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April 2013: Kardinalsrat mit Papst Franziskus
April 2013: Kardinalsrat mit Papst Franziskus

13.09.2015

Kardinalsrat setzt Beratungen über Kurienreform fort Mehr Transparenz und Effizienz

Die Kurienreform ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch mit dem sogenannten K9-Rat verbinden sich weiter hohe Erwartungen an Papst Franziskus. Ab Montag beraten die Kardinäle wieder über den Vatikan der Zukunft.

Alle zwei bis drei Monate tritt der Kardinalsrat für die Kurienreform zusammen, das wichtigste Beratergremium des Papstes. Ab Montag berät er zum elften Mal gemeinsam mit Franziskus, wie der Vatikan der Zukunft aussehen soll; mit welchen Strukturen sie effizienter und sparsamer ihren Dienst für die Ortskirchen in aller Welt leisten könnte; und wie die vatikanischen Ministerien, Ämter und Behörden aufgestellt und ihre Arbeit koordiniert sein müssten. Denn Pannen der Vergangenheit wie "Vatileaks"-Verrat und "Williamson-Affäre" sollen sich nicht wiederholen.

Kein zweites "Vatileaks"

Die neun Kardinäle aus aller Welt, darunter für Europa der Münchener Kardinal Reinhard Marx, haben in den vergangenen zwei Jahren der Reihe nach die Arbeit der Kongregationen, der Räte und der übrigen Dikasterien untersucht und Änderungsvorschläge gemacht. Einige Reformprojekte sind bereits auf dem Weg. So schuf der Papst vor eineinhalb Jahren neue Strukturen für den Wirtschafts- und Finanzbereich, der immer wieder für Negativschlagzeilen gesorgt

hatte: nämlich das Wirtschaftssekretariat unter Leitung des australischen Kardinals George Pell und den von Marx koordinierten Wirtschaftsrat.

Dann wurde im Kampf gegen die Missbrauchsskandale eine eigene Kinderschutzkommission gegründet, die vom Bostoner Kardinal Sean O'Malley betreut wird. Und unmittelbar nach der K9-Sitzung im Juni fasste der Papst per Dekret die neun eigenständigen und oft parallel arbeitenden vatikanischen Medieneinrichtungen unter dem Dach eines neuen Kommunikationssekretariates zusammen.

Allerdings gibt es für dieses Sekretariat, zu dessen Präfekt der bisherige Chef des Vatikan-Fernsehens Dario Vigano gemacht wurde, bislang noch keine Statuten. Binnen vier Jahren sollen so unterschiedliche Behörden wie Radio Vatikan, das Fernsehen CTV, die Zeitung "Osservatore Romano" samt Fotodienst sowie Medienrat, Verlag, Druckerei und Internetbüro zusammenwachsen, hieß es vage.

Noch vieles offen

Dabei sollen ineffiziente oder technisch überholte Dienste wie etwa die Radiokurzwelle heruntergefahren, Doppel- und Mehrfacharbeit abgebaut, der Dienst des Presseamtes ausgebaut und dafür mehr Synergien genutzt werden. Ob das, wie zunächst zugesagt, unter Wahrung des Personalstands vonstattengeht und welche Struktur am Ende stehen soll, scheint derzeit noch offen.

Nächstes Reformprojekt könnte die Errichtung einer Großbehörde für Laien, Familien- und Lebensfragen sein, vermuten Beobachter. Das Konzept wurde bereits in früheren Sitzungen beraten und könnte bald umgesetzt werden. Dagegen dürfte die Gründung des Sozialministeriums noch etwas auf sich warten lassen. Hier sollen die Aufgaben von vier bisherigen Räten zusammengeführt werden: Gerechtigkeit und Frieden, Caritas, Krankenpastoral und Migranten.

Kulturbereich und Kirchengerichte

Unklar ist, wie im Vatikan künftig der Kulturbereich organisiert werden soll. Noch nicht abschließend behandelt scheint auch die Zukunft der Kirchengerichte, die mancher bereits mit dem Rat für Gesetzestexte unter einem Dach zusammengeführt sah. Wenig ändern dürfte sich an der Arbeit der Behörden für Ökumene und für interreligiösen Dialog.

In den nächsten Tagen dürfte der Kardinalsrat auch über die Präambel der neuen Kurienverfassung fortsetzen. Sie enthält die Leitlinien für die Arbeit der Vatikanbehörden, der päpstlichen Angestellten und deren Kooperation mit den Ortskirchen. Sie muss regeln, wie die Koordination innerhalb der Kurie verbessert werden kann, vielleicht durch häufigere Kabinettssitzungen und mehr Transparenz zwischen den bislang weitgehend eigenständigen Behörden.

Zwar hat schon die Kurienverfassung "Pastor bonus" von 1988 stark das Subsidiaritätsprinzip unterstrichen, wonach Fragen und Probleme womöglich zunächst auf Ebene der Ortskirchen gelöst werden sollen, bevor sie nach Rom kommen. Doch ber nicht immer sei dieser Dienstcharakter der Kurie deutlich geworden, klagen Bischöfe. Zudem muss sich zeigen, ob und wo Laien künftig in den Vatikanbehörden mehr Platz erhalten. Ob die Kurienreform, mit der sich hohe Erwartungen auch an den Reformwillen von Papst Franziskus verbinden, bereits 2016 abgeschlossen sein kann, ist noch ungewiss. 

 

Johannes Schidelko
(KNA)

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