17.06.2016

Erzbischof Woelki über Flüchtlingskrise und Engagement "Christen können nicht fremdenfeindlich wählen"

Der Kölner Erzbischof Woelki versteht sich als Anwalt der Flüchtlinge. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über die Frage, ob Christen AfD wählen dürfen und blickt zurück auf die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht.

Einmal die Bibel neben Parteiprogramme zu legen, diesen Vorschlag macht Rainer Maria Kardinal Woelki in der Wochenendausgabe des Handelsblattes: "Christen können nicht fremdenfeindlich wählen und sollten nicht mit Pegida oder anderen Gruppen für das Erreichen fremdenfeindlicher Ziele demonstrieren", so der Kölner Erzbischof. Ihm bereite es große Sorge, dass eine Partei wie die AfD, die Fremdenfeindlichkeit zum Programm erklärt, derzeit so großen Zulauf gewinne. Es sei dringend notwendig, sich mit den Positionen der AfD auseinanderzusetzen und deren Defizite aufzuzeigen. Christen hätten einen klaren Maßstab und Auftrag, das gelte auch bei Wahlen, so Woelki.

Beim Umgang mit Religionen rät der Kölner Erzbischof zur Differenzierung. Wo Religion extremistisch oder terroristisch missbraucht werde, müsse man mit Nachdruck widersprechen. Aber im Alltag brauche es ehrliches Interesse füreinander, großherzige Gastfreundschaft und Respekt. Letztverbindlich für alle Menschen in Deutschland, gleich welcher Religion, sei das Grundgesetz, "ohne Wenn und Aber".

Vorfälle an Silvester "kriminell und untragbar"

Zu den Übergriffen am Kölner Dom in der Silvesternacht sagt Woelki, er hätte solche Vorfälle nicht für möglich gehalten. Was genau vorgefallen sei, habe er erst später aus dem Medien erfahren, aber auch der Jahresabschlussgottesdienst sei schon durch die laute Menge und Silvesterkracher empfindlich gestört worden. Die anschließenden Vorfälle rund um Dom und Hauptbahnhof seien dagegen "kriminell, untragbar" und dürften sich nicht wiederholen. Er mache für das Geschehen aber nicht die Flüchtlinge verantwortlich.

Zum Umgang mit den Flüchtlingen in Deutschland betont Woelki erneut, die Kirche dürfe sich "als wichtiger gesellschaftlicher Player nicht heraushalten". Jeder müsse überprüfen, was er noch tun kann. Das Erzbistum Köln habe alleine 30 Flüchtlingsheime und 20.000 ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und unzählige hauptberufliche Kräfte, die sich für die Flüchtlinge einsetzen und bei der Integration helfen. Hilfe sei der richtige Weg und nicht Abschottung. "Abschottung löst Probleme nicht", sagt Woelki und kritisiert das Flüchtlingsabkommen der EU und der Türkei. Er halte es für infam. "Es wurde ein Vertrag mit einem Regime geschlossen, das Menschenrechte, Meinungsvielfalt  und -freiheit sowie Pressefreiheit einschränkt und religiöse Minderheiten verfolgt", sagte er dem Handelsblatt.

Zu den in der Flüchtlingsfrage gespaltenen europäischen Kirchen macht Woelki den Vorschlag, Papst Franziskus könne die nationalen Kirchen zusammenrufen, um eine einheitliche Ausrichtung zu finden. "Den gordischen Knoten, so denke ich, kann wohl nur der Papst zertrennen." Europa müsse zu seinen Wurzeln zurückfinden.

(dr)

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