Was bringt der "Synodale Weg"?
Beratungen über Reformen - synodaler Weg

29.11.2019

Bischof Overbeck über den Synodalen Weg Kirche muss sich den großen Fragen der Zeit stellen

Große Erwartungen werden an den Synodalen Weg und die Reformdiskussionen gerichtet. Bischof Overbeck sieht viele Fragen, die die Kirche beantworten muss - wie die nach der Glaubwürdigkeit des Priesteramtes.

DOMRADIO.DE: Am 1. Advent geht es los auf dem Synodalen Weg. Was sind Ihre Erwartungen?

Franz-Josef Overbeck (Bischof von Essen): Die Erwartungen hängen zusammen mit dem, was momentan die Kirche als gesamte beschäftigt, nämlich große Fragen, die sich durch die Zeit der Moderne, aber auch der postmodernen Zeit stellen, zu beantworten und zu sehen, wie Kirche sich auf diesem Feld erneuert. Wir haben es gesehen an der Amazonas-Synode. Viele wichtige Fragen, die dort gestellt worden sind, sind auch auf eine Weise, wie sie in Deutschland zu stellen sind, Fragen für uns.

Wir dürfen den Missbrauchsskandal nicht vergessen. Da hat sich gezeigt: Wir müssen in vielen Punkten als Kirche in Deutschland einen wichtigen Schritt nach vorne gehen. Wir können sehen, dass wir vor allen Dingen erst einmal eine Atmosphäre brauchen, die geistig durchdrungen ist und die darauf vertraut, dass wir viele Themen konstruktiv und, obwohl sie konfliktiv sind, mit einem guten Blick nach vorne besprechen können. Eine solche Kultur zu entwickeln, das ist eine wichtige Herausforderung, vor der wir in den nächsten Zeiten stehen.

DOMRADIO.DE: Die Studie zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs hat festgestellt: Es gibt systemische Ursachen. Was kann der Synodale Weg beitragen, damit man diese Probleme angeht?

Overbeck: Ich glaube, es bedeutet zuerst, geistig dafür zu sorgen, dass wir die Frage nach dem Priesterbild wirklich ernst nehmen, wie es sich verändert in unseren Zeiten und was das bedeutet. Eine der allerwichtigsten Herausforderung wird darin bestehen, dass wir die Frage nach der Glaubwürdigkeit des priesterlichen Diensts stellen und das in all ihrer Weite. Da habe ich den Eindruck, fragen die Menschen am allermeisten nach der Kirche und außerhalb.

Es gilt gleichzeitig die Frage zu stellen nach der Macht und Gewaltenteilung. Gerade beim Missbrauchsskandal. Deutlich wird: Sexualität, Nähe zum Menschen, wird oft missbraucht, um Machtfragen zu klären und Gewalt auszuüben. Was heißt das für die Kirche? Wie stellt sie sich vor allen Dingen mit Blick auf Kontrolle auf?

Wir leben in Welten, von denen wir viel lernen können. Und eine demokratische Welt lehrt uns vor allen Dingen, Macht zu kontrollieren. Das ist ein neues, großes Thema für uns. Ich glaube, dass aber auch die anderen Fragen wie nach gelingenden Partnerschaften, nach Liebe, Sexualität, einen großen Raum deswegen einnehmen werden, weil das zu den wesentlichen Schlüsselfragen des Menschen gehören, auf die wir immer wieder neue Antworten brauchen. Dabei können wir auf 2000 Jahre Erfahrung zurückgreifen. Aber auch wissen, wir müssen das, was die Welt uns heute fragt, wirklich ernst nehmen.

DOMRADIO.DE: Viele Laien haben, bevor sie zugestimmt haben, gesagt: Wichtig ist, dass der Synodale Weg verbindlich wird. Wie sehen Sie das?

Overbeck: Ich glaube, man kann am Thema Frauen in der Kirche deutlich sehen, ob das Ganze wirklich verbindlich ist, weil es eine große Herausforderung ist, dass wir uns diesen Fragen nach unseren Traditionen neu stellen. Die Fragen von Maria 2.0, die uns gestellt worden sind, sind vor allen Dingen auch Fragen der Verbindlichkeit. Ich hoffe, dass wir so weit kommen, dass wir auch da einen wichtigen Schritt nach vorne gehen können und auch gemeinsam so beantworten, dass er dann verbindlich für alle Diözesen umgesetzt wird. Ich kann nur sagen, für unser Bistum Essen sind wir ja schon viele wichtige Schritte gegangen. Im Bistum haben immer alle festgestellt: Wir meinen es verbindlich und tun es auch. Und das wünsche ich uns.

DOMRADIO.DE: Es gibt aber innerhalb der Bischofskonferenz Spannungen. Gerade die wichtigen Themen, die Sie angesprochen haben, werden sehr unterschiedlich bewertet. Was bedeutet das für die Zukunft, wenn es da keinen einheitlichen Beschluss geben sollte?

Overbeck: Es bedeutet, dass wir genau das leben, was momentan zu den Signaturen unserer Zeit gehört, nämlich sehr differenziert damit leben zu müssen, dass es auf die selben Fragen sehr unterschiedliche Antworten gibt. Das ist eine der großen Reifeproben des Glaubens der katholischen Kirche, dass wir das neu lernen werden. Wir werden das im Rahmen der Weltkirche, in der Beantwortung der vielen Fragen vor Ort genauso sehen wie wir das als Kirche in Deutschland und - übrigens auch ehrlich gesprochen - in jedem Bistum sehen.

Auch dort ist das Antwortspektrum auf dieselben Fragen immens breit. Ich müh mich immer, und ich glaube, das ist auch eine der Aufgaben der Bischöfe, aber natürlich des Papstes für die Weltkirche, auch der Pfarrer und Priester und pastoralen Verantwortlichen vor Ort, die Menschen zusammenzuhalten. Das ist eine hohe Kunst. Das braucht viel Vernunft und Verstand und vor allen Dingen Glauben und Vertrauen und darauf setze ich.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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