Stahlwerk in Genua
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Arbeiterseelsorger in Genua: Carzino und Molinari.
Arbeiterseelsorger in Genua: Carzino und Molinari.

27.05.2017

Papst Franziskus besucht Genua Der Arbeiterseelsorger

Es ist kein Zufall, dass Papst Franziskus seinen Genua-Besuch an diesem Samstag im maroden Stahlwerk ILVA beginnt. Es ist Symbol der Industrie Italiens - und ihrer Krise. Und: Arbeiterseelsorge hat in Genua Tradition.

Die Kronkorken deutscher Biere haben möglicherweise ihren Ursprung in Genua. Im Industrieviertel Cornigliano ist seit 1953 der Stahlhersteller ILVA angesiedelt; aktuell produziert dieses Werk als einziges in Italien Weißblech. Daraus werden etwa Konservendosen - oder eben Kronkorken. Drei Standorte hat ILVA in Italien: im süditalienischen Tarent, im piemontesischen Novi Ligure, in Genua. In dieses Werk kommt am Samstag Papst Franziskus. Eigentlich ein Anlass, die Korken knallen zu lassen. Doch die Lage hier ist schwierig.

Aktuell ist die Zukunft der 1.500 Beschäftigten am traditionsreichen Standort Genua ungewiss: Der schon länger marode Konzern wird derzeit vom Staat verwaltet, steht vor der Übernahme durch einen anderen Anbieter. Zwei Angebote liegen auf dem Tisch; eigentlich hätte die Entscheidung schon im April fallen sollen. Doch auch Mitte Mai weiß noch keiner, wie es mit dem schwer verschuldeten Stahlhersteller weitergeht, der durch Umweltskandale des Werks in Tarent Schlagzeilen machte.

Papst im Herzen der Industrie

Früher war die Industrie in Norditalien bedeutender Wirtschaftsfaktor, Genua als "Hauptstadt der Metallmechanik" bekannt. Doch die Wirtschaftskrise hat den Standort längst erreicht. In dieser Situation kommt der Papst, trifft sich in einer der Fabrikhallen mit der "Welt der Arbeit", wie es im Programm heißt. Erwartet werden 3.000 Teilnehmer aus verschiedenen Arbeitsbereichen; für die ILVA-Mitarbeiter sollen 500 bis 600 Plätze reserviert sein.

Dass Franziskus seine Tagesreise nach Genua im Werk von Cornigliano beginnt, hat für viele hier große Bedeutung: "Da kommt eine sehr wichtige Person. Da trifft sich quasi das Symbol der katholischen Kirche mit der Arbeiterklasse, und zwar im Herzen der Industrie, die sehr angeschlagen ist", sagt ein Arbeiter. Viele sind nicht gläubig.

Der eine oder andere würde Franziskus dennoch bitten zu beten, "dass wir noch lange weiter arbeiten können". Andere zucken mit den Schultern: "Papstbesuch? Mir egal. Ich glaube nicht, dass er zur Besserung der Lage beitragen kann. Ich würde ihn um Geld bitten."

Arbeitsplätze in Gefahr

In den vergangenen Jahren sind bei der ILVA in Genua laut Gewerkschaftsangaben 1.200 Arbeitsplätze weggefallen: Es gab zwar keine Kündigungen, da viele in Rente geschickt wurden. Aber es gab auch keine Neueinstellungen, dafür Kurzarbeit. Derzeit sollen 370 Mitarbeiter des Werks in Sonderkurzarbeit sein.

"Der Papstbesuch in Genua beginnt mit dem Treffen der Arbeiter, weil das aktuell das wichtigste Problem der Stadt ist", sagt der Direktor der örtlichen katholischen Arbeiterseelsorge, Monsignore Luigi Molinari. Die insgesamt zehn Arbeitserseelsorger Genuas besuchen an festen Tagen ihre Fabriken; zu Ostern feiern sie eine Messe mit den Arbeitern in den Werken. In Zeiten der Krise sind die Fabrikgeistlichen noch stärker gefragt: "Dieses Jahr wurden wir zum ersten Mal gebeten, auch eine Weihnachtsmesse anzubieten", berichtet Molinari.

Geistliche als Vermittler

Die Kirche in Genua ist schon lange an der Seite der Arbeiter, denn diese Art der Seelsorge ist eine in der Hafenstadt historisch gewachsene Besonderheit: Wie Gefängnisseelsorger Haftanstalten, so besuchen die Genueser Arbeiterseelsorger seit 1943 Fabriken und Arbeiter. Auch an anderen Orten Italiens ist die Kirche in diesem Bereich aktiv, nur in Genua jedoch wurde dafür eigens eine Stiftung gegründet, die "Assistenza Religiosa Morale Operai" (Moralisch religiöse Unterstützung für Arbeiter).

Die Geistlichen nehmen immer wieder eine Vermittlerposition ein. Sie sind mit Gewerkschaftern, Arbeitern und den Chefetagen in Kontakt. "Wenn es darum geht, Arbeitsplätze zu sichern, reden wir mit allen", so Molinari. Die Fabrikbesuche sind für ihn und sein Team auch wichtiger Teil der Missionsarbeit. "Da immer weniger Leute in die Kirche gehen, gehen wir zu ihnen", sagt der Geistliche.

Dass der Papst seinen Genua-Besuch in der Manier eines Arbeiterseelsorgers beginnt, ist so vielleicht nicht nur Zeichen der Unterstützung für die Fabrik in der Krise, sondern auch eine Würdigung der besonderen Tradition der Genueser Fabrikgeistlichen.

Stefanie Stahlhofen
(KNA)

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