Papst Franziskus und Leo Varadkar, Premierminister von Irland
Papst Franziskus und Leo Varadkar, Premierminister von Irland

25.08.2018

Irlands Premier: Papst soll sich der Moderne stellen "Dass aus Worten Taten folgen"

Irlands Premierminister Leo Varadkar hat Papst Franziskus zu einer neuen Beziehung zwischen Kirche und Staat aufgerufen. Bei einem Empfang des Papstes im Schloss von Dublin verwies Varadkar auf eine wachsende Diversität der irischen Gesellschaft.

In dem ehemals katholischen Land gehörten immer mehr Menschen anderen Glaubensrichtungen oder keiner organisierten Religionsgemeinschaft an. Irland sei "ein anderes Land als vor 39 Jahren", sagte Varadkar. Damals fand der letzte Papstbesuch durch Johannes Paul II. statt. Konkrete Schritte verlangte der Regierungschef vom Kirchenoberhaupt auch bei der Aufarbeitung der Misshandlungen in katholischen Sozialeinrichtungen wie den "Magdalene Laundries" und im Blick auf sexuellen Missbrauch durch Kleriker. Es gelte sicherzustellen, "dass aus Worten Taten folgen", so Varadkar.

Zwar habe die katholische Kirche über Generationen eine Lücke bei Gesundheitsfürsorge, Bildung und sozialen Dienstleistungen gefüllt; dafür bleibe Irland "zutiefst dankbar", betonte der Premierminister. Er verwies aber auch auf "dunkle Seiten" der Kirchengeschichte und ein Versagen von Kirche, Staat und Gesellschaft, das ein bitteres Erbe hinterlassen habe. Varadkar sprach von einer "Geschichte des Leids und der Scham".

Kirche steht nicht mehr im Zentrum 

Der Irlandbesuch von Papst Franziskus soll nach Worten von Varadkar ein "neues Kapitel" in der Beziehung zwischen Irland und der katholischen Kirche aufschlagen. Darin werde die Religion nicht länger im Zentrum der Gesellschaft stehen, aber noch immer eine wichtige Stelle einnehmen, schrieb Varadkar am Samstag nach seinem Empfang des Papstes in Dublin auf Twitter. Beide Seiten könnten auf einer verwobenen Geschichte aufbauen, müssten aber auch "aus gemeinsamen Fehlern lernen", so der Regierungschef.

Der in homosexueller Partnerschaft lebende Politiker hatte Franziskus am Samstag im Schoss von Dublin begrüßt. In seiner Rede vor dem Kirchenoberhaupt sprach er in ungewöhnlicher Offenheit von neuen Familienmodellen, scheiternden Ehen und der Selbstbestimmung von Frauen als gesellschaftlichen Realitäten und rief den Papst auf, mehr für die Aufarbeitung von Misshandlungen in kirchlichen Sozialeinrichtungen und sexuellen Missbrauchs durch Kleriker zu tun.

"Gerechtigkeit und Wahrheit und Heilung"

Misshandlungen in katholischen Sozialeinrichtungen, illegale Adoptionen und sexueller Missbrauch hätten weiterhin offene Wunden hinterlassen, sagte Varadkar. Franziskus solle den Einfluss seines Amtes geltend machen, um "Gerechtigkeit und Wahrheit und Heilung für die Opfer und Überlebende" in Irland und der ganzen Welt voranzubringen. Für diejenigen, die Kinder missbrauchten oder Missbrauch ermöglichten, könne es nur "Null Toleranz" geben.

Weiter stellte sich der Regierungschef hinter Liberalisierungen der Familien- und Abtreibungsgesetzgebung. Irische Abgeordnete und Bürger hätten erkannt, "dass Ehen nicht immer gelingen, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen treffen sollten und dass Familien viele Formen haben können", auch mit gleichgeschlechtlichen Partnern. Varadkar lebt selbst mit einen männlichen Partner zusammen.

(KNA)

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