Kardinal Woelki im Express
Kardinal Woelki im Express
Kardinal Woelki in der Bild
Kardinal Woelki in der Bild
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

09.06.2016

Die Kölner Boulevardpresse und der Kardinal Der kölsche Franziskus?

Volksnah, bescheiden und bodenständig: Der "kölsche Franziskus". Wenn die Boulevardmedien über den Kölner Erzbischof schreiben, menschelt es bisweilen arg. Dabei steht für Woelki Christus und seine Botschaft im Mittelpunkt, meint Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

Wenn das große Kölner Boulevardblatt "Express" den "Kölschen Franziskus" bejubelt, dann ist natürlich der Kölner Erzbischof Rainer Woelki gemeint. Zwei Monate vor seinem 60. Geburtstag wird der volksnahe Kirchenmann damit ganz weit oben in den medialen Himmel gehoben. Wer den Kardinal nur ein einziges Mal auf seinem alten klapprigen Fahrrad gesehen hat und dabei war, wenn er Menschen zum Beispiel auf der Domplatte nach dem Gottesdienst direkt begegnet, der mag da schon Parallelen zu Papst Franziskus sehen. Auch seine klaren Worte, die er immer wieder einsetzt, um die Botschaft des Evangeliums kraftvoll zu verkünden, erinnern an den Bischof von Rom.

Und wie der oberste Kirchenmann am Tiber, so scheut auch der Erzbischof am Rhein sich nicht vor klaren politischen Aussagen – gleichzeitig halten sie beide unbeirrbar an der katholischen Lehre fest. Aber sie bringen eben auch durch ihre Persönlichkeiten frischen Wind in den kirchlichen Laden und haben die Kirche und das Kirchenvolk wieder mitten in die Gesellschaft gestellt. Da mag der ein oder andere starrköpfig in seinem rechten Kirchenwinkel zurückbleiben und beleidigt schmollen, weil ein Flüchtlingsboot zum Altar wird, ja sogar als starkes Zeichen der Notleidenden im Kölner Dom aufgestellt wird. Nein, Franziskus und auch Woelki wollen nicht, dass ihre Kirche im Abseits bleibt. Das Evangelium gehört allen Menschen und es gehört in den Mittelpunkt.

Jesus Christus und seine Botschaft im Mittelpunkt

Es mag noch viele weitere Gemeinsamkeiten geben, und es ist ja auch nicht ungewöhnlich, dass führende Bischöfe auf einer Linie mit dem Heiligen Vater zu finden sind. Aber ob Woelki selbst so glücklich ist mit dem Titel "Kölscher Franziskus", der ihm vom Boulevard jetzt verliehen wurde, darf doch bezweifelt werden. Er weiß als Medienprofi, der wie Franziskus ohne große PR-Beratung intuitiv immer wieder die richtigen Zeichen, Worte und Signale setzt, wie schnell sich der Medienwind bisweilen drehen kann: Heute noch hochgejubelt, morgen schon herunterschrieben.

Nein, wer Woelki nur ein wenig kennt, der weiß, ihm wäre es eigentlich lieber, wenn Jesus Christus und seine Botschaft im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen würden. Jeden Rummel um seine Person versucht er eigentlich zu vermeiden. Dass das nicht immer geht, wenn man Erzbischof ist, hat er nicht erst in Köln gelernt. Und das wusste auch Franziskus schon, als er noch "Kardinal der Armen" in Buenos Aires war.

(DR)