Ein Transparent zeigt Maria, die Mutter Gottes, mit einem Pflaster über dem Mund
Ein Transparent zeigt Maria, die Mutter Gottes, mit einem Pflaster über dem Mund
Lisa Kötter, Mitinitiatorin vom Kirchenstreik "Maria 2.0"
Lisa Kötter, Mitinitiatorin vom Kirchenstreik "Maria 2.0"
Mahnwache der Initiative "Maria 2.0" vor dem Dom in Münster
Mahnwache der Initiative "Maria 2.0" vor dem Dom in Münster
Bischöfe und Demonstrantinnen
Bischöfe und Demonstrantinnen

19.05.2019

Mit-Initiatorin von Maria 2.0 macht Mut zu weiteren Gesprächen "Ladet die Bischöfe in die Küche ein"

Zum Abschluss der einwöchigen Protestaktion Maria 2.0 haben die Initiatorinnen eine positive Bilanz gezogen. ​Sie rufen zu weiteren Aktionen auf, zum Beispiel zu Gesprächen mit dem Bischof – in der Küche.

Zum Abschluss der einwöchigen Protestaktion Maria 2.0 haben die Initiatorinnen eine positive Bilanzgezogen. Zugleich kündigten sie an, mit weiteren Aktionen auf kirchliche Reformen zu pochen. Die Initiative sei "keine Eintagsfliege". Mehrere Bischöfe äußerten Verständnis für den Unmut, kritisierten jedoch den Aufruf zum Boykott von Gottesdiensten.

Maria 2.0 verlangt unter anderem den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, eine konsequente Aufklärung der Missbrauchsfälle und eine erneuerte Sexualmoral. Die Initiatorinnen hatten dazu aufgerufen, eine Woche lang keine Kirche zu betreten und ehrenamtliche Dienste ruhen zu lassen.

Erstes Fazit: Über 1.000 Gruppen in Deutschland

Als "ehrenamtliche Initiative ohne Geld und Personal" hätten sie keinen Gesamtüberblick über die Beteiligung, sagte Mit-Initiatorin Lisa Kötter der Katholischen Nachrichten-Agentur. Doch wüssten sie von mehr als 1.000 beteiligten Gruppen in Deutschland "mit mehreren Zehntausend Leuten mindestens".

Im BR und im WDR rief Kötter am Sonntag zu weiteren Aktionen auf zur Fortsetzung der Reformdebatten: "Ladet Eure Bischöfe in Eure Küchen ein. Nicht in ihrer hierarchischen Funktion, sondern als Mitchristen. Und dann reden wir miteinander". Zudem sollte es weitere Mahnwachen und Protestaktionen geben.

Reaktionen der Bischöfe

"Die Eucharistie kann kein Instrument eines solchen Protests sein", sagte der in der Bischofskonferenz für Frauenfragen zuständige Bischof Franz-Josef Bode im KNA-Interview. Zugleich äußerte er Verständnis für die Anliegen: "Es wird zu Spaltungen kommen, wenn fundierte Reformforderungen nicht ernst genommen werden und wir in den Veränderungen der Welt nicht auch zu neuen Antworten kommen."

Ähnlich äußerte sich der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Der von den Bischöfen angestoßene "Synodale Weg" werde sich auch mit dem Thema der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern beschäftigen müssen. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki kritisierte die Aktion indirekt, als er bei einer Predigt im Marienwallfahrtsort Bödingen sagte: "Hier begegnen wir einer Maria, die nicht verwendet wird zur Durchsetzung kirchenpolitischer Überlegungen."

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte im rbb: "Ich nehme diese Frauen sehr ernst mit dem, was sie einbringen wollen." Der Würzburger Bischof Franz Jung und Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr forderten eine neue Debatte über die Weihe von Frauen, die bisher ausgeschlossen ist.

"Keine Eintagsfliege"

Maria Flachsbarth, Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB), sprach von einer überwältigenden Resonanz. Maria 2.0 habe gezeigt, dass die Forderungen nicht nur von "ein paar verrückten Aktivistinnen an der Spitze der Frauenverbände" getragen würden, sondern "von der breiten Mehrheit der Frauen an der Basis".

Die Protestwelle sei "keine Eintagsfliege", erklärte die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft kfd, Mechthild Heil. "Wenn wir nicht bald sichtbare und spürbare Veränderungen haben, läuft die Amtskirche Gefahr, dass die Frauen ihr scharenweise den Rücken kehren."

Die evangelische Theologin Margot Käßmann lobte die Aktion: "Es wird Zeit, dass Frauen endlich öffentlich die Kirchen repräsentieren, aber auch die anderen Religionsgemeinschaften, das Judentum, den Islam. Wenn uns angeblich die Hälfte des Himmels gehört, können wir das ja hier auf Erden schon mal einüben."

(KNA)

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