Papst Franziskus wird von Premierminister Mustafa al-Kadhimi bei seiner Ankunft auf dem internationalen Flughafen von Bagdad empfangen.
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Papst Franzuskus im Irak
Papst Franzuskus im Irak

06.03.2021

Papstberater: Irakreise war unaufschiebbar "Ein Hoffnungszeichen für die Menschen"

Mit der Papstreise blickt auch die ganze Welt auf das vom Krieg gebeutelte Land Irak. Christen und Muslime sehen dem Besuch mit großem Interesse entgegen, sagt Dr. Timo Güzelmansur, denn der Papst könne den Menschen eine Perspektive geben.

DOMRADIO.DE: Halten Sie diese Papstreise auch für so historisch und unaufschiebbar, wie ost oft zu lesen ist?

Dr. Timo Güzelmansur (Berater der päpstlichen Kommission für interreligiösen Dialog): Ja, ich halte es für sehr historisch. Nicht nur, weil ein Papst zum ersten Mal den Irak besucht, sondern auch zu einem Zeitpunkt kommt, an dem die Menschen im Irak um eine Richtung ringen, wohin das Land sich entwickelt, wie überhaupt dieser Zusammenhalt im Land gelingen kann. Wir leben in ungewissen Zeiten und der Papst versucht mit der Reise eine Perspektive zu geben.

DOMRADIO.DE: Der Irak ist ein durch Kriege gebeuteltes Land, besonders die Situation der Christen ist schlimm. In den vergangenen Jahren sind fast zwei Millionen Christen aus dem Irak geflohen. Was bedeutet der Papstbesuch für sie?

Güzelmansur: Für sie bedeutet das Hoffnung. Hoffnung, dass sie nicht abgehängt sind, dass die Welt sie nicht vergessen hat, dass sie Mut bekommen, dass sie Aufmerksamkeit bekommen, dass man ihnen Trost spendet, aber auch, dass sie eine Perspektive bekommen könnten, wie es weitergehen kann in diesem Land. Aber auch, dass man einfach merkt, die Christen im Land sind nicht Fremde, sondern wir sind Ureinwohner des Landes. Sie waren vorher da. Sie gehören dazu und mit ihren muslimischen Mitbürgern, aber auch mit Menschen, die andere Religionszugehörigkeit haben. Also alle gehören zu diesem Staat und sie sind verantwortlich für das, was da geschieht.

DOMRADIO.DE: Es sind 97 Prozent der Bevölkerung, die muslimisch sind. Wie beurteilen die diese Papstreise?

Güzelmansur: Von allen Seiten wird das mit sehr großem Interesse verfolgt, weil tatsächlich die Welt mit dem Papst auf das Land blickt. Sie kommen auch natürlich zum Nachdenken darüber, was das bedeutet. Ich denke, das ist für alle ein Hoffnungs- und ein Mutzeichen, dass der Papst dahin kommt und das auch angekündigt war. Er kommt nicht heimlich, sondern die ganze Welt blickt hin in eine Region, die so prekär ist, auch was die Sicherheitslage angeht.

DOMRADIO.DE: Der Papst trifft viele irakische Kirchenvertreter und die fordern mehr Unterstützung von der Weltkirche und auch von Deutschland. Da geht es um die Schaffung von Arbeitsplätzen, Unterstützung im Gesundheitsbereich und für Schulen. Passiert da zu wenig bislang?

Güzelmansur: Meiner Wahrnehmung nach wird auf vielen verschiedenen Seiten sehr viel Hilfe in den Irak gebracht. Die Hilfswerke, die katholischen, aber auch internationale Hilfswerke, helfen da, wo sie können. Der Irak ist ja kein klassisches Entwicklungsland. Das Land ist reich an Bodenschätzen. Es geht darum, glaube ich, eher die Korruption im Land, die Verteilung der Reichtümer besser zu koordinieren. Und da leistet meines Erachtens Deutschland, aber auch die Weltgemeinschaft genug Unterstützung. Aber was heißt genug in so einer Situation, wenn man vom Krieg gebeutelt ist.

DOMRADIO.DE: Die Bevölkerung des Iraks ist ja unheimlich jung, 60 Prozent sind unter 35 und die irakischen Bischöfe erzählen immer wieder davon, dass diese Jugend endlich Frieden und Zusammenhalt auch über religiöse Grenzen hinweg möchte. Wie weit, glauben Sie, ist der Irak noch davon entfernt?

Güzelmansur: Noch ein Stück, würde ich sagen. Aber der Papst hat ja auch mit seinem Reisemotto "Ihr seid alle Brüder" aus dem Matthäusevangelium einen Leitspruch mitgebracht oder leitet ihn in diese Zeit. Und das ist auch ein Aspekt, den er in den letzten Jahren sehr stark macht. Schon das Dokument von Abu Dhabi unterstreicht ja die Geschwisterlichkeit aller Menschen und diesen Punkt will er stark machen für alle, also nicht nur für die Christen, sondern auch für die muslimischen Menschen im Land. Sie gehören zusammen. Sie können den Staat zusammen aufbauen, ohne auf ethnische oder religiöse Herkunft zu gucken. Das ist die wichtigste Botschaft.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(DR)

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