Kreuz in der Hand eines Gläubigen
Kreuz in der Hand
Pfr. Regamy Thillainathan
Pfr. Regamy Thillainathan

09.01.2018

Was steckt hinter der "rogamus"-Stiftung von Kardinal Woelki? Für die Zukunft der Kirche von Köln

"Rogamus" ist lateinisch und heißt: wir ersuchen. Und es ist der Name einer Stiftung, die der Kölner Erzbischof ins Leben gerufen hat. Damit soll die Berufungspastoral gefördert werden. Ein für Kardinal Woelki sehr wichtiges Herzensanliegen.

DOMRADIO.DE: Mit der Stiftung sollen alle unterstützt werden, die sich dafür interessieren, sich für die Kirche zu engagieren – sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich. Dafür hat der Kardinal auch Privateigentum gestiftet. Warum ist das Thema Berufung Kardinal Woelki denn so wichtig, dass er sogar Privatvermögen einsetzt?

Pfarrer Regamy Thillainathan (Leiter der Diözesanstelle für Berufungspastoral im Erzbistum Köln): Es ist auffällig, dass sich Kardinal Woelki schon von Anfang an hier im Erzbistum Köln für die Berufungspastoral sehr stark gemacht hat. Ihm ist es wichtig, dass auch heute viele Frauen und Männer entdecken, dass Gott sie zu einem besonderen Dienst in der Kirche ruft und dass die Kirche heute vielleicht dringender den je auf solche jungen, begeisterten Menschen angewiesen ist.

DOMRADIO.DE: Ein Laie denkt vielleicht bei Berufungspastoral als erstes an den Priestermangel. Aber es geht hierbei nicht nur um Priester, oder?

Pfarrer Regamy: Genau. Dem Erzbischof ist es wichtig, dass wir die verschiedenen Berufungen der Kirche entdecken, fördern und stärken. Natürlich wird das Priestertum dabei eine besondere Sorge erfahren. Das liegt auch an den Zahlen. Aber Kardinal Woelki ist es wichtig, dass wir an unserer Dienststelle alle jungen Frauen und Männer begleiten, die sich zu einem besonderen Dienst in der Kirche gerufen und berufen fühlen. Zum Glück gibt es noch überraschend viele Menschen, die sich herausgerufen wissen und sich auch für uns auf den Weg machen.

DOMRADIO.DE: Da sind Ordensleute, Pastoralreferenten, Diakone und Priester dabei. Wenn man eine Größenordnung aufstellt, was ist momentan die wichtigste Größe im Erzbistum Köln?

Pfarrer Regamy: Wenn wir rein von den Studentinnen und Studenten ausgehen, dann stellen wir fest, dass die größte Gruppe momentan tatsächlich die der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten ist. Die Zahlen sind hier zum Glück steigend, genauso wie bei unseren Studentinnen und Studenten der Religionspädagogik, die sich auf einen Dienst als Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten vorbereiten. Gut gestärkt sind auch die Zahlen der Ständigen Diakone. Die absoluten Sorgenkinder sind die Ordensleute. Das muss man leider so sagen. Bei den Priestern erleben wir in den letzten drei Jahren einen richtigen Aufschwung. Das hat sicherlich auch viel damit zu tun, dass sich Kardinal Woelki sehr stark dafür einsetzt.

DOMRADIO.DE: Die Stiftung "rogamus" will noch mehr dabei helfen. Wie denn genau?

Pfarrer Regamy: Wir wollen Berührungsflächen schaffen und nach neuen Wegen und Angeboten suchen, wie wir junge Menschen mit dieser Frage konfrontieren können, wohin und wozu Gott sie ruft und ob es nicht vielleicht sein könnte, dass Gott sie zu einem besonderen Dienst in der Kirche ruft. Ein schon bald anstehendes Thema ist, dass wir mit unseren Studentinnen und Studenten, die sich für einen besonderen Dienst in der Kirche vorbereiten, eine Israel-Wallfahrt über die Kar- und Osterwoche machen werden. Der Erzbischof hat das mit seiner Stiftung so stark bezuschusst, dass wir über 30 jungen Menschen diese Fahrt ermöglichen können.

DOMRADIO.DE: Es gibt also viele Menschen, die sich für einen Beruf in der Kirche interessieren. Aber dieser letzte Schritt es auszusprechen, dass man Ordensfrau, Ordensmann oder Priester werden will, hapert noch. Was ist denn so schön an einem Beruf in der Kirche?

Regamy: Das Schönste an einer kirchlichen Sendung ist, dass wir, die wir uns haben senden lassen, das große Glück haben, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter sein zu dürfen. Gerade dort, wo Menschen vielleicht vollkommen allein gelassen sind und am Rande der Verzweiflung stehen. Gerade in diesen sehr intimen Momenten dabei sein zu dürfen und dass die Menschen uns Herzen und Türen öffnen und uns etwas zutrauen, ist eines der schönsten Geschenke, die man im Leben erfahren kann. Ich wünsche es jedem Menschen, dass er auch so eine wunderbare Erfahrung machen kann, um Teil eines besonderen Ganzen zu sein.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)