Kardinal Woelki in Kölner Flüchtlingsunterkunft
Kardinal Woelki in Kölner Flüchtlingsunterkunft
Ein bisschen spielen. Kardinal Woelki besucht im November eine Flüchtlingsunterkunft in Köln.
Ein bisschen spielen. Kardinal Woelki besucht im November eine Flüchtlingsunterkunft in Köln.

09.11.2015

Kardinal Woelki besucht Flüchtlingsheim der Caritas in Köln "Einen Beitrag zum Aufbau unserer Gesellschaft leisten"

Tausende Flüchtlinge kommen täglich nach Deutschland. Für die meisten bilden sie eine gesichtslose Masse. Rainer Maria Kardinal Woelki hat sich jetzt einmal mehr ein Bild von ihrer Lage in einem Heim in Köln gemacht.

Es begann mit den Gardinen. "Die Flüchtlinge hatten ja keine, also haben sie Betttücher vor die Fenster gehängt", erinnert sich Annelie Kühn an das Frühjahr. "Darauf haben wir hier im Ort gebrauchte Gardinen gesammelt und in die Unterkunft gebracht." Dies war der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit zwischen rund 80 angestammten und ebenso vielen neuen Bürgern von Köln-Zündorf.

Denn die Menschen aus Ländern wie Nigeria, Syrien, Tschetschenien und Kosovo sollen es im Flüchtlingsheim der Caritas so gut wie möglich haben, so die pensionierte Lehrerin. Von dem neuen Leben der 13 Familien hat sich der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki am Montag vor Ort selbst ein Bild gemacht.

Caritas bietet Hausaufgabenbetreuung und Deutschkurse

"Kennst Du das schon?" Der Kardinal hockt in der Spielecke und hält der kleinen Alea ein Lego-Flugzeug hin. Mit geschürzten Lippen blickt das 20 Monate alte Mädchen auf das gelb-rote Objekt in Woelkis Hand. Die vielen Kameras und Mikrofone scheinen das rosa bemützte Kind aus dem Kosovo eher wenig zu stören. Dennoch zögert es. Am Tisch nebenan sind schon Nähmaschinen, Stoff und Garne bereit: Hier beginnt gleich der Nähkurs, bei dem Annelie Kühn und die gelernte Schneiderin Inge Ronge die Frauen beim Ändern von Kleidung unterstützen. Später gibt es hier Hausaufgabenbetreuung für die 30 Schulkinder sowie Kurse zum Deutschlernen, Heimwerken und zur Alphabetisierung.

Zuvor war der Kardinal bereits in mehreren Wohnungen von Familien, die in der im Mai eröffneten Unterkunft am Ortsausgang des rechtsrheinischen Stadtteils Zündorf leben. Die vier weißen Gebäude in Leichtbauweise wirken trotz der Würfelform nicht wie klassische "Container". Dazu kommt noch ein angemietetes Haus, in dem eine 13-köpfige Familie aus dem Kosovo wohnt.

Arbeits- und Praktikumssuche

Das Wohnzimmer der Familie Kelmedi, auf deren Sofa Woelki nun sitzt, ist klein, aber gemütlich. "Sie dürfen gar nicht reagieren, wenn ihr Mann sie auf Albanisch anspricht", scherzt der Kardinal in Richtung der 31-jährigen Zejnie. Anders als ihr Mann Hajrullah (33) spricht sie perfekt Deutsch, da sie schon als Mädchen ein paar Jahre in Deutschland war. Wie die meisten neu Ankommenden hofft sie, dass sie und ihr Mann bald Arbeit finden. Und die drei kleinen Töchter sollen gut in der Schule sein und ihren Weg machen, so die Frau mit den langen dunklen Haaren.

Ähnlich geht es auch dem 18-jährigen Fabian. Einen Schulplatz hat der Volljährige derzeit nicht. Aber die Caritas-Leute kümmern sich darum. "Dann wollen wir mal hoffen, dass das klappt, denn Schule ist ja wichtig", sagt Woelki zu Fabian und deutet einen aufmunternden Knuff in die Seite an. Immerhin macht er jetzt ein Praktikum als Friseur, berichtet der junge Mann mit leuchtenden Augen.

Flüchtlinge und Helfer "hochmotiviert"

Insgesamt ist Woelki sichtlich angetan von der der Zuwendung, die die Schutzsuchenden in dem Caritas-Heim vorfinden. "Alle sind hochmotiviert, in Deutschland eine Perspektive für sich zu finden", fasst er zusammen. Er habe vieles erfahren, was die Menschen auf der Flucht erlebt haben. Und gut, dass die Familien hier in individuellen Verhältnissen leben können. "Das einzige, was sie erhoffen, ist, baldmöglichst Arbeit zu finden und einen Beitrag zum Aufbau unserer Gesellschaft zu leisten", erklärt Woelki. Umso weniger Verständnis hat er für aktuelle Überlegungen um eine Begrenzung des Familiennachzugs und generell scharfe Töne in der politischen Asyl-Debatte.

Die Kirche setze sich für den Schutz von Ehe und Familie ein, wozu selbstverständlich auch die Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien zähle, so der Kardinal. "Stolz" darüber, dass die große Koalition einen äußerst rigiden Asylkompromiss erzielt habe, halte er für absolut unangebracht. Fabian, Alea und Zejnie werden ihm zustimmen.

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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