Blick durch ein gelochtes Metallkreuz auf die Teilnehmer der Synodalversammlung
Blick durch ein gelochtes Metallkreuz auf die Teilnehmer der Synodalversammlung
Kardinal Marx
Kardinal Marx
Prof. Sternberg
Prof. Sternberg
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen
Rainer Maria Kardinal Woelki und Bischof Felix Genn
Rainer Maria Kardinal Woelki und Bischof Felix Genn
Thies Gundlach
Thies Gundlach
Bischof Karl-Heinz Wiesemann
Bischof Karl-Heinz Wiesemann
Bischof Georg Bätzing
Bischof Georg Bätzing
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße
Annegret Kramp-Karrenbauer
Annegret Kramp-Karrenbauer
Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), spricht bei der Pressekonferenz
Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), spricht bei der Pressekonferenz
Ehemaliger Abtprimas Notker Wolf
Benediktiner Notker Wolf

02.02.2020

Reformprozess zwischen Angst und Aufbruch Gemischte Bilanz

Die Reaktionen auf das erste Treffen von katholischen Bischöfen und Laien fallen unterschiedlich aus: Manche Bischöfe sprechen von einer "großartigen Zukunftswerkstatt" für die Kirche, andere sehen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sind zufrieden mit dem Start des kirchlichen Reformprozesses, des sogenannten Synodalen Wegs. Es habe sich ein neues und anderes Bild von Kirche gezeigt, sagte Sternberg am Samstag zum Abschluss der ersten Synodalversammlung in Frankfurt vor Journalisten. Dieses Bild von Kirche sei "zeitgerechter". Marx sagte, er sei zuversichtlich, was den Fortgang des begonnen Reformdialogs angehe.

Marx: Keine Lösung für alle Probleme

Die Erwartungen, aber auch die Befürchtungen seien vor Beginn der Beratungen zwischen katholischen Bischöfen und Laien groß gewesen, sagte Marx. Man dürfe nach dem ersten Treffen noch keine Lösung für alle Probleme der Kirche erwarten. Der Osnabrücker Bischof, Franz-Josef Bode, sprach von einer "großartigen Zukunftswerkstatt". Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zieht eine positive Bilanz. "Die Gespräche und Begegnungen seien von einer intensiven geistlichen Atmosphäre und der Suche nach dem Willen Gottes geprägt", sagte der Ruhrbischof am Samstag in Essen.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn lobte am Sonntag in einer Mitteilung der Diözese einen respektvollen Umgang und positive Gesprächsatmosphäre unter den 230 Delegierten. "Es gab die Bereitschaft, aufeinander zu hören und fair miteinander umzugehen - bei aller Unterschiedlichkeit der Positionen", sagte er. "Es kann vielleicht mitunter noch ein ganz schwerer Weg werden, aber ich bleibe zuversichtlich."

In den Diskussionen seien die unterschiedlichen Richtungen und Positionen in der katholischen Kirche in Deutschland deutlich geworden, fügte Genn hinzu. Es sei notwendig, "dass wir als Kirche zueinander finden und uns nicht gegenseitig blockieren, denn das dient der Einheit, für die wir gerade als Bischöfe verantwortlich sind". Doch nicht alle Teilnehmer teilten die positive Einschätzung.

Woelki: "Schlimmste Befürchtungen" wahr geworden 

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, sagte gegenüber DOMRADIO.DE am Samstag, seine "schlimmsten Befürchtungen" seien wahr geworden. Die hierarchische Verfasstheit der Kirche werde durch das Forum infrage gestellt. Mit der Synodalversammlung sei "quasi ein protestantisches Kirchenparlament" ins Werk gesetzt worden. Woelki gehört von Beginn an zu den Skeptikern. Er fühle sich nicht an mögliche Beschlüsse des Synodalen Wegs gebunden, hatte er schon vor Beginn des Dialogs gesagt. 

Sternberg wies die Kritik Woelkis zurück. "Will man Synodalität oder will man eine Hierarchie des 19. Jahrhunderts konservieren?", sagte er. Nach seinem Verständnis müssten Laien mitbestimmen. "In den kommenden Monaten müssen wir noch konkreter werden", sagte Sternberg weiter mit Blick auf die bevorstehenden inhaltlichen Auseinandersetzungen. Am Samstag endete das Treffen von Bischöfen und Laien mit Beratungen über die Rolle der Frau in kirchlichen Ämtern und die kirchliche Sexualmoral. 

Vonseiten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurde der Synodale Weg positiv aufgenommen. "Ich erlebe diesen Auftakt als aufrichtiges Bemühen, das Vertrauen untereinander wieder so herzustellen und zurückzugewinnen, dass auch draußen in der Welt Wege aus der Vertrauenskrise gefunden werden", sagte der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes in Hannover, Thies Gundlach, der als Beobachter am Synodalen Weg teilnimmt.

Macht in der Kirche: Bischof für Kulturwandel 

Der Speyrer katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann fordert einen Kulturwandel beim Umgang mit Macht in seiner Kirche. "Wir brauchen eine größere Transparenz und Rechenschaftspflicht in Bezug auf die Ausübung von Macht, es braucht strukturell abgesicherte Kontrolle und Partizipation des ganzen Gottesvolkes", sagte der Bischof am Sonntag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Wiesemann leitet gemeinsam mit Claudia Lücking-Michel vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) das Forum Macht. Wiesemann zeigte sich beeindruckt von der offenen Atmosphäre der dreitägigen Versammlung. Er sei optimistisch, "dass wir in den zwei Jahren zu sehr vernünftigen Ergebnissen kommen". Mit Blick auf das Interesse sehr vieler Delegierter am Forum Macht sagte Wiesemann, bei dem Thema sähen viele "sehr konkrete und praktische Verwirklichungsmöglichkeiten". Das Thema Macht betreffe alle.

Wiesemann unterschied zwischen einer "Ästhetik der Macht, die sich nicht nur in der Liturgie, sondern auch weit darüber hinaus im Erscheinungsbild der katholischen Kirche zeigt". Zudem existiere eine "Rhetorik der Macht", die sich auch in der Sprache ausdrücke. Ein dritter Komplex sei die "Pragmatik der Macht" in den Organisations- und Kommunikationsformen. Beim Thema Macht geht es nach seinen Worten "nicht nur um das bischöfliche Amt". Wörtlich sagte Wiesemann: "Wir alle müssen unsere Macht aus dem Evangelium heraus begreifen und als Dienst im Sinn der Option für die Armen verstehen und leben." 

Öffnung der katholischen Sexuallehre?

Der Limburger Bischof Georg Bätzing forderte eine Öffnung der katholischen Sexuallehre. Er sprach von einer großen Kluft zwischen gelebten sexuellen Beziehungen und geglaubter Lehre. Die Sexuallehre der Kirche werde eher als Verbotsmoral, denn als echtes Orientierungswissen wahrgenommen. "Wir möchten diesen Graben überbrücken ohne eine Bruch mit der Lehre, aber mit einer Weitung, Öffnung und Veränderung dieser Lehre", sagte Bätzing. Er hatte den 217 anwesenden Delegierten ein Arbeitspapier für die Reform der katholischen Sexualmoral vorgestellt.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße distanzierte sich von der geltenden kirchlichen Lehre zur Homosexualität und forderte neue Wege. Die Formulierung des katholischen Katechismus, wonach man homosexuellen Menschen mit Respekt begegnen müsse, enthalte eine Perspektive von oben herab und entspreche nicht einer Begegnung auf Augenhöhe, sagte er bei der Synodalversammlung am Samstag. 

Heße kritisierte auch, dass die katholische Kirche bislang homosexuell veranlagten Menschen nahelege, sexuell enthaltsam zu leben. Er wisse aus der Seelsorge, dass es viele gleichgeschlechtlich orientierte Menschen gebe, die in ihrer Partner-Beziehung Werte wie Respekt und Verantwortung lebten. Diesen Menschen müsse die Kirche gerecht werden, forderte Heße unter dem Applaus der Versammlung.

Mitspracherecht von Frauen in der Kirche

Die Theologin Agnes Wuckelt hofft auf mehr Mitsprache von Frauen in der katholischen Kirche. Mit Blick auf den Synodalen Weg zur Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland sagte sie am Sonntag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), denkbar sei eine mehrstufige Vorgehensweise. 

"Zunächst sollten alle Möglichkeiten im Rahmen des Kirchenrechts ausgeschöpft werden", erläuterte die stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Einige Bischöfe seien auf diesem Feld gut unterwegs, indem sie mehr Frauen in Leitungsfunktionen beschäftigten. Aber auch bei der Leitung von Gemeinden oder der Feier von Gottesdiensten sei noch Luft nach oben.

Die Theologieprofessorin gehörte zu einer Arbeitsgruppe, die für den Reformdialog ein Grundlagenpapier zur Rolle von Frauen erarbeitete. Möglich sei im weiteren Fortgang des Synodalen Wegs, dass die Bischöfe in Rom nach Möglichkeiten für das Frauendiakonat anfragten. "Drittens könnte ein Votum der Synodalversammlung erreichen, dass man auf Ebene der Weltkirche die theologischen Argumente für und wider eine Priesterweihe von Frauen zusammenträgt und prüft."

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer bekam unterdessen für ihre Forderungen nach Abschaffung des Zölibats sowie mehr Einfluss von Frauen in der Kirche Zuspruch. Der Vorsitzende des überkonfessionellen "Stephanuskreises" der CDU/CSU, Heribert Hirte, nannte ihren Vorschlag mutig. Die Diskussion über eine stärkere Einbindung von Frauen sei wichtig, sagte er der "Bild am Sonntag". Die Vizepräsidentin des ZdK, Karin Kortmann, betonte: "Die Frauenfrage entscheidet über die Zukunft der katholischen Kirche."

Benediktiner Wolf: Beratungsprozess für Kirche permanent wichig 

Der frühere Abtprimas der Benediktiner, Notker Wolf, sieht den von der katholischen Kirche in Deutschland eingeschlagenen Synodalen Weg als richtig an."Meines Erachtens müsste so ein Prozess die ganze Zeit laufen", sagte der Ordensmann in der Livesendung "Der Sonntags-Stammtisch" im BR-Fernsehen. So rate schon der heilige Benedikt seinen Mitbrüdern: "Tue nichts ohne Rat, dann brauchst Du hinterher nichts bereuen."

Vor allem müsse auch den Jüngeren zugehört werden, betonte Wolf. Denn Gott gebe oft ihnen ein, was das Bessere sei. Auch dies habe der Ordensgründer in seiner Regel festgehalten. "Aber das hat sich schon bei uns Benediktinern nicht immer durchgesetzt", räumte der Mönch ein. Für den Menschen sei es halt ein Problem, sich korrigieren oder sich etwas sagen zu lassen. Für das Wichtigste halte er deshalb, dass zuerst alle einander richtig zuhören. 

Der Benediktiner zeigte sich überzeugt, dass in der Kirche vieles zu überdenken sei. "Und das müssen wir miteinander machen." Deswegen finde er es auch gut, dass bei der Reformdebatte, zu deren Auftakt die Beteiligten von Donnerstag bis Samstag in Frankfurt am Main zusammenkamen, nicht nur die Bischöfe dabei seien, sondern auch viele andere.

Lange Diskussion über Verfahrensfragen 

Der Reformprozess war am Donnerstag mit einer Messe im Frankfurter Bartholomäus Dom eröffnet worden. Die inhaltlichen Beratungen hatten am Freitag begonnen. Zunächst hatten die Delegierten jedoch lange über Verfahrensfragen diskutiert. Das zentrale Thema Machtmissbrauch in der Kirche kam erst nach zähen formalen Debatten auf die Tagesordnung. 

Der Synodale Weg soll die katholische Kirche aus der Krise führen. Er wurde von der Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee initiiert und dauert zwei Jahre. Beschlüsse werden frühestens im Herbst erwartet. Zwischen den insgesamt vier Synodalversammlungen arbeiten Arbeitsgruppen (Synodalforen) an Beschlussvorlagen zu einzelnen Themen. Vier Bereiche stehen im Zentrum: Neben der Rolle der Frau in kirchlichen Ämtern und der Sexuallehre wird auch über klerikalen Machtmissbrauch und die Zukunft des Priesteramts gesprochen.

(epd, KNA)

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