Ein Kardinal nimmt am traditionellen Weihnachtsempfang im Vatikan teil
Ein Kardinal nimmt am traditionellen Weihnachtsempfang im Vatikan teil
Papst Franziskus
2018 prägte das Missbrauchsthema den Papst
Päpstlicher Missbrauchsbeauftragter, Kardinal Sean Patrick O'Malley
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Erzbischof Carlo Maria Viganò mit Vorwürfen gegen den Papst
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Vom Papst getraut: Paula Podest und Carlos Ciuffardi aus Chile
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Premiere in 2018: Die erste Jugendsynode
Premiere in 2018: Die erste Jugendsynode
Unter Druck: Kardinal George Pell
George Pell, bislang ranghöchster katholischer Geistlicher, der wegen Missbrauchs vor Gericht steht
Papst Franziskus und sein Kardinalsrat (ARCHIV)
Aus dem Kardinalsrat "K9" wird "K6"

27.12.2018

2018 war für den Vatikan eher Krisen- denn Jubeljahr Der Missbrauch holt den Papst ein

Sexuelle Vergehen, widerborstige Bischöfe, eine schleppende Kurienreform. Franziskus spricht gern von einer "verbeulten Kirche". Dieses Jahr hat sie ein paar Dellen mehr bekommen. Eine Rückschau auf das wohl schwierigste Jahr von Franziskus.

Wenn Papst Franziskus am Silvesterabend im Petersdom die traditionelle Dankvesper feiert, wird er vielleicht vor allem für eines danken: dass 2018 vorbei ist. Die Missbrauchskrise und wachsende Widerstände in eigenen Reihen machten es zum bislang schwierigsten Jahr seines Pontifikats.

Blitzhochzeit im Papstflieger

Eigentlich fing es gut an, mit einer Reise nach Chile und Peru. Eine Blitzhochzeit im Papstflugzeug sorgte für hübsche Schlagzeilen. Dann aber benutzte Franziskus in einer spontanen Äußerung über Vertuschungsvorwürfe gegen den chilenischen Bischof Juan Barros das Wort, das alles ins Rollen brachte: "Verleumdung".

Die medialen Wogen gingen hoch. Des Papstes eigener Missbrauchsbeauftragter, Kardinal Sean Patrick O'Malley, kritisierte mangelnde Sensibilität gegenüber Opfern. Franziskus musste reagieren: Im Februar schickte er seinen besten Mann für die juristische Aufarbeitung solcher Vergehen, Erzbischof Charles Scicluna, als Sonderermittler nach Amerika. Im April bekannte er in einem Brief an Chiles Bischöfe eigene Versäumnisse - und kündigte harte Schritte an.

Was folgte, ist beispiellos: Drei in ihrer Jugend missbrauchte Männer waren eine Woche lang beim Papst zu Gast, um strukturelle Ursachen zu analysieren und Folgerungen zu ziehen. Mitte Mai bestellte Franziskus die chilenischen Bischöfe ein; fast alle boten ihren Amtsverzicht an. Als Wurzel des Übels machte der Papst klerikale Machtstrukturen aus - und bat die Laien, die Kirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) von Grund auf zu erneuern.

Missbrauch führt zu Zweifrontenkrieg im Vatikan

Seitdem steht Franziskus in einer Art Zweifrontenkrieg: auf der einen Seite gegen die Altlasten des Missbrauchs, auf der anderen gegen Konservative. Offenkundig wurde das nach der Entlassung des früheren Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick aus dem Kardinalsstand im Sommer.

Während im August der US-Bundesstaat Pennsylvania einen niederschmetternden Missbrauchsbericht publizierte, eröffnete Ex-Nuntius Carlo Maria Vigano eine zweite Hauptkampflinie, indem er dem Papst vorwarf, Männer wie McCarrick geschont zu haben und aus einer zeitgeistig-liberalen Haltung den Sittenverfall in der Kirche zu schüren. Seitdem ist noch mehr Feuer unterm Dach.

Selbst mit dem diplomatischen Coup des Jahres konnte der Vatikan nicht richtig glänzen. Zwar beendeten der Heilige Stuhl und China im September einen 70-jährigen Zwist um Bischofsernennungen. Doch der genaue Inhalt des Abkommens ist nach wie vor unbekannt, und Kardinal Zen Ze-kiun aus Hongkong begleitete die vatikanische Erfolgsmeldung mit drastischer Ablehnung. Auch das von China angefeindete Taiwan, das im Vatikan einen der wenigen Verbündeten hat, ist besorgt.

Erste Jugendsynode 

Eine Bischofssynode zum Thema Jugend gab es: In einer Premiere versammelten sich im März 300 Jugendliche und junge Erwachsene in Rom zu einer "Vorsynode", bevor im Oktober rund 270 Bischöfe über die Lebenssituation und Begleitung der neuen Generation berieten. Viele Hirten beschrieben den neuen Debattenstil mit den 50 teils jüngeren, teils weiblichen Auditoren als belebend. Aber im Schlussdokument eine offene Diskussion über Themen wie Sexualität zu fordern, dazu konnten sie sich nicht durchringen.

Unterdessen ging die interne Vatikanreform weiter. Die alte Kurienordnung von 1988 wird bald ersetzt. Zugleich verkleinerte Franziskus Mitte Dezember seinen engsten Beraterkreis - aus dem Kardinalsrat K9 wird K6 sozusagen. Entpflichtet wurden die Kardinäle George Pell (77), Laurent Monsengwo Pasinya (79) und Francisco Javier Errazuriz Ossa (85).

Als Grund wurde das vorgerückte Alter genannt - doch zwei der drei sind auch in schwere Misbrauchsskandale verwickelt: Dem Chilenen Errazuriz werden Vertuschung, Meineid und Falschaussage vorgeworfen, dem Australier Pell wird sogar der Prozess gemacht, weil er selbst sexuell übergriffig geworden sein soll.

Papstreisen und Heiligsprechungen

Eine weitere gewichtige Personalie war im Sommer die Versetzung von Giovanni Becciu, der im Staatssekretariat weiten personal- und finanzpolitischen Einfluss hatte. Sein Nachfolger ist der Venezolaner Edgar Pena Perra, ein effizienter Macher. Becciu, inzwischen Kardinal, leitet nun die Heiligsprechungskongregation.

Woran mag sich Franziskus sonst noch erinnern bei seinem persönlichen Jahresrückblick? An die Reisen zum Weltkirchenrat nach Genf, zum Weltfamilientreffen nach Irland, ins Baltikum? An die Heiligsprechung von Papst Paul VI. und Oscar Romero? Den Missbrauchsprozess gegen Kardinal George Pell?  Nach dem Te Deum an Silvester wird er einen Abstecher auf den Petersplatz machen, um einen Moment vor der Krippe zu verweilen. Dieses Jahr ist sie aus Sand gebaut.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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