Papst Franziskus (l) und Scheich Ahmed al-Tayyeb am 5. Februar in Abu Dhabi
Papst Franziskus und Scheich Ahmed al-Tajjib unterzeichnen die gemeinsame Erklärung
 Timo Güzelmansur, Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO)
Timo Güzelmansur, Leiter der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle (CIBEDO)

27.02.2021

Vatikanische Briefmarken als Symbol für interreligiösen Dialog Jeder solle menschliche Brüderlichkeit mit Leben füllen

Der Papst ist auf den neuen Vatikanischen Briefmarken mit jeweils einem der großen Religionsvertreter zu sehen. Ein Symbol dafür, wie wichtig ihm der interreligiöse Dialog ist. Denn die religiöse Vielfalt ist gottgewollt, ist sich Franziskus sicher.

DOMRADIO.DE: Sie sind von Papst Franziskus zum Experten für den weltweiten Dialog zwischen Christen und Muslimen ernannt worden. Was ist Ihre Aufgabe als Berater der Päpstlichen Kommission für religiöse Beziehungen zu den Muslimen?

Dr. Timo Güzelmansur (Geschäftsführer der CIBEDO): Ja, ich bin im Februar letzten Jahres zum Berater beim Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog in Rom berufen worden. Dort gibt es eine Unterkommission für die Belange des Dialoges mit den Muslimen weltweit. Die Aufgabe ist tatsächlich beraten, von den Arbeitsabläufen berichten und an Treffen teilnehmen. So soll der Kontakt beziehungsweise der Informationsfluss zwischen Rom und den lokalen Kirchen gefördert und auch Impulse gegeben werden, in welche Richtung der Dialog möglicherweise gehen kann.

DOMRADIO.DE: Pandemiebedingt konnten vor Ort noch keine Treffen stattfinden. Was wünschen Sie sich in Zukunft für den Dialog zwischen Muslimen und Christen trotz der bestehenden Konflikte?

Güzelmansur: Das Dokument über die menschliche Brüderlichkeit, das vor zwei Jahren nach dem Papstbesuch in Abu Dhabi gemacht wurde, hat viele Aspekte, die auch vor Ort durchdekliniert werden können und zu einer Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und zu einer friedlichen Koexistenz beitragen können. Ich wünsche mir, dass dieses Dokument mehr gelesen wird und die Impulse daraus vor Ort reflektiert und umgesetzt werden.

DOMRADIO.DE: Können wir da selbst auch etwas konkret in unserem Alltag oder auf anderen Ebenen tun?

Güzelmansur: Zum Beispiel, indem man einfach unvoreingenommen Menschen begegnet, die vielleicht eine andere Religionszugehörigkeit haben, und ohne Vorurteile schauen, wie man sich vor Ort für das Wohl des anderen engagieren kann. Der Papst sagt, wir sollten den anderen als Geschwister, als Bruder und Schwester entdecken. Ich glaube, wenn wir das in unserem Alltag realisieren können, wäre das ein großer Schritt nach vorne.

DOMRADIO.DE: Wie gut gelingen dem Papst seine Bemühungen um den interreligiösen Dialog? Wie wichtig sind sie in unserer Zeit?

Güzelmansur: Ich finde sie sehr wichtig. Und ich finde, dass der Papst bis jetzt dieses Thema auch als ein zentrales Anliegen in seinem Pontifikat aufgenommen hat und immer wieder entscheidende Akzente gesetzt hat, zum Beispiel mit seiner Reise ins Heilige Land, indem er das auch als eine Pilgerreise verstanden hat und mit einem jüdischen, aber auch muslimischen Gesprächspartner dort eindrückliche Bilder vermittelt hat. Aber auch seine Reise nach Abu Dhabi vor zwei Jahren und jetzt seine Reise in den Irak, die unmittelbar bevorsteht, zeigen, wie wichtig ihm das Thema ist.

DOMRADIO.DE: Auf den neuen Vatikanischen Briefmarken ist der Papst mit den jeweiligen großen Religionsvertretern zu sehen: Dem römischen Oberrabbiner Riccardo Di Segni, dem Großimam Ahmad al-Tayyebb, dem buddhistischen Oberhaupt und Patriarch Somdet Phra Ariyavong-sagatanana IX. und mit dem Hindu Kurukkal Siva Sri Mahadeva. In den vergangenen Jahren hat sich der Papst um den Dialog zwischen den Religionen bemüht und die Begegnungen sieht man jetzt auf den neuen Briefmarken aus dem Vatikan. Welche Rolle spielen denn Stimmen anderer Religionen für Papst Franziskus?

Güzelmansur: Ich denke, dass der Papst sehr aufmerksam diese Vielfalt und das aufnimmt, was die Gesprächspartner entweder im direkten Gespräch oder bei verschiedenen Treffen, sagen. Zum Beispiel was beim Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog mit muslimischen und anderen Gesprächspartnern an Themen erarbeitet und erörtert wird. Der Papst hat auch gezeigt, dass es ihm sehr wichtig ist, sich von diesen Begegnungen inspirieren zu lassen. In seiner Enzyklika "Fratelli tutti" schreibt er ja selbst, dass es ihn bewegt, was seinen Bruder Ahmad al-Tayyebb, den großen Imam der al-Azhar-Universität aus Ägypten, an Themen beschäftigt. Der Papst nimmt das praktisch auf in seine Reflexion über die Zukunft der Kirche. Er lässt das aber auch in den Dialog einfließen. Wir sehen da einen sehr sensiblen und zugewandten Papst.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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