12.05.2020

Ein kleines Wörterbuch für Kirchenreformer und Bewahrer Von "A" wie "Amt" bis "Z" wie "Zölibat"

Der Ruf nach Reformen ist in der katholischen Kirche häufig zu vernehmen. Nicht nur in Deutschland haben sich Bischöfe und Laien auf den Synodalen Weg begeben. Konservative Theologen warnen vor einer Anpassung an den Zeitgeist, der zu einer Spaltung führen könnte.

Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) erklärt einige Schlüsselbegriffe zu den aktuellen Debatten.

A - Amtskirche

Unter diesem oft kritisch gebrauchten Begriff werden die kirchlichen Führungskräfte und -funktionsträger, also Bischöfe, Priester und andere beruflich für die Kirche Tätigen, zusammengefasst. Dahinter steht der Gedanke, dass diese die Kirche als Institution - im Gegensatz zum gemeinen Kirchenvolk - repräsentieren.

B - Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Die Konferenz dient der Beratung und der Koordinierung der Bistümer. Sie gibt Richtlinien vor und pflegt Verbindungen zu Bischofskonferenzen anderer Länder.

C - CIC

Steht für Codex Iuris Canonici, das Gesetzbuch der katholischen Kirche. Die aktuelle Fassung stammt aus dem Jahr 1983 und soll das kirchliche Leben ordnen - von der Wahl eines Papstes bis hin zum Umgang mit Straftaten.

D - Diakon

Das Diakonat ist eines der ältesten Ämter in der Kirche. Einst waren Diakone Gehilfen des Bischofs in der Gemeindeverwaltung, beim Gottesdienst und in der Armenfürsorge. Später wurde die Diakonenweihe zu einer Durchgangsstufe auf dem Weg zur Priesterweihe. In der frühen Kirche gab es auch Frauen als Diakoninnen, aber mit anderen Vollmachten als die Männer. Heute fordern viele eine Weihe von Frauen zu Diakoninnen.

E- Evangelisierung

Ein Schlüsselbegriff für Papst Franziskus. Im Kern geht es darum, die Botschaft Jesu in der modernen Gesellschaft durch Worte und Taten zu verkünden.

F - Forum

Bei dem laufenden Synodalen Weg zur Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland werden Vorlagen in vier Arbeitsgruppen erarbeitet, sie heißen "Foren". Sie widmen sich den Themen Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Machtverteilung sowie der Rolle von Frauen in der Kirche.

G- Gottesdienst

Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen zum Gebet. Ein Bestandteil können Abendmahls- oder Eucharistiefeiern sein. Damit erinnern Christen an das letzte Abendmahl Jesu. Bei der Kommunion nehmen sie Brot und mitunter auch Wein zu sich. Nach katholischer Auffassung sind darin Leib und Blut Jesu Christi nicht nur symbolisch, sondern real gegenwärtig.

H - Hierarchie

Der ursprünglich griechische Begriff für "heilige Herrschaft" umschreibt die Ordnung der Kirche. Deren Haupt ist Jesus Christus, ihn repräsentieren die geweihten Amtsträger, und zwar in drei Weihestufen: Bischof, Priester, Diakon. Als Nachfolger des Petrus hat der Papst den Vorrang unter den Bischöfen, die als Nachfolger der Apostel gelten und in ihrem Bistum wie Monarchen regieren. Elemente von Mitbestimmung wie "Räte" und Synoden ergänzen das hierarchische System.

I - Inkulturation

Wie lässt sich die Botschaft Jesu in einer Gesellschaft verkünden, ohne deren kulturelle Eigenheiten zu übergehen? Nach Jahrhunderten der auch gewaltsamen Missionierung in Nordeuropa, Asien, Afrika und Amerika meint Inkulturation heute die Suche nach kulturell angepassten Formen der Evangelisierung.

J - Jesuiten

Die Jesuiten sind ein katholischer Männerorden, er wurde 1534 durch den Spanier Ignatius von Loyola gegründet. Papst Franziskus gehört ihm an. Sein Amtsstil ist geprägt durch den von Ignatius eingeführten Weg zur Entscheidungsfindung: Erst gründlich prüfen, dann handeln - auch wenn das oft länger dauert. Auch die Anpassung der kirchlichen Lehre an die jeweilige Kultur ist typisch jesuitisch.

K - Konzil und Synode

Ein Konzil ist eine allgemeine Bischofsversammlung. In der katholischen Kirche übt ein sogenanntes Ökumenisches Konzil mit dem Papst die höchste Gewalt aus. Das letzte dieser Art war das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Beratende Funktion haben die Welt-Bischofssynoden. Jüngste Beispiele sind die Synoden zu Familie (2014/2015), zur Jugend (2018) und zur Amazonasregion (2019). In Würzburg tagte von 1971 bis 1975 die gemeinsame Synode der westdeutschen Bistümer, mit Laienbeteiligung. Derzeit läuft in Deutschland der Synodale Weg zur Zukunft des kirchlichen Lebens. Er ähnelt einer Synode, ist aber keine Synode im Sinne des Kirchenrechts, Laien haben volles Stimmrecht.

L- Laien

Laien sind in der katholischen Kirche all jene, die kein Weiheamt (Diakon, Priester oder Bischof) haben. Das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laienverbände in Deutschland ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

M - MHG-Studie

Die Studie untersuchte sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland auf Basis von Akten aus den Jahren 1946 bis 2014. Darin fanden sich Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute. Die Studie wurde 2018 vorgestellt und war ein Auslöser für den Synodalen Weg. Die Kürzel stehen für die Städte Mannheim, Heidelberg und Gießen. Dort sitzen die an der Studie beteiligten Institute.

N - Nuntius

Ein Apostolischer Nuntius ist der Botschafter des Papstes in einem Land. Er vertritt die Führung der katholischen Weltkirche (den "Heiligen Stuhl") gegenüber der Regierung und ist im Umgang mit den Ortskirchen der Mittelsmann des Papstes.

O - Ökumene

So heißt griechisch "die gesamte bewohnte Welt". Heute bezeichnet Ökumene das Miteinander der christlichen Kirchen und das Bestreben um deren Einheit.

P - Pastoralreferent

Pastoralreferentinnen und -referenten gibt es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in deutschsprachigen Ländern. Sie haben Theologie studiert und sind in der Seelsorge tätig. Weil sie keine geweihten Priester sind, dürfen sie außer der Taufe keine Sakramente spenden.

Q - Qualifizierte Mehrheit

Um beim Synodalen Weg gültige Beschlüsse zu fassen, ist eine doppelte Zweidrittelmehrheit erforderlich: die aller anwesenden Mitglieder und zusätzlich die der anwesenden Mitglieder der Bischofskonferenz. Außerdem muss auf Antrag auch festgestellt werden, ob zwei Drittel der Frauen zustimmen.

R - Römische Kurie

Römische Kurie nennt man die Gesamtheit der kirchlichen Behörden, durch die der Papst die Kirche leitet. Seit einigen Jahren läuft eine von Papst Franziskus geleitete Reform. Dabei steht ihm ein Kardinalsrat zur Seite, dem auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, angehört. Die Kardinäle sind nach dem Papst die höchsten Würdenträger in der Kirche.

S - Sakrament

In den Sakramenten kommt nach christlichem Verständnis die Zuwendung Gottes zu den Menschen sichtbar zum Ausdruck. Die evangelische Theologie kennt zwei Sakramente: die Taufe und das Abendmahl. Die katholische Kirche zählt sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Ehe, Weihe und Krankensalbung

T - Theologie

Theologie, die Rede oder Lehre von Gott, beschäftigt sich als Wissenschaft mit den Grundlagen des Glaubens.

U - Unfehlbarkeit

Die Unfehlbarkeit des Papstes in bestimmten Lehrfragen wurde auf dem Ersten Vatikanischen Konzil (1869/70) definiert. Dieses Dogma besagt, dass der Papst bestimmte Aussagen zu Glaube und Sitte frei von Irrtum verkünden kann. Die päpstliche Unfehlbarkeit wird von den anderen Kirchen nicht anerkannt.

V - Viri probati

Das lateinische "viri probati" bedeutet wörtlich "bewährte Männer". In der Diskussion um die Voraussetzungen für das Priesteramt in der katholischen Kirche steht dieser Ausdruck für die Überlegung, bewährte verheiratete Männer zur Weihe zuzulassen. Bislang können, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur unverheiratete Männer Priester werden (siehe "Zölibat").

W - Weihe

Die Weihe ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Durch sie werden Männer zu Diakonen, Priestern oder Bischöfen und erhalten damit die Vollmacht, im Namen Christi Sakramente zu spenden und zu lehren.

XY - X-und Y-Chromosomen

Legen fest, ob jemand im biologischen Sinn Mann oder Frau ist. Frauen ist in der katholischen und in den orthodoxen Kirchen der Zugang zum Priesteramt und damit faktisch auch zu den wichtigsten Leitungsfunktionen verwehrt. Begründet wird dies damit, dass der Priester als Repräsentant Christi handelt, der ein Mann war, und dass Jesus nur Männer als Jünger berief. Die Nichtzulassung von Frauen zum Priesteramt bekräftigte Papst Johannes Paul II. im Jahr 1994 als unabänderlich. Die Diskussionen darüber gehen allerdings weiter.

Z - Zölibat

Vom lateinischen "caelebs" ("alleinlebend") abgeleitet, bezeichnet Zölibat die verpflichtende Ehelosigkeit von katholischen Priestern und Ordensleuten. Befürworter verteidigen den Zölibat mit dem Hinweis darauf, dass sich Priester und Ordensleute radikal dem Dienst an Gott und den Menschen verpflichten. In den orthodoxen Kirchen gilt die Zölibatspflicht nur für Mönche, Nonnen und Bischöfe, in protestantischen Kirchen gilt sie nicht.

Joachim Heinz
(KNA)

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