Fahne des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Fahne des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Stefan Vesper, ehemaliger Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Stefan Vesper, Generalsekretär a.D. des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

30.11.2019

ZdK-Generalsekretär Vesper zum Synodalen Weg "Wir sind nicht die Musterknaben der Weltkirche"

Zum ersten Advent beginnt der Synodale Weg, der Reformdialog der deutschen Kirche. Kritik gibt es viel: Wendet sich Deutschland damit gegen die Weltkirche? Kann der Prozess überhaupt verbindliche Entscheidungen treffen?

DOMRADIO.DE: Bischöfe und Laien wollen zwei Jahre gleichberechtigt beraten über die Zukunft der Kirche in Deutschland. Die Planungen dafür laufen seit dem Frühjahr. Wie geht man so ein Riesenprojekt an?

Dr. Stefan Vesper (Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken): Man musste etwas erfinden, was es so noch nicht gab. Wir haben ein großes Vertrauensverhältnis zur ganz großen Mehrheit der Deutschen Bischofskonferenz. Aber: Wir sind auch nicht immer einfach für die Bischöfe. Das gehört sich auch so. Wir sind selbstbewusste Vertreterinnen und Vertreter der Anliegen der Katholikinnen und Katholiken. Wir hatten eine Konferenz im Juni in Fulda, da wurde das deutlich. In Diskussion und im Gebet stehen wir zusammen, schauen in die gleiche Richtung.

Das andere ist, dass man schon sagen kann: Ein bisschen schaut die Welt auf uns. Wir kriegen von vielen Laienvertretungen aus anderen Ländern gesagt: Wir schauen auf euch, wir wollen dieses Statut haben, wir wollen wissen, wie ihr das macht. Ich sage das aber sozusagen mit angezogener Handbremse, Wir sind nicht die Musterknaben der Weltkirche. Wir sind bescheiden. Wir wollen hier nicht alles für andere modellhaft machen. Jedes Land muss das für sich sehen. Aber wir wissen auch, dass die Fragen, die uns beschäftigen, für viele Länder gelten und deswegen für viele Länder sehr interessant ist,

DOMRADIO.DE: Dabei sitzen Sie zwischen zwei Fronten. Einerseits in Deutschland, der berechtigte Reformbedarf nach dem Missbrauchsskandal. Auf der anderen Seite ja auch die berechtigte Kritik, die es vom Vatikan gibt: Ihr könnt als Deutsche nicht die Weltkirche verändern. Wie kriegt man das hin, in so einem Spannungsfeld zu arbeiten?

Vesper: Gerade das zweite Motiv wird von Menschen, die nicht für uns sind, benutzt. Immer wieder sagen Sie: Ihr müsst in der Weltkirche bleiben. Sie unterstellen damit etwas Gegenstandsloses. Wir sind gerne und selbstbewusst und sehr zufrieden in dieser Weltkirche. Niemand in Deutschland will sich aus dieser Weltkirche ausklinken. Man muss aber für deutsche Fragestellungen auch Lösungen in Deutschland finden können. In anderen Ländern geht es ähnlich, und das ist richtig so. Und das werden wir jetzt auch machen.

DOMRADIO.DE: Der Vatikan sagt, dass alle Entscheidungen keine Gültigkeit für die Weltkirche haben können. Kann man da überhaupt verbindliche Entscheidungen treffen? Die Gefahr ist doch relativ groß, dass das im Nichts verpufft.

Vesper: Nein, wir wollen schauen, was wir bei uns hier ändern können. Was passiert im Themenfeld Sexualmoral? Kaum Jugendliche und Erwachsene halten sich an das, was verkündet wird. Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse, die nicht rezipiert werden. Das andere Thema ist das heutige Priesterbild. So viele Priester leiden unter der jetzigen Situation. Unser Pfarrer geht, er hat vier Gemeinden, der nächste Pfarrer kommt und hat acht Gemeinden. Wie lang will man das eigentlich so weitermachen? Da muss man doch drüber reden, das hat Auswirkungen hier bei uns. Das sind Fragestellungen, die hier bei uns gelten. Wie können wir die Gemeinde neu befruchten? Wie können Laien Verantwortung übernehmen in der Gemeinde, als Gemeinde? Und natürlich das große Thema Frauen in der Kirche. Es ist doch klar, dass die Fähigkeiten der Frauen in der Kirche nicht ordentlich zur Geltung kommen können. Und da muss man schauen: Was können wir in Deutschland daran positiv verändern?

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

Im ausführlichen DOMRADIO.DE-Interview blickt Stefan Vesper auf 20 Jahre Arbeit im ZdK zurück. Hier komplett zum Nachhören.

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