Papst Franziskus im Flugzeug
Papst Franziskus im Flugzeug

01.04.2019

Papst erläutert Barbarin-Entscheidung Unschuldsvermutung gilt

Papst Franziskus hat seine Entscheidung erläutert, den Rücktritt des wegen Missbrauchsvertuschung verurteilten Kardinals Barbarin nicht anzunehmen. Er bestätigte damit Aussagen des Kardinals. Den Rücktritt konnte er "moralisch nicht akzeptieren".

Papst Franziskus habe den Rücktritt des Erzbischofs von Lyon aufgrund der Unschuldsvermutung "moralisch nicht akzeptieren" können, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag auf dem Rückflug von Marokko vor mitreisenden Journalisten. "Warten wir den Spruch der zweiten Instanz ab und schauen wir, was passiert."

Franziskus verurteilte zugleich eine "oberflächliche Verurteilung durch Medien". "Was sagt die weltliche Rechtsprechung? Wenn ein Fall offen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Womöglich ist jemand nicht unschuldig, aber es gibt diese Vermutung."

Barbarin bot Rücktritt an

Der französische Kardinal war am 7. März zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er einen Priester nicht angezeigt hatte, der zwischen den 1970er Jahren und 2015 zahlreiche Minderjährige sexuell missbraucht haben soll.

Barbarin betonte immer wieder seine Unschuld und ging gegen das Urteil in Berufung, bot aber dem Papst Mitte März seinen Rücktritt an. Franziskus nahm diesen nicht an und überließ dem Kardinal das Handeln. Dieser übertrug die Leitung des Erzbistums Lyon daraufhin dem Generalvikar.

Barbarin hatte nach dem Treffen mit Franziskus in einem Interview erläutert, der Papst habe ihm gesagt: "Wenn ein Urteil angefochten wird, gilt die Unschuldsvermutung. Wenn ich Ihren Rücktritt akzeptiere, erkenne ich daher an, dass Sie schuldig sind. Das kann ich nicht." Franziskus bestätigte dies nun persönlich.

Barbarin ist seit 2002 Erzbischof des zweitgrößten französischen Bistums. Anders als in Deutschland besteht in Frankreich eine strafbewehrte Pflicht, Fälle von sexuellem Missbrauch der Justiz zu melden.

Lob für Merkels Europapolitik 

Papst Franziskus hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Europapolitik gelobt. Wenn der Kontinent "die Mutter Europa und nicht die Großmutter" sein wolle, müsse man intelligent in Bildung investieren. Das sei nicht seine Idee, "das hat Kanzlerin Merkel gesagt", sagte er auf dem Rückflug von Marokko am Sonntag vor mitreisenden Journalisten. Merkel bremse Auswanderung "nicht mit Macht, sondern mit Großzügigkeit, mit Investitionen in Bildung und Wirtschaft", so der Papst.

Franziskus hat vor dem Schüren von Ängsten durch Populisten gewarnt und dabei an den Aufstieg des Nationalsozialismus erinnert. Adolf Hitler sei "mit Versprechen und Ängsten" an die Macht gekommen, "und wir kennen das Ergebnis", sagte der Papst auf dem Rückflug von Marokko am Sonntag vor mitreisenden Journalisten.

Angst sei "die übliche Predigt des Populismus", so Franziskus. Auch viele gutwillige Menschen würden davon erfasst. Zugleich sei Angst "der Beginn von Diktaturen". Wer Angst säe, bringe "eine grausame Ernte" ein; das lehre die Geschichte.

Zeichen christlich-muslimischen Dialogs 

Papst Franziskus sieht den von ihm mit dem marokkanischen König Mohammed VI. in Rabat unterzeichneten Jerusalem-Appell als Beispiel des christlich-muslimischen Dialogs. Sie hätten diesen Schritt vollzogen als "Brüder im Glauben, die leiden, wenn sie diese Stadt der Hoffnung noch nicht so universell sehen, wie wir alle uns wünschen - Juden, Muslime und Christen", so der Papst am Sonntagabend vor mitreisenden Journalisten auf dem Rückflug von seiner zweitägigen Marokko-Reise.

Die Jerusalem-Erklärung nannte er "einen Wunsch, einen Ruf zur religiösen Brüderlichkeit, die diese Stadt symbolisiert". Alle Gläubigen seien Bürger Jerusalems.

Das katholische Kirchenoberhaupt und der marokkanische Monarch unterzeichneten am Samstag einen gemeinsamen Appell zum Sonderstatus Jerusalems. Die Stadt müsse Erbe der Menschheit und das Symbol einer friedlichen Koexistenz vor allem für die drei monotheistischen Religionen bleiben, heißt es darin. Dazu müssten der "multi-religiöse Charakter, die spirituelle Dimension und die besondere kulturelle Identität Jerusalems" geschützt und gefördert werden.

Jerusalem gilt Juden, Christen und Muslimen als Heilige Stadt. Der Vatikan sieht zudem einen israelischen Anspruch auf Gesamt-Jerusalem als Hauptstadt als Hindernis für den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern. Nachdem US-Präsident Donald Trump im Dezember 2017 ankündigte, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, äußerte Franziskus einen "dringenden Appell", den Status quo und die Resolutionen der Vereinten Nationen zu respektieren.

Papst betet um Frieden und Stärke für Algerien

Mit einer persönlichen Botschaft hat sich Franziskus an Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika gewandt. Er bete um Frieden und Stärke für die gesamte Bevölkerung und rufe den Segen Gottes auf die Nation herab, schrieb das Kirchenoberhaupt in einem Grußtelegramm an Bouteflika.

Der Papst durchquerte am Sonntagabend auf der Rückreise von Marokko algerischen Luftraum. Traditionell sendet er dann jeweils einen Gruß an das Staatsoberhaupt des betreffenden Landes.

In Algerien waren am Freitag wieder Zehntausende gegen Bouteflika auf die Straßen gegangen. Über einen Rücktritt des 82-jährigen Präsidenten hinaus fordern viele einen grundlegenden Systemwechsel.

(KNA)

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