Kirche des Heiligen Johannes von Kaneo am Ohrid-See
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Makedonija-Platz in Skopje
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Papst Franziskus bricht auf zu seiner Balkanreise nach Bulgarien und Nordmazedonien
Papst Franziskus bricht auf zu seiner Balkanreise nach Bulgarien und Nordmazedonien

07.05.2019

Franziskus auf Tagesbesuch in Nordmazedonien An der Grenze der EU - an der Wiege slawischer Theologie

Wenn der Papst an diesem Dienstag eine Tagesreise ins kleine Nordmazedonien macht, kann er weder Ohrid besuchen, die Wiege slawischer Theologie, noch Radovo, das "kleine Rom" im Südosten. Dafür dürfte die EU ein Thema sein.

In dem kleinen Balkanstaat Nordmazedonien, den Papst Franziskus an diesem 7. Mai besucht, leben viele Völker. Und nicht selten hängt der Haussegen schief, vor allem zwischen der slawischen Bevölkerungsmehrheit und der albanischen Minderheit. Zudem hat die junge Republik seit dem Zerbrechen Jugoslawiens und der Flüchtlingswelle aus dem Kosovo-Krieg 1999 unter Arbeitslosigkeit und einer schwächelnden Wirtschaft zu leiden.

Die EU-Ambitionen des Zwei-Millionen-Einwohner-Landes - seit Dezember 2005 Beitrittskandidat - wurden lange Jahre durch den Namensstreit mit dem Nachbarn Griechenland unterminiert. Seit Mitte Februar muss sich das frühere Mazedonien nun "Nordmazedonien" nennen.

Skopje - Schmelztiegel der Ethnien

Franziskus kann bei seiner Stippvisite nur die Hauptstadt Skopje besuchen. Die Geburtsstadt der heiligen Mutter Teresa (1910-1997) mit ihren offiziell gut 540.000 Einwohnern ist ein Schmelztiegel der Ethnien: Mazedonen, Albaner, Türken, Roma, Serben, Kroaten. Die Vorurteile sitzen tief.

Skopje, das osmanische Üsküb, ist architektonisch versehrt durch das große Erdbeben von 1963 und dem folgenden unbedingten sozialistischen Gestaltungswillen. Die "Alte Brücke" über den Fluss Vardar verbindet die slawisch und die albanisch dominierten Stadtteile.

Katholiken in der Minderheit

Die mazedonische Orthodoxie, der etwa zwei Drittel der Bevölkerung angehören, versteht sich als Staatskirche des Landes. Oberhaupt der mazedonisch-orthodoxen Kirche ist Erzbischof Stefan Veljanovski. Die Albaner sind zumeist Muslime. Die kleine katholische Kirche Nordmazedoniens hat nur rund 15.000 Mitglieder; knapp 0,75 Prozent der Bevölkerung. Sie besteht zudem aus zwei Teilen.

Die rund 3.700 Katholiken des lateinischen Ritus stammen vorwiegend aus Kroatien, Polen, Slowenien und der Slowakei. Sie leben hauptsächlich in und um Skopje im Norden. Die etwa 11.500 mit Rom unierten Katholiken des byzantinischen Ritus sind eher im Süden und Südosten konzentriert.

Neutrale Vermittlerin

Es gibt zwei Diözesen mit derzeit 25 Priestern: das Bistum Skopje und die Eparchie Strumica-Skopje für die Katholiken des byzantinischen Ritus; beiden steht Bischof Kiro Stojanov (60) vor. Die zahlenmäßig kleine katholische Gemeinde versteht sich als neutrale Vermittlerin und Brückenbauerin zwischen den Religionsgemeinschaften. Allerdings ist die materielle Ausstattung schlecht.

Die Bezeichnung "Unierte" gefällt den mazedonischen Katholiken als orthodoxer Schimpfname ebenso wenig wie "Griechisch-Katholische". Schließlich war es vor allem die griechische Orthodoxie, die die mazedonischen Gläubigen durch Verbot ihrer Sprache und kulturellen Eigenheiten im 18./19. Jahrhundert zu entwurzeln und als Griechen zu vereinnahmen versuchte.

Ausweg aus Zerrissenheit

In ihrer zwischen den Nachbarvölkern zerrissenen Lage wandten sich die Mazedonier der Region Kukusch im heutigen Nordgriechenland 1859 mit der Bitte um eine Union an Papst Pius IX. Der stimmte zu - unter ihren Bedingungen: Beibehaltung des byzantinischen Ritus, Anerkennung der Priesterehe. Nach Verfolgung und Vertreibungen siedelten die Katholiken aus Griechenland Anfang des 20. Jahrhunderts in den Süden der heutigen Republik Nordmazedonien und nach Westbulgarien über.

Die meisten katholischen Priester Nordmazedoniens sind "Bi-Ritualisten", zelebrieren also nach lateinischem und byzantinischem Ritus. Das bedeutet auch, dass sie, da die Byzantiner dem Julianischen und die Römer dem Gregorianischen Kalender folgen, je nach Aufenthaltsort zweimal Weihnachten und in der Regel zweimal Ostern feiern.

Radovo als katholische Keimzelle

Die katholische Keimzelle in Nordmazedonien ist das kleine Radovo im äußersten Südosten; das einzige katholische Dorf des Landes, knapp 10 Kilometer Luftlinie von der Grenze nach Griechenland und 15 nach Bulgarien. Nur rund 900 Einwohner hat es - doch stammen von hier die Mehrzahl der Priester, auch Bischof Stojanov, sowie die meisten Ordensschwestern des Landes. Seine Leute nennen es "Mazedoniens kleines Rom".

Im Südwesten des Landes liegt Ohrid, malerisch am gleichnamigen See; der Panoramablick Nordmazedoniens. Die Hügel am anderen Seeufer sind schon Albanien. Ohrid ist eine Stadt mit zahllosen geschichtsträchtigen orthodoxen Kirchen. Einst ein Touristenmagnet Jugoslawiens, kämpft der 42.000-Einwohner-Ort heute am internationalen Markt um seinen einstigen Status.

Ohrid - wichtige Rolle für Christianisierung

Von den Römern gegründet und seit alters her ein kulturelles und geistliches Zentrum, erlebte Ohrid, ein Ausgangspunkt der Slawenmission, seine größte Blüte im Spätmittelalter. Das erste slawische Bistum überhaupt spielte eine wichtige Rolle für die Christianisierung der Balkanregion. Kliment (Clemens) von Ohrid (um 835/40-916) war der berühmteste Schüler der Slawenapostel Kyrill (827/28-869) und Method (815/20-885). Kliment wurde 893/94 der erste slawische Bischof der Stadt.

Kliment begründete den hohen theologischen Rang des Bistums Ohrid (Achrida). Er wirkte als Schriftsteller und Übersetzer und unterrichtete Tausende Schüler. Von hier aus trug das von ihm weiterentwickelte "kyrillische Alphabet" das Christentum und die altkirchenslawische Liturgie über Rumänien bis ins Gebiet der Kiewer Rus und über Moskau bis tief ins heutige Russland.

Der Marienzyklus in Ohrids Klemens-Kirche und das Letzte Abendmahl in der Sophien-Kathedrale, die Beweinung Christi in Sankt Pantelejmon in Nerezi oberhalb von Skopje: Sie alle gehören zum Besten, das die europäische Kunst des späten Mittelalters hervorgebracht hat.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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