Erzbischof Heße zur Debatte über Frauenweihe

Die historische Perspektive ist nicht alles

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat sich für eine offene Debatte über die Zulassung von Frauen zum Weiheamt in der katholischen Kirche ausgesprochen. "Man muss über die Themen denken und diskutieren dürfen", betonte er.

Eine Frau trägt eine Kette mit Kreuzanhänger / © Wirestock Images (shutterstock)
Eine Frau trägt eine Kette mit Kreuzanhänger / © Wirestock Images ( shutterstock )

Heße äußerte sich bei einer Gesprächsveranstaltung am Mittwochabend in Hamburg. Auch mit dem 1994 veröffentlichten Schreiben von Papst Johannes Paul II. zum Ausschluss des Frauenpriestertums sei die Angelegenheit nicht erledigt. "Die Diskussion ist nach wie vor da, sie ist lebendig, und sie ist durch ein Papier nicht zu ersticken."

Historische Perspektive ist nicht alles

Laut Heße gibt es viele neue Argumente, die miteingebracht werden müssten. "Die historische Perspektive ist eine - aber die ist nicht alles." Theologen stellten beispielsweise die Frage, ob bei der Menschwerdung Christi das Mannwerden oder das Personwerden das Entscheidende sei.

Heße ist Mitglied des Forums "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" beim Synodalen Weg, den die deutsche katholische Kirche im vergangenen Jahr gestartet hat. Mit Blick auf diesen Reformprozess äußerte er die Hoffnung, dass strittige Fragen "auf Herz und Nieren" geprüft würden und die Bischöfe die Ergebnisse nach Rom brächten. "Ich habe aber auch die realistische Vorstellung, dass damit die Fragen nicht beantwortet und gelöst sind."

Auf die Frage, ob er beim Synodalen Weg für die Zulassung von Frauen und Diversen zum Priesteramt eintrete, antwortete der Erzbischof, dass er mit Offenheit in den Reformprozess gehe. "Wenn die Ergebnisse am Anfang schon feststehen, dann habe ich kein Interesse an dem Weg."

Theologin Sattler sieht die "Tür noch nicht geschlossen"

Auch die Münsteraner Theologin und Vorsitzende des Frauen-Forums, Dorothea Sattler, äußerte Zweifel an der Verbindlichkeit des Schreibens von Johannes Paul II. "Viele Theologinnen und Theologen sind der Überzeugung, dass da auf lehramtlicher Seit die Tür noch nicht zu ist". Ihrer Auffassung nach können auch Frauen Jesus Christus repräsentieren.

Laut Sattler sind diejenigen, die das Bestehende bewahren möchten, beim Synodalen Weg in der Minderheit. "Nach meiner Einschätzung ist die Mehrheit - auch unter den Bischöfen - sehr ernsthaft darum bemüht, manches auf den Prüfstand zu stellen und auch sehr konkrete Ergebnisse zu erzielen."

Heße und Sattler äußerten sich in der Katholischen Akademie Hamburg beim ersten von vier Gesprächsabenden im Erzbistum zu den Themen des Synodalen Wegs. Auf dem Podium saßen neben Heße fünf weitere Delegierte, die für die Hamburger Diözese am Reformprozess teilnehmen. Sattlers Beitrag wurde als Videoaufzeichnung gezeigt.


Quelle:
KNA