Viele Ostdeutsche können mit Kirche nichts anfangen
Ursachen für Kirchenaustritte können sehr unterschiedlich sein

28.07.2019

Mitgliederentwicklung in der katholischen Kirche Von bitteren Zahlen und nötigen Reformen

Einmal mehr haben Zehntausende der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Wie diese Zahlen zu bewerten sind und was daraus folgen sollte, dazu gab es in den vergangenen Tagen zahlreiche Stellungnahmen. Mit durchaus unterschiedlicher Schwerpunktsetzung.

Besorgniserregend, schmerzhaft, traurig, bitter: Mit diesen Worten haben Kirchenvertreter in Deutschland die Statistik zur Mitgliederentwicklung der katholischen Kirche im Jahr 2018 kommentiert. Und bitter sind die Zahlen in der Tat. 216.078 Menschen haben der katholischen Kirche im vergangenen Jahr den Rücken gekehrt.

Das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahr - und nur knapp weniger als im Rekordjahr 2014. Soweit die nackten Zahlen. Wo aber liegen die Ursachen? Und was folgt daraus? Wer die Reaktionen auf die Kirchenstatistik unter diesen Fragestellungen betrachtet, stößt auf so manchen gemeinsamen Nenner - aber auch auf interessante Unterschiede.

Missbrauchsskandal von allen als Ursache benannt

Den Missbrauchsskandal benennen fast alle, wenn es um die Ursachenforschung geht - Bischöfe und Generalvikare ebenso wie Vertreter von Laienorganisationen. Von Aufarbeitung und Prävention ist da die Rede, von Umdenken und der Rückgewinnung von Vertrauen. Und immer wieder auch von nötigen Reformen.

Wie aber können die gelingen? Und wer bringt sie wie auf den Weg? Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken setzt seine Hoffnungen in den von den Bischöfen beschlossenen "synodalen Weg", der von 2020 an eine Erneuerung der Kirche anstoßen soll. "Die heute veröffentlichte Kirchenstatistik muss uns Ansporn sein, den mit dem synodalen Weg eingeschlagenen Reformprozess mutig und entschlossen voranzugehen", erklärt ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper.

Synodaler Weg als Möglichkeit

Sehr viel zurückhaltender formuliert es der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer: Initiativen wie "Maria 2.0" zeigten, dass die Menschen sich Veränderungen in der Kirche wünschen. "Der synodale Weg, den wir gemeinsam gehen wollen, soll auch diese Kritik aufgreifen." Skeptisch äußert sich diesbezüglich die Gruppierung "Wir sind Kirche": Der versprochene "verbindliche synodale Weg" müsse "erst noch beweisen, dass grundlegende Reformen der Theologie und Pastoral möglich sind".

Erstaunlich selten taucht der "synodale Weg" in bischöflichen Stellungnahmen zur Kirchenstatistik auf. Heinrich Timmerevers, Bischof von Dresden-Meißen, etwa erwähnt ihn, ebenso der Stuttgarter Weihbischof Matthäus Karrer. Auch einige Generalvikare sehen den Prozess als eine Möglichkeit für die Kirche, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Frage nach der Glaubensvermittlung wichtig

Zurückhaltend äußert sich hingegen der Berliner Erzbischof Heiner Koch. Ja, auch er sei für Reformen in der Kirche. Die Massen zurückholen könnten sie aber nicht. "Ich bin fest davon überzeugt, wenn wir alles neu machen würden, um dem Mainstream zu folgen und eventuell tun, was die Menschen von uns erwarten, werden wir den Trend auch nicht aufhalten", betonte Koch gegenüber dem Kölner katholischen Internetportal DOMRADIO.DE.

Häufiger als die Reformdebatte erscheint in den Reaktionen kirchlicher Würdenträger die Frage nach der Glaubensvermittlung. "Wir müssen wieder anziehender auf die Menschen wirken und sie von unserem Glauben und unserer Kirche begeistern", betont etwa der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. "Wir müssen realistisch auf unsere Zeit blicken und entschieden und aktiv missionarische Wege gehen", sagt Georg Franz, stellvertretender Generalvikar des Bistums Limburg. Und Freiburgs Erzbischof Stephan Burger erklärt: "Wir müssen zeigen, dass Kirche für die Lebensfragen der Menschen relevant ist und bleibt."

Reform von Seelsorgestrukturen

Doch wie kann das gelingen? Mehrere Geistliche - Erzbischof Schick etwa, aber auch der Kölner Generalvikar Markus Hofmann - verweisen hier auf die Reform von Seelsorgestrukturen. Das mag erstaunen, werden doch gerade diese Strukturreformen von vielen Gemeindemitgliedern vehement abgelehnt. So betont etwa "Wir sind Kirche": "Wenn sich die Bischofskonferenz jetzt bemühen will, den Menschen eine Beheimatung in der Kirche zu geben, so sind endlich die theologisch wie pastoral höchst fragwürdigen Strukturreformen in Form von Pfarreizusammenlegungen und -schließungen auf den Prüfstand zu stellen, die auf die Zahl der immer weniger werdenden Priester ausgerichtet sind."

Einige Geistliche schließlich nehmen die Gläubigen in die Pflicht: "Die Bedeutung und der Mehrwert eines Lebens aus dem Geist des Evangeliums müssten stärker deutlich werden. Das ist eine Aufgabe für alle Getauften", sagt der Würzburger Generalvikar Thomas Keßler. Und der Passauer Bischof Stefan Oster schreibt: "Bleiben Sie! Bringen Sie sich ein, ringen Sie mit Ihrer Kirche. Und vor allem: Suchen Sie die Begegnung mit dem, der die Mitte von Kirche ist und bleibt: Jesus Christus!"

Andreas Laska
(KNA)

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