Papst-Enzyklika zu Ehe und Familie
Papstschreiben Amoris Laetitia
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

08.04.2017

domradio.de-Chefredakteur zu einem Jahr "Amoris laetitia" "Es hat Früchte getragen"

Vor einem Jahr, am 8. April 2016, veröffentlichte Papst Franziskus sein Schreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie. "Es hat Früchte getragen", resümiert domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen im Interview.

domradio.de: Was war das Ziel der Veröffentlichung von Amoris Laetita?

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur von domradio.de): Wir müssen erst einmal festhalten, dass dieses Schreiben "Amoris laetitia", also über die Freude der Liebe, ein Schreiben des Papstes ist, das nach einer Bischofssynode verfasst worden ist. Der Papst hatte überraschend zu dieser Familiensynode eingeladen. Zwei Jahre lang haben sich Bischöfe und Gläubige aus aller Welt mit den Themen rund um Familie und Glauben beschäftigt. Dann galt es, alles zu bündeln. Das hat Papst Franziskus dann quasi mit diesem Schreiben auf den Punkt gebracht.

domradio.de: Welche Themen waren denn besonders heikel oder haben für besonders viele Diskussionen gesorgt?

Brüggenjürgen: Das ist in den Medien schnell auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen reduziert worden. Aber es gab viele verschiedene Punkte in dem rund 300-seitigen Schreiben. Es ging dem Papst darum, dieses ganze Themenfeld zu beackern und deutlich zu machen, dass sich die Gesellschaft verändert und dass sich die kirchliche Lehre zwar nicht genau an die Gesellschaft anpassen muss, aber dass der Kern des Glaubens immer wieder neu definiert werden muss. Es muss festgeschrieben werden, in welche Richtung das Ganze geht. Bei dem klassischen Konfliktthema wiederverheiratete Geschiedene ist es auf der einen Seite so, dass Papst Franziskus in dem Schreiben voll in der Tradition der Kirche und seiner Vorgänger bleibt und natürlich an der Unauflöslichkeit der Ehe als Glaubensgut festhält. Auf der anderen Seite formuliert Franziskus aber auch einen Fortgang indem er formuliert, man habe keinen Automatismus, der dafür sorgt, dass Geschiedene in dem Fall einer Neuheirat automatisch von den Sakramenten ausgeschlossen werden. Hier, sagt Franziskus mit dem Blick der Barmherzigkeit, gelte es, jeden Einzelfall mit einem Beichtvater und entsprechender Beratung sorgfältig zu prüfen. Dann sehe der Fall unter Umständen anders aus.

domradio.de: Nun ist die Veröffentlichung ein Jahr her. Kann man da schon sagen, ob dieses Schreiben Früchte getragen hat?

Brüggenjürgen: Ich glaube, es hat Früchte getragen. Es haben natürlich nach diesem Schreiben die Diskussionen nicht aufgehört. Wir in Köln haben das auch erlebt, denn es gab ein Schreiben von vier Kardinälen an den Papst, die sich sehr besorgt geäußert haben. Zu den Unterzeichnern gehört auch unser emeritierter Erzbischof, Kardinal Meisner. Sie haben gesagt, bei den Gläubigen gebe es durch dieses Schreiben eine ernsthafte Orientierungslosigkeit und eine große Verwirrung. Das waren aus meiner Sicht allerdings singuläre Einzelpunkte. In der Summe haben sich alle deutschen Bischöfe auf ein Papier geeinigt, das sie im Januar diesen Jahres veröffentlicht haben - das Wort der deutschen Bischöfe zu "Amoris laetitia". Sie haben darin quasi eine Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral aufgestellt und dort noch einmal deutlich gemacht, wo eigentlich die Chancen liegen. Wir haben eine neue Sprache, die die Menschen erreichen kann und wir haben eine alte Lehre. Das haben die deutschen Bischöfe in großer Einmütigkeit und sehr einhellig zusammen nach vorne gebracht. Insofern würde ich sagen: sehr erfolgreich.

domradio.de: Wie geht es denn weiter? Gibt es noch einmal ein Update oder ein neues Schreiben?

Brüggenjürgen: Gerade diese Punkte rund um die Familie, den Glauben, die Erziehung der Kinder und die Ehepaare sind in einer Gesellschaft, die sich so rasant entwickelt, immer wieder Aspekte, die fortgeschrieben werden. Die schönsten Papiere nützen überhaupt nichts, wenn der Glaube nicht gelebt wird und nicht lebendig in diese Zeit hineingetragen wird. Darum, glaube ich, muss es in erster Linie gehen, dass Christen überall auf der Welt deutlich machen, welchen Stellenwert und welche Chancen Ehe, Familie und Partnerschaft haben. Dann ist mir um die Zukunft überhaupt nicht bange.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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