spricht sich der Augsburger Bischof Bertram Meier für ein Diakonat von Frauen als eigenes Amt aus. Wäre das die Lösung für einen Jahrzehnte andauernden Streit?

Für den Augsburger Bischof Bertram Meier ist es die Zukunft: Frauen könnten für den diakonischen Dienst beauftragt werden, "aber auch geformt mit eigenem Profil." Das sagte er vergangenes Wochenende im Glaubenspodcast "Über Gott und die Welt" der "Augsburger Allgemeinen". Ein Amt ähnlich dem des Ständigen Diakonats für Männer, aber eben zugeschnitten auf Frauen – das kann sich der Bischof vorstellen.

Die zukünftige Rolle der Frauen in der katholischen Kirche ist einer der zentralen Diskussionspunkte in den Reformbemühungen des Synodalen Weges. Während vor allem die katholischen Frauenverbände und Laien mehr Verantwortung und Zugang zu Weiheämtern für Frauen fordern, stehen Rom und zahlreiche Bischöfe auf dem Standpunkt: Weiheämter sind allein Männern vorbehalten.

Diakon als Vorstufe zum Priester

Der Grund: In der katholischen Kirche gilt der Diakon als Vorstufe zum Priester. Die Weihe von Diakon, Priester und Bischof sind untrennbar miteinander verbunden und weil Frauen nach der katholischen Lehre keine Priester werden können – das stellte Papst Johannes Paul II. 1994 in seinem Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" letztmalig klar - dürfen sie auch nicht Diakoninnen werden.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass seit 1968 verheiratete Männer zu "Ständigen Diakonen" geweiht werden können, sie aber kein Priesteramt anstreben. Sie dürfen das Taufsakrament spenden und predigen, nicht aber die Messfeier leiten oder die Beichte hören. Frauen bleibt dieses Amt vorenthalten.

Wäre damit der von Bischof Meier angeführte "diakonische Dienst" mit "eigenem Profil" für die Frauen eine Lösung? "Wenn es uns gelänge, einen Diakonat der Frau herauszubilden, der den Frauen entspricht und nicht nur ein Abklatsch oder eine Kopie des ständigen Diakonats wäre, dann sehe ich darin die Zukunft", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Ob die kirchliche Beauftragung in Form einer Segnung oder einer sakramentalen Weihe erfolgen solle, ließ er offen. Er warnte jedoch davor, die Einheit des dreigliedrigen Weihesakraments zu gefährden. Bei einer Diakoninnen-Weihe würden Frauen zu Recht kritisieren, dass sie nur die unterste Stufe erreichen können, gab er zu Bedenken.

Neu ist die Debatte um das Frauendiakonat nicht – schon während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) gab es im Zuge der Einführung des ständigen Diakonates Anregungen, über ein Diakonat der Frau nach dem Vorbild der Urkirche nachzudenken. Die deutschen Bistümer vertieften diese Gedanken im Zuge der Beratungen der Würzburger Synode in den 1970er Jahren und richteten schließlich ein Votum an Rom mit der Empfehlung, an die Diakoninnenweihe wieder anzuknüpfen. Die Antwort aus Rom steht bis heute aus.

Neuen Schwung bekam die Debatte 2013. Damals machte Kurienkardinal Walter Kasper vor der Deutschen Bischofskonferenz den Vorschlag für "ein neues Amt mit eigenem Profil". Dabei lobte er Charisma und Kompetenz der Frauen in der Kirche, stellte jedoch zugleich klar, dass sie "keine Funktion am Altar" haben können und nicht "das weibliche Pendant zum männlichen Diakon" sein dürften. Anstatt einer Weihe könne es eine "sakramentale Handauflegung ähnlich wie bei der Äbtissinnenweihe" geben, so Kasper, der sie dann zu pastoralen, caritativen, katechetischen und bestimmten liturgischen Diensten beauftrage.

Für Maria 2.0 inakzeptabel

Schon damals kritisierte das "Netzwerk Diakonat der Frau" den Vorschlag als nicht ausreichend. Man halte an der Forderung nach einer sakramentalen Weihe fest, "alles andere würden Frauen als Abwertung bis hin zur Diskriminierung sehen", sagte die Vorsitzende Irmentraud Kobusch damals.

Und auch heute können kirchliche Frauenbewegungen der Idee des Augsburger Bischofs nichts abgewinnen. Für die Theologin Maria Mesrian von der Initiative Maria 2.0 ist sie inakzeptabel: "Weil dahinter die gleiche diskriminierende Haltung steht, die seit Jahrhunderten von der Kirche gegenüber den Frauen betrieben wird." Sie nennt den Ausschluss der Frauen vom Weiheamt eine "Menschenrechtsverletzung", da er diskriminiere. Dass sich die Kirche dabei auf das Lehrschreiben von Johannes Paul II. beruft, wertet sie als theologisches Problem: "Wenn die Kirche sagt, sie habe keine Vollmacht, gibt sie ja vor, zu wissen, wen Gott zu was bevollmächtigen möchte", sagt sie. Das sei ein Urteil über Gott, das sich keiner anmaßen dürfe.

Dogmatiker Hoping spricht von "Mogelpackung"

Auch der Dogmatiker Prof. Helmut Hoping von der Universität Freiburg hält die Idee eines spezifisch weiblichen Diakonats für schwierig: Man müsse die Frage stellen, wo das Plus gegenüber anderen Diensten wie den Pastoral- oder Gemeindereferentinnen liege, sagt er. "Und wenn sie am Ende identisch sind mit denen geweihter Diakone, sei es im Bereich der Liturgie, der Verkündigung oder der Diakonie, ist das eine Mogelpackung". Das würde vielen Frauen das Gefühl geben, mit einem "Diakonat zweiter Klasse" abgespeist zu werden. Als Dogmatiker hält er den Vorschlag für nicht zielführend, "weil er theologisch einiges an Verwirrung und Klärungsbedarf hervorrufen würde." Er bezweifelt, dass ein solches spezifisches Amt für Frauen kommen wird.

Aber auch mit der Öffnung des Diakonenamtes für Frauen ist trotz jahrzehntelangen Forderungen derzeit nicht zu rechnen. Zwar hatte Papst Franziskus 2016 eine Kommission eingesetzt, um frühchristliche Aufgaben und Ämter weiblicher Diakone zu untersuchen. Im Mai 2019 erklärte das Kirchenoberhaupt jedoch, die Arbeiten hätten wie schon zuvor Studien der Internationalen Theologenkommission zu keinem einhelligen Ergebnis geführt. Im Frühjahr 2020 setzte der Papst eine neue Studienkommission zum Thema ein, deren Ergebnis noch aussteht. Doch auch er hat immer wieder klar gemacht – wie etwa in dem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia": sakramentale Weihen für Frauen wird es unter ihm nicht geben.  

Bald ist "Tag der Diakonin"

Maria Mesrian von Maria 2.0 geht noch einen Schritt weiter, indem sie das Weiheamt in seiner jetzigen Form grundsätzlich zur Diskussion stellt: "Machtmissbrauch und die Vertuschung des sexuellen Missbrauchs sind eng verknüpft mit dem Klerikalismus, dem überhöhten Priesterbild und Weiheämtern. Wenn sie falsch ausgeübt werden, verleiten sie zu Missbrauch." Das hatte 2018 auch die MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche herausgearbeitet. Deswegen, so Mesrian weiter, müsse die Frage erlaubt sein, "ob wir nicht ganz neu über die Ämter und die Weihe in der Kirche nachdenken müssen".

Am 29. April ist der "Tag der Diakonin", der seit 1997 jährlich am Festtag der heiligen Katharina von Siena begangen wird. Einmal mehr werden katholische Frauenverbände wie die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) oder das Netzwerk Diakonat der Frau Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche und den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern fordern. Das diesjährige Motto lautet: "Gerecht": "Gerecht leben und handeln seien christlicher Auftrag", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, "Doch wie gerecht geht es in der Kirche selbst zu?", fragt diese. Die Vertreterinnen wissen, dass sie Geduld und einen langen Atem brauchen. Die katholische Kirche denkt bekanntlich in Jahrhunderten.

Ina Rottscheidt
(DR)

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