Kirchturm der evangelischen Matthäuskirche am Frankfurter Messegelände
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Papst Franziskus
Papst Franziskus betet während der Generalaudienz am 14. April 2021 in der Apostolischen Bibliothek im Vatikan

30.04.2021

Das Gebetsanliegen des Papstes für den Mai Der Mist des Teufels

Der Papst betet im Mai für jene, die Verantwortung in der Finanzwelt tragen - auf dass sie "diese Welt gut ordnen und so die Bürger vor den Gefahren der von der Realwirtschaft entkoppelten Finanzmärkte schützen".

Papst Franziskus hat die Gabe einer eingängigen Bildersprache. So bezeichnete er mit einem Kirchenvater das Geld wiederholt als "Mist des Teufels". Damit verbindet er keine undifferenzierte Ablehnung des Geldes, sondern er fordert einen geregelten und verantwortungsvollen Umgang damit. Einer guten Ordnung der Finanzmärkte widmet er die Gebetsmeinung für den Monat Mai.

Geld ist zuerst einmal ein reines Tauschmittel, das das Zusammenleben der Menschen erleichtert. Problematisch wird es, wenn es verabsolutiert und zum Selbstzweck wird. Diese differenzierte Auffassung vom Geld findet sich auch bei Jesus Christus.

Über die Maßen berührte ihn das Geldopfer der armen Witwe. In verschiedenen Gleichnissen geht es um eine gerechte und großzügige Bezahlung der Arbeiter. Im Gleichnis von dem anvertrauten Geld kommt sogar eine Bank mit ihrer Zinszahlung vor. Mit Geld lässt sich also fraglos Gutes tun. Doch gefährlich wird es in den Augen Jesu, wenn es zum Götzen, zum Mammon wird. Dann gilt die Alternative: "Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon - dem Geld dienen."

Dem stellt er die "Schätze im Himmel" entgegen, mit denen die selbstlose Nächstenliebe bezeichnet wird. Der heilige Paulus bezeichnet im ersten Brief an Timotheus die Geldgier sogar als die Wurzel allen Übels.

Der Wert des Geldes ist relativ

Im Mittelalter prägte man auf die Geldmünzen ein Kreuz - daher der Name Kreuzer. Damit sollte das Geld nicht sakral legitimiert, sondern im Gegenteil seine Wirkmacht als Mammon begrenzt werden. Das Kreuz erinnert daran, was Letztes und was Vorletztes ist.

Einer der Kernsätze des Evangeliums lautet: "Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?" Ein Menschenleben lässt sich nicht mit Geld aufwiegen. Joseph Cardijn, der Gründer der christlichen Arbeiterjugend, hat es so ausgedrückt: "Jeder junge Arbeiter, jede junge Arbeiterin ist mehr wert als alles Gold der Erde."

Ausgehend von dieser Sicht auf das Geld fordert Papst Franziskus eine grundlegende Reform der internationalen Finanzmärkte. Leitend ist für ihn dabei das Grundprinzip der katholischen Soziallehre, dass die Wirtschaft im Dienst der Menschen stehen muss. Eine uneingeschränkte Freiheit der Märkte und Spekulationen ohne staatliche Kontrollen führten zu einer "neuen, unsichtbaren Tyrannei", die erbarmungslos ihre eigenen Regeln durchsetze. Die Folge sei, dass die Gewinne einer Minderheit um das Vielfache in die Höhe stiegen, während die Mehrheit ärmer werde.

Ethische Reform der Finanzmärkte

Zu den geforderten Veränderungen gehört die Schließung von Steuerparadiesen, die heute eine der Hauptursachen für die Zunahme von Ungleichheit sind. Auch die Arbeitslosigkeit sei Folge eines Wirtschaftssystems, das den Götzen Geld ins Zentrum stelle, kritisiert der Papst. Geld verdiene man mit Arbeit; es sei die Arbeit, die dem Menschen Würde gebe, nicht das Geld. Von Unternehmern verlangt er einen "neuen Humanismus der Arbeit". Die verantwortlichen Politiker ruft Franziskus zu einer "mutigen Änderung" ihres Verhaltens auf. Nur so sei eine ethisch verantwortbare Reform der Finanzmärkte möglich.

Natürlich sitzt die Kirche mit ihren Appellen für einen ethischen Umgang mit dem Geld im Glashaus. Der jüngste Finanzskandal im Vatikan betrifft eine Luxusimmobilie in London. Bis heute ist es Papst Franziskus nicht gelungen, Ordnung in die Finanzen der römischen Kurie zu bringen. Halb verzweifelt verglich er seine Reformanstrengungen damit, die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen.

Ebenso wie für die Finanzwelt gilt für die Kirche: Das Geld muss dienen statt zu regieren. Konkret kann das für Diözesen und Gemeinden beispielsweise bedeuten, ihr Geld ethisch-nachhaltig anzulegen.

Martin Maier SJ
(KNA)

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