Messe mit Papst Paul VI.
Messe mit Papst Paul VI.

07.03.2015

Vor 50 Jahren feierte Paul VI. die erste Messe in Volkssprache "Kein Latein, aber auch kein Getuschel mehr"

Gemäß der liturgischen Reformen, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 festgelegt wurden, feierte Papst Paul VI. vor 50 Jahren die erste Messe auf Italienisch. Dadurch sollten die Gläubigen "die heilige Handlung bewusst, fromm und tätig mitfeiern."

So ganz begriffen haben die meisten Katholiken in der Allerheiligen-Kirche in Rom wohl anfangs nicht, welche Zeitenwende sie da am 7. März 1965, vor 50 Jahren, miterlebten. Obwohl nun alles eigentlich verständlicher sein sollte: Zum ersten Mal zelebrierte ein Papst die Messe in Volkssprache. Paul VI. (1963-1978) sprach in weiten Teilen des Gottesdienstes Italienisch, nicht mehr Latein.

Er sagte "signore" (Herr) statt "dominus", und wie man einen lateinischen AcI übersetzt, brauchte man auch nicht mehr zu wissen. Paul VI. bekräftigte damit die wohl einschneidendste, zumindest augenscheinlichste Neuerung, die das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) angestoßen hatte: die Liturgiereform. 50 Jahre später feiert Papst Franziskus nun an diesem Samstag eine Messe in ebenjener Pfarrei Ognissanti.

Liturgiereformen

Die "Konstitution über die heilige Liturgie" - nach den Anfangsworten auch unter dem Titel "Sacrosanctum Concilium" bekannt - war der erste Beschluss, den das Konzil am 4. Dezember 1963 verabschiedete. Ihr Hauptanliegen war, dass die Gläubigen "die heilige Handlung bewusst, fromm und tätig mitfeiern".

Die Ursprünge der Reform reichen bis zur sogenannten Liturgischen Bewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Frankreich zurück. Der Auftrag der Konzilsväter lautete: "Der Mess-Ordo soll so überarbeitet werden, dass der eigentliche Sinn der einzelnen Teile und ihr wechselseitiger Zusammenhang deutlicher hervortreten und die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen erleichtert werde. Deshalb sollen die Riten unter treulicher Wahrung ihrer Substanz einfacher werden".

Papst Franziskus besucht die römische Pfarrei Ognissanti

Der Besuch von Franziskus in Ognissanti sei eine "Bestätigung der nachkonziliaren Liturgiereform, und das ist etwas sehr Positives", sagte Kardinal Walter Kasper "Radio Vatikan". Die Liturgiereform und die Feier der Messe in der Muttersprache seien dem Papst "sehr wichtig", so der deutsche Kardinal. Ognissanti ist Kaspers Titelkirche.

Der Kardinal verwies darauf, dass Franziskus jüngst vor den Pfarrern Roms gesagt habe, "diese Form ist die normale Form, die andere ist die außerordentliche Form und basta". Zuvor äußerte sich der Papst ähnlich. Franziskus hat deutlich gemacht, dass er die beschränkte Wiederzulassung der alten Messe durch seinen Vorgänger Benedikt XVI. nicht antasten werde. Sein Verhältnis dazu gilt aber als sehr viel distanzierter. Franziskus schreibt kein Grußwort zur jährlichen Wallfahrt der Anhänger des Alten Ritus nach Rom wie Benedikt XVI. Spekulationen über eine "Reform der Reform", das heißt Korrekturen an der nachkonziliaren Liturgie, wie es sie unter Benedikt XVI. gab, sind unter seinem Nachfolger gänzlich verstummt.

Zuhören und beten

Die Messe, die Paul VI. vor 50 Jahren in Rom feierte, war allerdings noch nicht jene des Messbuchs von 1970, also die heute gültige. Der Papst sprach zwar größtenteils Italienisch; das Hochgebet jedoch trug er auf Latein vor. Grundlage für die Messe vom 7. März 1965 bildete die Instruktion "Inter oecumenici" vom 26. Dezember 1964. Diese Form des Ritus soll nach Angaben des italienischen Journalisten Andrea Tornielli auch einer der schärfsten Gegner der Liturgiereform, Bischof Marcel Lefebvre (1905-1991), akzeptiert haben. Der Gründer der traditionalistischen Piusbruderschaft brach später wegen der Liturgiereform mit Rom.

Verantwortlich für die Erarbeitung des Messbuchs von 1970 war eine vom Papst eingesetzte Kommission unter Leitung des italienischen Liturgie-Fachmanns Annibale Bugnini. Sie ging nach Ansicht von Kritikern in einigen Punkten über das Konzil hinaus.

Wer an jenem 7. März gedacht haben sollte, jetzt würde einfach alles verständlicher und ansonsten gehe es weiter wie bisher, den belehrte Paul VI. schnell eines Besseren: "Früher reichte es zu assistieren, heute muss man teilnehmen; früher genügte die reine Anwesenheit, heute sind Aufmerksamkeit und Aktion nötig," so der Papst. Und nicht zuletzt: Früher habe man während der Messe auch schon mal "schlummern und vielleicht auch tuscheln können." Damit sei nun Schluss: "Heute muss man zuhören und beten."

(KNA)

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