Papst Franziskus in Ecuador mit Präsident Correa
Papst Franziskus in Ecuador mit Präsident Correa
Arm in Arm
Arm in Arm

06.07.2015

Ecuadors Präsident Correa demonstriert Nähe zu Franziskus Arm in Arm mit dem Papst

Der Papst besucht Ecuador - ein Ereignis, dass Präsident Rafael Correa in Zeiten der innenpolitischen Krise nicht ungelegen kommt. Optisch und verbal sucht er den Schulterschluss mit Franziskus.

Ecuadors Präsident Rafael Correa ist ein Medienprofi. Der Linkspolitiker aus Guayaquil hat eine eigene wöchentliche TV- und Radioshow, in der er über Stunden die Politik seiner Bürgerrevolution erklärt. Spötter und Kritiker sprechen von einer mit Steuergeldern finanzierten Propagandashow, Correas Anhänger dagegen von einem Akt der Basisdemokratie und Transparenz.

Beim Papstbesuch in Ecuador nutzte Correa nun die große Bühne, um seinem Land und der Welt zu zeigen, wie eng seine Bande zum ersten Kirchenoberhaupt Lateinamerikas sind. Schon beim Empfang am Flughafen in Quito nahm Correa den Papst in die Arme. Eine bei solchen Anlässen eher unübliche Geste - soll doch zumindest rein optisch eine Distanz zwischen Kirchen- und Staatsoberhaupt gewahrt bleiben. Besonders bei Staatsführern mit zweifelhaftem Ruf könnten Bilder entstehen, die für den Papst unvorteilhaft sind.

Seit Wochen geht Opposition auf Straße

Correa ist kein Despot und kein Diktator - auch wenn ihn seine Kritiker gelegentlich als solchen bezeichnen -, dafür aber ein gewiefter Populist, der genau weiß, welche Bilder er in der derzeitigen innenpolitischen Krise des Landes benötigt. Seit Wochen geht die Opposition in dem südamerikanischen Land auf die Straße.

Grund für Kritik gibt es aus ihrer Sicht genug, etwa die Doppelmoral des Präsidenten, der sich einerseits zu einem Wortführer des Umweltschutzes aufschwingt, gleichzeitig aber die Exploration des ökologisch hochsensiblen Naturschutzpark Yasuni vorantreibt.

Deutschen Parlamentariern wurde Einreise in Yasuni-Park verweigert

Umweltschutzorganisationen, die sich deshalb und wegen anderer Abholzungsaktionen im Land besorgt zeigen, bekommen den Einfluss des Machtapparates zu spüren. Einer Gruppe deutscher Parlamentarier, die sich vor einigen Monaten vor Ort ein Bild machen wollte, wurde die Einreise verweigert, weil sie sich ihre Gesprächspartner nicht vorschreiben lassen wollte. Der Interamerikanische Presseverband SIP schrieb noch am vergangenen Wochenende an den Papst, er möge auf die Einhaltung der Presse- und Meinungsfreiheit in Ecuador dringen, nachdem zuletzt regierungskritische Journalisten von der Correa-Regierung unter Druck gesetzt worden seien.

In diesem Klima setzt der Präsident nun auf einen optischen und verbalen Schulterschluss mit dem populären Papst. Unmittelbar vor dem Eintreffen des Argentiniers wies Correa Kritik an einer Instrumentalisierung des Papstbesuchs für eigene Zwecke zurück. "Wir werden niemals den Besuch des Papstes politisieren, eine andere Sache sind allerdings seine Ideen und Botschaften, die tief politisch sind", sagte Correa. Die jüngste Umwelt-Enzyklika des Papstes zeige in Teilen eine große Übereinstimmung mit der ecuadorianischen Verfassung, so Correa.

Correa unterstreicht Nähe zur Umwelt-Enzyklika

Auch in seiner Begrüßungsrede nutzte Correa die Gelegenheit, seine politische Nähe zur Umwelt-Enzyklika zu unterstreichen und präsentierte sich als Vorkämpfer für ein sozial gerechteres Amerika.

Vor allem die reichen, christlichen Völker aus dem Norden müssten ihre Denkweise umstellen, so der Präsident. Sie beherrschten die Märkte und die Märkte beherrschten die Medien. Es müsse jedoch genau umgekehrt sein: Politik und Wirtschaft müssten den Menschen dienen.

Mit einem Satz ging auch der Papst auf die innenpolitische Situation in Ecuador ein, so zumindest werteten es die regierungskritischen Medien des Landes. "Papst Franziskus fordert den Aufbau eines Dialogs ohne Ausgrenzungen in Ecuador", schrieb El Universo mit Blick auf eine Äußerung des Präsidenten, der sich zwar für eine nationalen Debatte ausgesprochen hatte, dabei jedoch Einschränkungen machte.

Zumindest nach Einschätzung der im überwiegend linksregierten Lateinamerika einflussreichen staatlichen kubanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina darf sich Correa fortan der Unterstützung des Papstes sicher sein: "Franziskus drückt Unterstützung für Führung des ecuadorianischen Präsidenten aus." Correa wird es freuen.

Tobias Käufer
(KNA)

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