Papst Franziskus mit argentinischer Flagge
Papst Franziskus mit argentinischer Flagge

17.06.2016

Ein spektakulärer Kriminalfall sorgt in Argentinien für Aufsehen Gefährliche Millionen

Argentinien versinkt in einem Geldwäscheskandal, dessen Folgen noch unabsehbar sind. Unterdessen warnt Papst Franziskus seine argentinische Stiftung vor den Gefahren der Korruption.

Die Gemengelage ist noch unübersichtlich und doch haben eine Handvoll prominenter Argentinier ihr Urteil schon gefällt. Hebe de Bonafini, Vorsitzende der Bürgerrechtsorganisation "Mütter der Plaza de Mayo", wittert eine Geheimdienstaktion hinter dem jüngsten Korruptionsskandal, der Argentinien erschüttert.

"Alles war vorbereitet, alles organisiert", glaubt Bonafini, deren Organisation einst selbst wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geriet. Bonafini gilt als treue Anhängerin der ehemaligen Präsidentin Cristina Kirchner (2007-2015), die nun wieder einmal in den Fokus von Korruptionsermittlungen gerät.

Ehemaliger Kirchner-Funktionär wollte Millionen in Kloster verstecken

Freilich hat auch Fußball-Legende Diego Maradona, die legendäre "Hand Gottes", seine eigene Meinung zu dem Skandal: Ex-Fifa-Chef Joseph Blatter habe doch viel mehr Geld beiseitegeschafft als Jose Lopez, feuerte Maradona, der seit wenigen Tagen in Diensten des neuen FIFA-Chefs Gianni Infantino steht, eine Breitseite auf dessen Intimfeind Blatter ab.

Die Auswahl prominenter Stimmen zeigt, auf welch vermintem Gelände sich die Ermittler bewegen, die den Skandal um die rund neun Millionen US-Dollar aufklären wollen, die der ehemalige Kirchner-Funktionär Jose Lopez in einem Kloster zu verstecken versuchte.

Erzbischof Agustin Radrizzani hatte noch unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls versucht, eine klare Linie für die katholische Kirche zu ziehen. Er sei völlig "perplex" und "überrascht" über die Nachrichten, sagte der Oberhirte der Diözese Mercedes-Lujan dem Radiosender "Cadena 3". Obendrein handele es sich bei der Ordensgemeinschaft, die das Kloster betreibe, um eine private Organisation. Die Kirche, so schlussfolgert Radrizzani, habe deshalb mit dem Skandal nichts zu tun.

Bislang steht fest: Jose Lopez, ranghoher Funktionär der Kirchner-Regierung, der an zentraler Stelle für die Vergabe milliardenschwerer Bauaufträge verantwortlich war, ist bei dem Versuch ertappt worden, eine Millionensumme - verpackt in Plastiktüten - in einem Kloster zu verstecken. Woher das Geld kam, ob Lopez als Einzeltäter oder im Auftrag einer übergeordneten Stelle handelte, ist bislang unklar.

Geraubtes Geld?

Wie brisant der Fall für die ehemalige Präsidentin ist, zeigt die Tatsache, dass sich Kirchner selbst und wichtige Mitstreiter eilig zu Wort meldeten, um sich von Lopez zu distanzieren. Die Aussage einer Ordensschwester aus dem betroffenen Kloster lässt den Fall noch bizarrer anmuten: Lopez habe weinend vor ihr gestanden und erklärt, es handele sich um geraubtes Geld. Nähere Einzelheiten wusste sie nicht zu berichten.

Die Causa schlägt hohe Wellen, die auch den argentinischen Papst Franziskus nicht unberührt lassen können. Nachdem Kirchner wegen dessen Kritik an den sozialen Zuständen im Land den damaligen Erzbischof von Buenos Aires nicht gerade auf ihrer Freunde-Liste hatte, suchte sie nach der Papstwahl immer wieder die mediale Nähe zu ihrem populären Landsmann. Und Franziskus wies sie keineswegs zurück.

Prompt sorgt ein Video im Internet für Furore, in dem eine Argentinierin dem Papst zuruft, er solle sich nicht zum Komplizen der Korruption machen. Mehr als 40.000 Mal wurde der von einem argentinischen Sender verbreitete Clip inzwischen angeklickt.

Papst kämpft gegen die Korruption

Obendrein kämpft der Papst auch an eigener Front gegen die Korruption. In einem Brandbrief an die Direktoren der von ihm in Buenos Aires gegründeten Stiftung "Scholas Occurrentes" ruft er dazu auf, "Apostel einer Botschaft" und nicht "Unternehmer einer sozialen Organisation" zu sein. Es drohe sonst die Gefahr, in Korruption zu versinken.

Zuvor hatte Franziskus eine Millionen-Spende der argentinischen Regierung abgelehnt. Über die Hintergründe gibt es verschiedene Versionen. Dem Kirchenoberhaupt habe die Summe von 16.666.000 Pesos (ca. 1,08 Millionen Euro) wegen der Zahl "666" nicht gefallen, heißt es einerseits. Andere Quellen behaupten dagegen, der Papst wolle keine Spenden aus dem staatlichen Haushalt, weil das Geld für das argentinische Volk vorgesehen sei. Stattdessen solle die Regierung des amtierenden bürgerlichen Präsidenten Mauricio Macri das Geld aus privaten Quellen organisieren.

Tobias Käufer
(KNA)

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