Nationale Bischofskonferenzen in der Verantwortung?
Deutsche Bischöfe
Ludwig Ring-Eifel
Ludwig Ring-Eifel
Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer
Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer
Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx

16.09.2019

Die katholische Kirche in Deutschland und der Reformweg Wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wär...

Schon vor dem eigentlichen Beginn des Reformprojektes der katholischen Kirche in Deutschland erklingen Dissonanzen. Der Vatikan rumort im Hintergrund. Wie steht es um einen harmonischen Weg der deutschen Bischöfe in Richtung Zukunft?

DOMRADIO.DE: Die große Frage ist, wie der Reformweg aussehen soll. Dazu gibt es unterschiedliche Ideen. Ein Entwurf der Deutschen Bischofskonferenz hat jetzt im Vatikan für Kritik gesorgt. Entscheidungskompetenzen würden dabei überschritten, hieß es da. Der Vatikan kritisiert also die deutschen Bischöfe. Zu Recht?

Ludwig Ring-Eifel (Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur / KNA): Ich denke schon, dass einiges an dem Entwurf, den die Mehrheit der Bischöfe verabschiedet hat, kritikwürdig ist. Denn rein formal genügt manches eben nicht dem, was das Kirchenrecht für eine Synode verlangt. Man redet sich da so ein bisschen heraus und sagt, es sei nur ein "Synodaler Weg" und keine wirkliche Synode.

Aber die zuständigen Stellen im Vatikan weisen darauf hin, dass es im Grunde doch eine Synode ist - auch wenn es nicht so genannt wird. Und wenn es denn eine Synode ist, dann muss man sich an bestimmte rechtliche Vorschriften halten, die im Kirchenrecht genau festgelegt sind. Das ist etwas, was letztlich noch geklärt werden müsste. Ist es eine Synode? Ja oder Nein? Aber wenn es denn eine Synode ist, dann ist die vatikanische Kritik durchaus berechtigt.

DOMRADIO.DE: Die deutschen Bischöfe sind sich untereinander auch nicht einig. Es gibt noch einen zweiten Reformentwurf, der aber von der Bischofskonferenz mehrheitlich abgelehnt worden ist. Was ist das für ein zweiter Entwurf?

Ring-Eifel: Es gibt einen Entwurf, den vor allem der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer unterstützen. Das ist vom Kirchenrecht her eher der Entwurf einer echten Synode und hält sich auch an die rechtlichen Vorgaben. Insofern dürfte dieser Entwurf in Rom auch auf ein gewisses Wohlgefallen treffen.

Er spart allerdings die ganz heißen Eisen ziemlich konsequent aus. Es geht bei dem Entwurf weder um die Frauenfrage, noch um den Zölibat oder die Frage der Machtverteilung. Der erste Entwurf hat demgegenüber für sich, dass er die heißen Eisen wirklich adressiert und nicht um den heißen Brei herumgeredet werden soll. Vielleicht könnte es letztlich zu einer Art Mischung aus den beiden Entwürfen kommen.

DOMRADIO.DE: Was steht denn in dem Entwurf von Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer drin? Was möchten die?

Ring-Eifel: Es geht ihnen darum, die aktuelle Krise des Glaubens und die Krise der Kirche in der Verkündigung, die ja von beiden Seiten auch tatsächlich als Krise begriffen wird, zentral anzugreifen und nicht mit den Fragen zur Frauenweihe, zum Zölibat und zur Sexualität zu überlagern. Das sind aus ihrer Sicht eher sekundäre Probleme.

Sie wollen sich mit der Krise des Glaubens und der Frage beschäftigen, wie man das Evangelium in der heutigen Gesellschaft neu verkünden könnte.

DOMRADIO.DE: Stehen dann Kardinal Marx und die Mehrheit der katholischen Bischöfe in Deutschland auf der einen und Kardinal Woelki, Bischof Voderholzer und auch der große Teil des Vatikan, der die Einheit der Kirche gefährdet sieht, auf der anderen Seite? Kann man das so zusammenfassen?

Ring-Eifel: Es ist ja nicht so, dass Kardinal Marx und die Mehrheit der Bischöfe, die hinter ihm stehen, die Einheit der Kirche nicht wollten oder dass ihnen die Einheit der Kirche egal wäre. Es ist eher so, dass die einen anderen Weg gehen wollen. Die wollen tatsächlich mal frei diskutieren und wollen dabei vielleicht auch zu Positionen kommen, die bisher im Kirchenrecht und in der Dogmatik nicht vorgesehen sind.

Sie wollen dann mit diesen Ergebnissen einen Veränderungsprozess in der gesamten Kirche auslösen. Ihnen geht es nicht darum, die Kirche zu spalten, sondern es geht ihnen darum, die gesamte Kirche weiter voranzubringen und nicht einen deutschen Sonderweg mit diesen Reformen zu gehen.

DOMRADIO.DE: Besteht da ein grundsätzlich unterschiedliches Kirchenverständnis, oder nicht?

Ring-Eifel: Es ist kein unterschiedliches Kirchenverständnis. Was die beiden Entwürfe unterscheidet, ist, wie wichtig man das geltende Kirchenrecht und die geltende Dogmatik nimmt. Nimmt man das als etwas hin, was nie mehr verändert werden kann oder gibt es eine Möglichkeit durch so eine Reformversammlung, Änderungen am Kirchenrecht und an der Dogmatik irgendwann mal zu bewirken. Diesen Ansatz verfolgt die Mehrheit der Bischöfe.

DOMRADIO.DE: Für wie unversöhnlich würden Sie diese derzeitige Situation einschätzen. Droht da jetzt eine Kirchenteilung?

Ring-Eifel: Ich glaube nicht, dass es dadurch zu einer Kirchenspaltung kommt. Meine Prognose sieht eher so aus, dass wir etwas Ähnliches erleben werden wie in den 1970er Jahren in den Niederlanden. Dort gab es im Jahr 1970 auch eine Reformsynode. Da wurden damals die Abschaffung des Zölibats und die Freigabe von Verhütungsmitteln sowie weitere ganz heiße Eisen gefordert. All das haben sie mit 90 Prozent Mehrheit im modernen Sinne entschieden. Rom hat das aber nicht akzeptiert.

Schließlich ist die katholische Kirche in den Niederlanden nach und nach in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, weil es eben nicht gelungen ist, die römische Linie und diese Reformlinie miteinander zu versöhnen. Etwas Ähnliches könnte auch bei uns passieren.

DOMRADIO.DE: Ein Fall aus der Geschichte, der möglicherweise auch auf der in einer Woche beginnenden Herbstvollversammlung der Bischöfe Beachtung finden könnte. Es könnte dort vielleicht recht robust zur Sache gehen, oder?

Ring-Eifel: Das kann schon sein. Das war übrigens damals in Holland auch so. Der führende Kardinal Alfrink hat das auch sehr vehement in Rom vertreten. Insofern ist es vielleicht ein bisschen vergleichbar mit dem, wie Kardinal Marx jetzt auftritt. In Fulda wird es auch robust zugehen. Davon kann man ausgehen. Aber noch sind wir eben in der Phase einer offenen und hart geführten, aber doch fairen Debatte.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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