Diaspora: In Berlin hat der katholische Religionsunterricht erschwerte Bedingungen.
Diaspora: In Berlin hat der katholische Religionsunterricht erschwerte Bedingungen.

15.05.2013

Kardinal Woelki im Gespräch mit Klaus Wowereit Berlin: Finanzloch beim Religionsunterricht

Rainer Maria Kardinal Woelki hat zum ersten Mal offiziell Klaus Wowereit getroffen. Dabei war der Religionsunterricht ein wichtiges Thema, erzählt der Erzbischof im domradio.de-Interview.

domradio.de: Rund zwei Stunden haben Sie zusammen gesessen - was waren die drängendsten Fragen, die Sie mit Wowereit besprochen haben?

Woelki: Wir haben die Fragen besprochen, die hier in Berlin besonders wichtig sind, soziale Fragen, Flüchtlingsproblematik, Abschiebehaft. Wir haben natürlich auch sehr klar noch einmal die Situation des Religionsunterrichtes angesprochen, und sehr deutlich gemacht, dass seitens der katholischen Kirche der Religionsunterricht ein nicht-ordentliches Lehrfach ist, dass das nicht in Frage steht, dass aber auf der anderen Seite wir doch das Problem der Finanzierung haben und dass das das Erzbistum finanziell überfordert und dass wir dankbar wären, wenn hier eine entsprechende Unterstützung gewährleistet werden könnte.

domradio.de: In Berlin wohnen knapp 7 Prozent Katholiken, das ist eine Minderheit. In einer Erklärung, die am Ende des Treffens stand, ist zu lesen "wir wollen, dass jedes religiöse Bekenntnis respektiert wird." Ist das ein Problem, in Bezug auf den katholischen Glauben? 

Woelki: Das ist sicherlich kein Problem. Ich denke, dass wir hier respektiert sind und dass wir auch die entsprechende Wertschätzung seitens des Senats und der politisch Verantwortlichen erhalten - das ist nicht das Problem. Aber man muss sehr deutlich sagen, dass etwa mit Blick auf den Religionsunterricht die staatlichen Zuschüsse auf einem Vergütungsniveau von 2002 eingefroren worden sind, und das zugleich an staatlichen Schulen aus schulorganisatorischen Gründen oftmals nur sehr kleine Unterrichtsgruppen gebildet werden können, hier bei uns in Berlin aufgrund der Diaspora-Situation und dass dadurch eine Deckungslücke bei der Finanzierung inzwischen auf über vier Millionen Euro angewachsen ist, mit stark steigender Tendenz.

Ohne eine Neujustierung der Finanzierung wird der Religionsunterricht von uns nicht flächendeckend aufrechterhalten werden können. Da sind natürlich dann vor allem die Gegenden mit einem hohen Migrantenanteil betroffen, weil dort in der Regel nur Kleinstgruppen gebildet werden können, und das ist nicht nur, denke ich, aus der Sicht der Kirche eine sehr missliche Situation -  sondern das wäre auch für die staatlichen Schulen und das gesamte Schulklima eine deutliche Verschlechterung.

domradio.de: Eine Voraussetzung dafür, tolerant auch mit dem Glauben anderer umgehen zu können, ist, dass man sich im eigenen Glauben gut auskennt - und dazu ist Religionsunterricht ein Instrument. Also auch der katholische Religionsunterricht - konnte das als Argument etwas bewirken?

Woelki: Nein nein, aber der Senat stellt uns ja die Möglichkeit des Religionsunterrichtes in den Schulen zur Verfügung. Natürlich gelten da klare Bedingungen der Refinanzierung, genauso wie auch für die Evangelische Kirche oder den Humanistischen Verband. Der Senat ist sehr darum bemüht, dass die Religionen wahrgenommen werden. Ihm geht es auch darum, dass die Religionen miteinander ins Gespräch kommen, um durch dieses Gespräch zu einem toleranten Umgang und einem sozialen Frieden in der Stadt beizutragen.

domradio.de: Für Sie als Erzbischof in Berlin war das jetzt das erste Treffen, richtig?

Woelki: Ja, das stimmt. Das letzte Treffen war 2007, durch die Erkrankung von Kardinal Sterzinsky und mein Eintreffen hier hat sich das Ganze dann verzögert. Dann kam das Konklave - wir hatten eigentlich schon einen Termin im Februar vereinbart. Wir waren jetzt ganz froh, dass das jetzt dann im Mai stattfinden konnte.

domradio.de: Wie haben Sie die Atmosphäre empfunden?

Woelki: Das war eine gute Atmosphäre, sachlich, offen, man konnte die unterschiedlichen Positionen benennen, aber auch das, was man gegenseitig wertschätzt. Wir haben auch seitens der Kirche sehr beim Senat bedankt, dass er uns gerade bei karitativen Projekten sehr unterstützt - also das war eine gute Atmosphäre.

domradio.de: Das Thema Toleranz wird ja von der katholischen Kirche eingefordert, und natürlich wird auch Toleranz von der katholischen Kirche gefordert - zum Beispiel in Bezug auf gleichgeschlechtliche Liebe, um nur mal eines zu nennen. Klaus Wowereit ist bekennend homosexuell - War das auch ein Thema? 

Woelki: Das war kein Thema, und das hat da in dieser Diskussion überhaupt keine Rolle gespielt.

 

(Das Interview führte Uta Vorbrodt.)

(dr)

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