Frauenquote künftig bei katholischer Kirche in Deutschland
Die katholische Kirche befasst sich mit Gewaltenteilung

07.09.2019

Katholische Kirche nimmt die Machtfrage in den Blick Synodaler Weg debattiert über Gewaltenteilung

Die Begriffe Macht und Missbrauch spielen in der kirchlichen Debatte derzeit ein Schlüsselrolle. Beim "synodalen Weg" befasst sich eine prominent besetzte Arbeitsgruppe mit dem Thema.

"Absolutistische Monarchie!", "Klerikalismus ist Machtmissbrauch!" - Kritiker springen beim Thema Macht nicht gerade zimperlich mit der katholischen Kirche um. Doch in Wahrheit sind in jüngster Zeit schon einige verkrustet wirkende Strukturen aufgebrochen: Bischöfe verpflichten sich zu Standards der Transparenz in der Finanzverwaltung, oder sie setzen nicht geweihte Frauen und Männer (im Kirchenjargon: "Laien") für Führungsaufgaben ein.

"Wir wissen um die Fälle klerikalen Machtmissbrauchs"

Bei der geplanten Reformdebatte in der katholischen Kirche wird speziell auch das Stichwort "Macht" in den Blick genommen. Eines der vier Foren des "synodalen Wegs" ist mit "Macht, Partizipation und Gewaltenteilung" überschrieben. Die 19 Teilnehmer sowie Mitarbeiter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und der Deutschen Bischofskonferenz haben sich bereits getroffen.

Geleitet wird die Gruppe vom Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann und der ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel. Deren Erfahrungen könnten hilfreich sein: Die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete gilt als hoch kommunikativ und Wiesemann steht für einen moderierenden Leitungsstil.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, erklärte nach der Frühjahrsvollversammlung in Lingen: "Wir wissen um die Fälle klerikalen Machtmissbrauchs. Er verrät das Vertrauen von Menschen auf der Suche nach Halt und religiöser Orientierung." Der "synodale Weg" will klären, "was getan werden muss, um den nötigen Machtabbau zu erreichen und eine gerechtere und rechtlich verbindliche Ordnung aufzubauen".

Bistümer agieren unterschiedlich

Eine Möglichkeit wäre die Einrichtung von kirchlichen Verwaltungsgerichten nach staatlichem Vorbild. So wie Bürger gegen ungerechte Entscheidungen des Staates klagen können, könnte es auch innerkirchlich künftig eine solche Möglichkeit geben. Die Idee trifft bei ZdK-Präsident Thomas Sternberg auf fruchtbaren Boden. Denn Gewaltenteilung in der Kirche sei keineswegs nebensächlich, sagte er. "Was man als Klerikalismus beschreibt, findet seinen Nährboden ja auch in unklaren Verwaltungskonzepten."

Konkretes soll her, nachdem der von Marx' Vorgänger Robert Zollitsch initiierte Gesprächsprozess von 2011 bis 2015 Probleme lediglich ansprach: "Ungelöste Fragen - nach dem Verhältnis von Priestern und Laien, Frauen und Männern, Haupt- und Ehrenamtlichen - belasten das Zusammenleben und erschweren den Dienst."

Anstöße des Zweiten Vatikanischen Konzils für ein neues Kirchenverständnis warten auch mehr als 50 Jahre danach noch auf eine Umsetzung. So wurde angeregt, kirchlichen Räten auf allen Ebenen mehr Befugnisse zukommen zu lassen. Schon im Abschlussbericht 2015 hieß es, einseitig priester-orientierte Gemeindemodelle müssten der Vergangenheit angehören. Hier agieren die Bistümer bis heute noch immer recht unterschiedlich. Was der eine befördert, versucht ein anderer zu verhindern.

Frauen übernehmen bereits Gemeindeleitung

In den Bistümern Rottenburg-Stuttgart und Osnabrück etwa wird auch die Gemeindeleitung durch Frauen getestet. Im Norden sind es die Gemeinden auf Langeoog und Juist, was darauf hindeutet, dass eine Pfarreileitung durch Frauen offenbar immer noch ein Insel-Modell ist. Hier setzt auch die Kritik der katholischen Frauenprotestbewegung Maria 2.0 an, die auf eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen abzielt.

"Ich habe jetzt im Kirchenvorstand den Vorsitz inne", erklärte Susanne Wübker, die Pfarrbeauftragte für Langeoog, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Priester sei in dem Gremium nur noch Gast ohne Stimmrecht. Zusammen mit dem Vorstand regelt sie nun die Finanz-, Gebäude- und Personalfragen und organisiert die Seelsorge.

Laut Kirchenrecht hat ein Pfarrer die Letztverantwortung bei der Leitung von Gemeinden. Aber es gibt Ausnahmen, "wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personen" beteiligen zu müssen.

Theologe: Klerikalismus schließt Kritik und Kontrolle aus

Andere Diözesen setzen auf Mischformen mit Ehren- und Hauptamtlichen. In diesen Fällen ist aber wie auch in Rottenburg immer ein Priester unmittelbar an der Leitung beteiligt.

Lücking-Michel erklärte kürzlich mit Blick darauf, dass es zwar mehr Frauen in Leitungsämtern gibt, aber dass Weiheämter versperrt bleiben: "Bei der fehlenden Gleichberechtigung von Männern und Frauen verdichten sich die Probleme in der Kirche geradezu. Kirche verstärkt in ihrem eigenen Raum gesellschaftliche Missstände im Blick auf Frauen noch einmal deutlich, da klerikale Männerbünde weiterhin funktionieren".

Gregor Maria Hoff, Fundamentaltheologe der Uni Salzburg und Forums-Mitglied, erklärte in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt", dass Klerikalismus Kritik und Kontrolle von außen ausschließe. Er bedeute "Machtmissbrauch und Selbstsakralisierung". Sein Rat: "Mit kirchlicher Gewaltenteilung ließe sich sakralisierte Macht verflüssigen. Durch Teilen der Macht nimmt sie nicht ab, sondern gewinnt Autorität."

Von Rainer Nolte

(KNA)

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