"Charta für Grundrechte in der Kirche"  in Österreich vorgestellt
"Charta für Grundrechte in der Kirche" in Österreich vorgestellt
Klaus Prömpers
Klaus Prömpers

02.02.2020

"Charta für Grundrechte in der Kirche" in Österreich vorgestellt "Man will die Kirchentüren zumindest öffnen"

In Wien wurde eine "Charta für Grundrechte in der Kirche" vorgestellt. Kritisiert wird, dass Menschen in der Kirche in ihren Grundrechten eingeschränkt sind. Worum geht es genau und wer steckt dahinter?

DOMRADIO.DE: Um was geht es bei der Charta genau?

Klaus Prömpers (Journalist): Insgesamt sind es fünfzehn Punkte, die da vorgestellt wurden, unter anderem der Vorrang des Gewissens, das Recht auf Gleichheit in der Kirche, also das Recht auf Gleichheit bezüglich Geschlecht, Nationalität, Rasse, Sprache, Herkunft, sexueller Orientierung, Familienstand, Alter, Besitz. Es geht um Gemeinschaft, um allgemeines Priestertum, um Meinungsfreiheit in der Kirche, um Informationsfreiheit, um die Sakramente, dass alle Katholiken die selbstverantwortlich empfangen können, um Ansehen, soziale Gerechtigkeit, Teilhabe, um einen fairen Prozess, die Rechte der Kinder und sogar um die Freiheit, die Kirche verlassen zu können.

DOMRADIO.DE: Wer steckt hinter dieser "Charta für Grundrechte in der Kirche"?

Prömpers: Das ist eine gemeinsame Initiative verschiedener Gruppen: Der Pfarrer-Initiative, hinter der der frühere Generalvikar von Wien, Pfarrer Helmut Schüler, steckt, der Initiative "Wir sind Kirche" Österreichs, einer Initiative "Priester ohne Amt", also laisierte Priester und einer Laieninitiative. Gemeinsam haben sie diese fünfzehn Grundrechte vorgestellt. Sie wollen damit einen Anstoß geben, zu diskutieren, ob es in der Kirche nicht mehr möglich ist, die Talente der einzelnen getauften Christen in der Kirche zu heben und insgesamt damit der Kirche auch wieder einen größeren Einfluss in der Welt zu geben.

DOMRADIO.DE: Kritisiert wird, dass Frauen von Weiheämtern ausgeschlossen werden, dass Priester nicht heiraten dürfen, aber auch die Forderung an homosexuelle Menschen, enthaltsam zu leben. Hier werden die Rechte dieser Menschen schon stark eingeschränkt, oder?

Prömpers: In gewisser Weise ja, aber man will ja nicht mit Macht alle Mauern einreißen, die die Kirche im Laufe der Jahrhunderte gebaut hat, sondern man will versuchen, sie allmählich etwas auszuweiten, wenn man es so sagen will. Man will die Kirchentüren zumindest öffnen, um mehr Menschen auch wieder in die Kirche hinein zu bekommen. In eine Kirche, die sich reformiert hat und die eben den einzelnen Christen, die in der Kirche sind, auch mehr Möglichkeiten der Mitwirkung gibt. Das bezieht sich beispielsweise auch auf die Frage, wie Bischofsernennungen zustande kommen. Nun will man nicht gleich das Wählen des Bischofs fordern, aber doch zumindest Kriterien mit aufstellen dürfen, nach denen Bischöfe letztlich ausgewählt werden.

DOMRADIO.DE: Der Aufruf kommt parallel mit dem Auftakt der ersten Synodalversammlung des Synodalen Weges in Deutschland. Das ist sicher kein Zufall, oder?

Prömpers: Nein, sicherlich nicht. Man schaut dorthin mit großer Spannung und Erwartungshaltung. Man will da jetzt auch noch mal ein Zeichen setzen, gerade angesichts der Tatsache, dass die österreichische Kirche im Umbruch ist. Am kommenden Sonntag gibt es einen neuen Bischof in der Diözese Gurk-Klagenfurt. Es gibt möglicherweise im Laufe der nächsten anderthalb Jahre einen neuen Bischof in Wien, wenn der Papst sich entscheidet, die Nachfolge von Kardinal Schönborn zu regeln. Das alles bedeutet, dass sich einiges ändert.

Diese Änderungen möchte man nicht einfach so von Rom und von der Hierarchie geschehen lassen, sondern man möchte mitsprechen und artikulieren, was man von der Zukunft der Kirche in Österreich erwartet, auch mit Blick auf den deutschsprachigen Nachbarn.

DOMRADIO.DE: Ist denn die Diskussion um Reformen in der Kirche in Österreich ähnlich wie hier bei uns in Deutschland?

Prömpers: Ich glaube schon, denn es gibt auch hier durchaus unterschiedliche Positionen innerhalb der Bischofskonferenz. Die sind nicht ganz so extrem, wie sie mir in Deutschland zu sein scheinen, wo einzelne Bischöfe sagen, was da auch immer rauskommt beim Synodalen Weg, der einzelne Bischof muss es erst anwenden – und ist frei darin, dies zu tun oder auch zu lassen. So extrem ist es hier nicht. Aber es gibt natürlich schon verschiedene Akzente in den unterschiedlichen Diözesen.

Man denke an Bischof Alois Schwarz, der von Gurk-Klagenfurt nach St. Pölten versetzt worden ist und durchaus den konservativen Kreisen der Bischofskonferenz zuzurechnen ist. Man denke andererseits an Kardinal Schönborn, der versucht hat, hier einen Mittelweg zu finden, und damit verhältnismäßig erfolgreich die Kirche aus ihrer Krise herausgeführt hat, in der sie steckte, als er übernommen hat. Da gibt es also auch viel Hin und Her. Die Gruppe der Reformer ist, glaube ich, die kleinere Gruppe in der hiesigen Kirche, auch im Laienstand. Aber sie meldet sich munter zu Wort.

(DR)

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